Erneuerbare Energien
03.04.2018

Hitachi, Mitsubishi und Engie koppeln E-Auto mit smartem Gebäude

Elektroautos lassen sich per "V2X-Lader" mit Gebäuden verbinden, um sie energieautark zu machen. Gekoppelt mit dem Stromnetz wirkt die Technologie zudem stabilisierend und kostensenkend.

Ihr Ziel ist es, eines Tages energieneutrale Gebäude in einer Smart City zu versorgen: Der Elektrotechnikkonzern Hitachi und der Autobauer Mitsubishi haben sich mit dem Energielösungsanbieter Engie zusammengetan, um E-Fahrzeuge als Strompuffer für Gebäude zu nutzen. In einem neuen Projekt koppeln sie einen Plug-In-Hybrid über ein spezielles Ladegerät mit einem Engie-Bürogebäude im niederländischen Zaandam.

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Vehicle-to-Building (V2B)
Quelle: Mitsubishi

Der Strom fließt je nach Bedarf in beide Richtungen: Der bidirektionale „Vehicle-to-X“-Lader (V2X) leitet ihn sowohl vom Auto ins Gebäude als auch vom der Energieversorgung des Gebäudes ins Fahrzeug, das SUV-Modell „Outlander“. V2X bedeutet, dass der Lader sowohl Energie in Gebäude (Vehicle-to-Building) als auch ins Stromnetz einspeisen kann (Vehicle-to-Grid).

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Auch Solaranlagen lassen sich verbinden

Außerdem sind Solarzellen und weitere externe Batteriespeicher direkt mit dem Ladegerät verbunden. Produziert das Gebäude mehr Strom als es verbraucht, wird die überschüssige Energie in der Batterie des Mitsubishi gespeichert. Die Batterie fungiert sowohl als Stromspeicher als auch als Notstromaggregat: Bei Bedarf fließt die Energie wieder zurück ins Gebäude. Im nächsten Schritt wollen die Projektpartner untersuchen, wie sich Gebäude mithilfe von E-Autos, erneuerbarem Strom und Energiemanagement-Systemen autark versorgen lassen. Im Prinzip geht es darum, ein vom Stromnetz unabhängiges Microgrid zu bauen – das spart Kosten und Emissionen. Die Vehicle-to-Grid-Technologie eignet sich aber auch dazu, das Stromnetz zu stabilisieren, dazu weiter unten mehr.

Ram Ramachander, Digitalchef von Hitachi Europa, sagt, das Vehicle-to-X-Projekt könne beim Erschaffen neuer Geschäftsfelder rund um Elektroautos helfen: „Auch bei der Vehicle-to-Grid-Technologie, die Flexibilität bei der Energieversorgung bietet“. Engie-Chief Operating Officer Hans Boot hofft auf Interesse von anderen Firmen an dem „ersten echten Smart-Grid-Ladegerät“. Und Vincent Cobee, Vizechef von Mitsubishi, will mit dem Projekt aufzeigen, dass Elektro- und Hybridautos in der städtischen Energieversorgung künftig eine wichtige Rolle spielen werden.

Ünertragungsnetzbetreiber Tennet hat ebenfalls Projekt

Vehicle-to-Grid-Lösungen beschränken sich momentan noch auf Pilotprojekte, weil sie noch nicht wirtschaftlich zu betreiben sind. So verursachen nach Darstellung des Münchner Energie- und Ladelösungsanbieters The Mobility House die dafür nötigen Lastgangzähler so hohe Kosten, dass sie die Ersparnis bei den Stromkosten noch nicht aufwiegen. Geschäftsführer Marcus Fendt geht jedoch davon aus, dass es sich in wenigen Jahren lohnen wird, E-Autos als Strompuffer zu nutzen.

Zuletzt startete The Mobility House jüngst ein Projekt mit Autobauer Nissan und Übertragungsnetzbetreiber Tennet. Die Unternehmen speichern in Nord- und Süddeutschland lokal produzierten Strom in Elektroautos und speisen ihn bei Bedarf wieder ein, um das Stromnetz zu stabilisieren. „Dieses Pilotprojekt ergänzt unsere Blockchain-Projekte, weil es neue Wege erschließt, um die stark vom Wetter abhängige erneuerbare Stromproduktion flexibel zu steuern“, sagt Tennet-Geschäftsführer Lex Hartmann. Dank des gespeicherten Stroms könnten Transportengpässe im Netz aufgelöst und das teure Abregeln von Strom begrenzt werden. 

Sollte sich das Konzept bis Anfang 2019 bewähren, könnten E-Autos von Nissan in ganz Deutschland als Strompuffer zum Einsatz kommen. Letztlich würden davon die Verbraucher profitieren, so Tennet: Sie müssen derzeit über die Netzentgelte für die teuren Eingriffe ins Stromnetz aufkommen, die die stark fluktuierende Stromerzeugung aus Erneuerbaren verursacht. In der Tennet-Regelzone lagen die Kosten für Redispatch, Netzreserve und Windabregelungen im vergangenen Jahr bei knapp einer Milliarde Euro.

Lesen Sie auch: Energiedienstleister Mobility House macht E-Autos zu Speichern

Jutta Maier
Keywords:
erneuerbare Energien | Elektromobilität | Strompuffer | Vehicle-to-Grid | Hiachi | Mitsubishi | Tennet
Ressorts:
Technology | Markets

Kommentare

Leider sind die Energieerzeuger grundsätzlich gegen solche Lösungen. Es gibt mehrere Gründe dafür:
.Die Gesellschaft könnte noch mehr autark werden
.Die Netzentgelde für erneuerbaren Energien könnten kleiner werden
.Es könnte jemand an der Ladestation laden und zu Hause entladen. Es wird gewartet, bis alle Ladestationen gebührenpflichtig sind
Auch unsere Autoindustrie hat ewas dagegen:
Anstatt den CHAdeMO hat diese den Combo-Stecker (CCS) der das nicht kann.

darum muss der Gesetzgeber handeln und die Voraussetzungen schaffen. So wie es den gesetzlich vorgeschriebenen Vorrang für regenerative Energie gibt, müsste der Energieversorger ebenso verpflichtet werden, Energie vom Auto aufzunehmen. Eigentlich könnte das auch ein prima Geschäftsmodell mit Kundenbindung für die Versorger werden... die Versorger dürfen dann die gewonnene Energie als teure schwarze Regelenergie nutzen, dafür erhält der Stromlieferant sehr günstigen regenerativen Überschuss, möglicherweise in einer Flatrate... gerne auch in einem bilanzierten Stromkreis, d.h. er darf bei seinem Arbeitgeber die heimisch produzierte PV-Energie laden...

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