Green Finance
12.02.2018

Google, Telekom, AT&T: Konzerne investieren zunehmend in Ökostrom

Foto: T-Mobile US, Startseite: Creative Commons/Ian Mantel
Popstar der Telekommunikationsbranche: Unter Vorstandschef John Legere (2.v.r.) investiert nun auch T-Mobile US in grüne Energie.

Stromerzeugung für Konzerne könnte das Zukunftsgeschäft der Erneuerbaren-Branche werden. Multinationale Unternehmen beginnen, eigene Wind- und Solarparks zu errichten.

Wenn T-Mobile, Nike, Starbucks, Apple, Goldman Sachs und viele mehr ihre Ankündigungen wahrmachen, könnte den Herstellern von Windenergie- und Solaranlagen eine zahlungskräftige neue Klientel erwachsen. Die Konzerne verpflichten sich, ihren Strombedarf bis 2030 ausschließlich aus erneuerbaren Energien zu decken, einige bereits früher. Mittlerweile 124 prominente Unternehmen haben sich der "RE 100"-Initiative der Nichtregierungsorganisation Climate Group in London angeschlossen. Zuletzt kam Ende Januar die Telekom-Tochter T-Mobile US dazu.

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In den USA sieht einer der größten dortigen Windpark-Projektierer vor diesem Hintergrund einen Trend zu Direktinvestitionen: "Ich glaube, dass wir unmittelbare Investitionen in Projekte sehen werden", sagte Steve Vavrik, der kaufmännische Leiter von Apex Clean Energy, kürzlich dem Fachportal "Recharge News". Direktbeteiligungen sind demnach für die Konzerne oft kostengünstiger als die bisher üblichen Power Purchase Agreements (Strombezugsverträge) mit Energielieferanten.

Rückenwind durch Trumps Steuerreform

Vavrik rechnet damit, dass die von Präsident Donald Trump angestoßene Steuerreform den Trend verstärkt. Unternehmen werden seiner Erwartung nach viel Kapital aus dem Ausland in die Vereinigten Staaten zurückverlagern und einen Teil davon in eigene grüne Energieerzeugung stecken.

Der Internetkonzern Google hat bereits im großen Stil in Windparks in den USA investiert, um - zumindest rechnerisch - seinen eigenen Strombedarf aus erneuerbaren Energien decken zu können. Google expandiert dabei auch international, unter anderem nach Afrika: Dort ist seine Muttergesellschaft Alphabet am größten Windpark Kenias beteiligt.

Ikea-Windparks in Polen

Noch beziehen die meisten kommerziellen Grünstrom-Großverbraucher ihren Strom über Power Purchase Agreements oder auf dem Strommarkt. Neben Google stützen aber auch andere Konzerne Steve Vavriks Prognose zum wachsenden Anteil von Direktinvestitionen. Ikea beispielsweise versucht, sich mittels eigener grüner Stromerzeugung energieautark zu machen. Der weltgrößte Möbelkonzern verfolgt dieses Ziel unter anderem in Polen, wo er in mehreren eigenen Windparks Strom und in eigenen Biomasse-Kraftwerken Wärme produziert.

In Europa gilt auch der Spielzeughersteller Lego als Pionier unter den Grünstrom-Selbstversorgern: Seine Muttergesellschaft Kirkbi ist beim Windpark Burbo Bank Extension vor der britischen Westküste und bei Riffgrund 1 in der deutschen Nordsee investiert. In Letzerem sichert sich das dänische Unternehmen 30 Prozent des Gesamtertrags der 78 Windenergieanlagen.

AT&T kauft 520 Megawatt

In den USA hat jetzt der Telekommunikationriese AT&T seinem Konkurrenten T-Mobile die Schau gestohlen: Kurz nach T-Mobiles Beitritt zur RE100-Initiative gab das AT&T-Management bekannt, dass der Konzern 520 Megawatt Windstrom von dem Erzeuger NextEra Energy Resources beziehen wird. Laut NextEra ist das "einer der größten Käufe erneuerbarer Energie durch ein US-Unternehmen".

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Christian Schaudwet
Keywords:
Windenergie | Solarenergie
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Kommentare

Jetzt hat der grüne hype auch die Finanz- und die IT-Branche offenbar voll erfasst. Diese Leute können doch rechnen. Aber die Physik können auch sie nicht ändern. Sie müssten vielmehr Angst um ihre Investitionen haben ! Sie sind 24/7 auf unterbruchslose Stromversorgung angewiesen (wie eigentlich wir alle). Aber genau diese werden sie mit Wind und Sonne NIE bekommen, auch nicht mit teuren Tricks und allerlei Kniffen. Flatterstrom lässt sich nun mal nicht "glätten" und auch nicht grosstechnisch speichern. Diese Erfahrung macht gerade Musk mit seiner Giga-Factory in Nevada. Wait and see.

Lieber Herr Burri,
Sie sollten direkt Regierungsmitglied in der GroKo werden und sich in der ideenlosen, rückwärtsgewandten und den Status Quo verwaltenden Mannschaft passiv beteiligen. Was ich in meinem kurzen Leben alles schon gehört habe, was nicht ginge...
Warten Sie mal ab und sehen Sie ;-)
Gruß,
Optimist

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