Digitalisierung
19.02.2018

Blockchain-Projekt: Lightning Network könnte Bitcoin-Strombedarf senken

Foto: iStock
Das Lightning Network ist ein Zahlungsprotokoll, das auf einer Blockchain wie Bitcoin aufgesetzt wird.

Der hohe Stromverbrauch für das Bitcoin-Schürfen wird zunehmend kritisiert. Island fürchtet sogar einen Energienotstand aufgrund des Booms. Abhilfe könnte das Lightning-Netzwerk schaffen.

Millionen oder Milliarden Transaktionen pro Sekunde – anstatt wie bislang höchstens sieben. Nicht weniger versprechen die Erfinder des Lightning-Netzwerkes, Joseph Poon und Thaddeus Dryja, für die Verwendung von Kryptowährungen wie Bitcoin. Hinzu kommt: ihr System soll die Transaktionsgebühren minimieren – und vor allem den enormen Stromverbrauch durch das sogenannte Mining in den Griff bekommen.

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Zurzeit werden Transaktionen von Bitcoin direkt in dezentralen Datenbank Blockchain erfasst. Bei etwa 2500 Transaktionen muss durch die Miner ein neuer Block geschaffen werden, für den sie im Gegenzug neue Bitcoins bekommen. Ein lukratives Geschäft für die Bitcoin-Schürfer, die zudem an den Transaktionsgebühren verdienen können. Dieser Prozess führt jedoch zu langen Wartezeiten, zu hohen Preisen und nicht zuletzt zu einem hohen Stromverbrauch, da für das Mining enorme Rechnerkapazitäten vonnöten sind.

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Energiebedarf sinkt

Abhilfe verspricht möglicherweise das Projekt Lightning Network – es will die Skalierbarkeit von Bitcoin erhöhen, also ein Wachstum der Transaktionsanzahl ohne Geschwindigkeitseinbußen und Preissteigerungen ermöglichen. An dem Projekt arbeiten zur Zeit die beiden US-amerikanischen Unternehmen Blockstream und Lightning Labs, zusammen mit dem französischen Start-Up Acinq.

Durch die Technologie werden individuelle Bezahlkanäle zwischen Nutzern auf der Blockchain geschaffen. Innerhalb der Kanäle können diese unbegrenzt Bitcoin nahezu in Lichtgeschwindigkeit austauschen. Lediglich die Eröffnung und das Schließen eines solchen Kanals beziehungsweise der Endbetrag werden auf der Blockchain vermerkt, nicht aber die einzelne Transaktion. Das reduziert die Anzahl der benötigten Einträge in der Blockchain gewaltig und damit auch den Energiebedarf.

Mikrotransaktionen möglich

Ein solcher Kanal kann über einen unbestimmten Zeitraum geöffnet bleiben und so immer wieder Zahlungen der Teilnehmer ermöglichen. Transaktionsgebühren werden erst wieder fällig, sobald die Blockchain aktualisiert und der Betrag auf ihr festgeschrieben wird. Auch der Austausch von kleinen Beträgen wird so möglich – momentan lohnen sich diese auf Grund der hohen Transaktions- und Energiekosten nicht.

Dieses System ist denkbar für Partner, die häufig miteinander Geschäfte machen – sei es nun Unternehmen mit Stammkunden, Gehaltszahlungen an Angestellte oder andere regelmäßige Transaktionen. Letztlich können aber auch riesige Netzwerke entstehen, die lange geöffnet bleiben und laufend neue Teilnehmer aufnehmen – das Skalierungsproblem der Bitcoin-Blockchain wäre gelöst. Auch eine Tasse Kaffee könnte mit Bitcoins gekauft werden.

Miner präferieren Island

Vor allem hätten die Miner weniger zu tun und würden ihren Stromverbrauch reduzieren. Momentan verlegen einige von ihnen ihre Rechenzentren nach Island, wo die Stromkosten dank Geothermie und Wasserkraft vergleichsweise niedrig sind. Zuvor fand Mining dank des günstigen Kohlestroms hauptsächlich in China statt, was enorme Umweltbelastungen nach sich zieht. Zudem ist die Krypto-Szene dort ins Fadenkreuz der Behörden geraten – es gibt Ambitionen, das Mining zu verbieten.

Aber auch in Island werden die Bitcoin-Farmen zunehmend kritisch betrachtet. Diese könnten in diesem Jahr mehr Strom verbrauchen als alle isländischen Privathaushalte zusammen, sagte ein Sprecher des isländischen Energieunternehmens HS Orkas dem britischen Fernsehsender BBC. Es gebe in dem kleinen Land mit nur 350.000 Einwohner nicht genug Energie für all die angefragten Mining-Projekte. Würden sie alle umgesetzt, käme man auf einen Stromverbrauch von 840 Gigawattstunden. Isländische Haushalte verbrauchen im Jahr insgesamt lediglich 700 Gigawattstunden.

Auch ist man in Island seit der Finanzkrise 2008 skeptisch in Hinblick auf Finanz-Spekulation. Bislang gelten Bitcoins vor allem als Spekulationsobjekt mit zunehmend verheerender Umweltbilanz. Das Lightning-Netzwerk könnte dies ändern. Zwar steht das Projekt noch am Anfang, doch erste Transaktionen wurden erfolgreich getestet.

Lesen Sie auch: Envion sammelt Geld fürs grüne Bitcoin-Schürfen

Carsten Kloth
Keywords:
Blockchain | Digitalisierung
Ressorts:
Technology

Kommentare

Das Lightning Network ist eine der vielversprechendsten Innovationen im gesamten Blockchain-Ökosystem. Es wird aber definitiv nicht den Stromverbrauch von Bitcoin senken. Das LN ist als sogenannter 2nd layer konzipiert, baut also eine zweite Ebene auf Bitcoin auf. Das Bitcoin Netzwerk bleibt dabei, wie es ist. Das bedeutet auch, dass der vermeintlich hohe Stromverbrauch sich nicht ändern wird. Allerdings kann das Lightning Netzwerk sehr viel mehr Transaktionen abbilden, so dass der relative Stromverbrauch pro Transaktion deutlich sinken kann. 1000 Transaktionen im Lightning Network brauchen genauso viel Strom wie 1 Million Transaktionen.

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