Analyse
25.07.2019

Vier Argumente gegen die Energiewende – und was von ihnen zu halten ist

Foto: iStock
Windenergieanlagen sind nicht immer gerne gesehen. Für das Energiesystem der Zukunft sind sie notwendig.

Ob Windenergie-Ausbau oder CO2-Preis-Debatte – die öffentliche Auseinandersetzung über den Sinn der Energiepolitik nimmt zu. Wie stichhaltig sind die Argumente der Energiewende-Gegner?

Klima-Steuer, höherer Benzinpreis, teureres Heizöl. In weniger als zwei Monaten will die Bundesregierung entscheiden, was nötig ist, um den hiesigen Ausstoß klimaschädlicher Treibhausgase zu verringern. Auch wegen der Greta-Demonstrationen nimmt die Debatte über die Energiewende an Schärfe zu. Eine Analyse einige der Argumente, die die Gegner der Energiewende verwenden:

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Weil andere Länder einfach weiterheizen, nützt die Energiewende in Deutschland nichts gegen den globalen Klimawandel.
Tatsächlich verursachen die hiesigen Privathaushalte und Firmen nur einen Bruchteil der globalen Treibhausgase: rund 900 Millionen Tonnen im Vergleich zu 40 bis 50 Milliarden Tonnen weltweit. Selbst die Halbierung der bundesdeutschen Abgase würde den globalen Ausstoß nur in der Größenordnung von einem Prozent verringern. Währenddessen qualmen die Schlote in anderen Weltgegenden weiter. Indien beispielsweise hat noch gar kein absolutes Reduktionsziel.

Warum sollen wir uns also anstrengen? Weil sich quasi alle Staaten der Erde verpflichtet haben, die Erwärmung der Atmosphäre auf höchstens zwei Grad zu begrenzen. Dafür müssen sie nationale Pläne aufstellen. Mit den Jahren steigt der Druck, das auch zu tun. Die Bundesrepublik hat dann schon einen Teil des Weges hinter sich und wird die Energiewende als Modell in andere Staaten verkaufen.

Die Energiewende ist unökologisch.
Internetseiten wie vernunftkraft.de erklären, dass der europäische Emissionshandel die Abgase nicht vermindert, sondern nur in andere Länder verlagert. Was stimmt: Sparen hiesige Firmen Kohlendioxid-Ausstoß ein, können sie Verschmutzungszertifikate etwa an polnische Unternehmen verkaufen, die dann mehr emittieren. Allerdings hat der europäische Emissionshandel einen Deckel, der Jahr für Jahr sinkt.  Die Gesamtverschmutzung geht insgesamt permanent zurück.

Gegen Windräder führen die Kritiker unter anderem ins Feld, dass ihr Bau natürlichen Boden versiegelt, die Rotoren Vögel schreddern und der Luftdruck die Lungen von Fledermäusen platzen lässt. Gegenargument: Diese ökologischen Schäden sind vermutlich geringer als die Auswirkungen des Klimawandels (weltweites Aussterben vieler Pflanzen- und Tierarten, drohende Überflutung ganzer Küstenregionen).

Regenerative Energien kosten Arbeitsplätze.
Etwa 80.000 Arbeitsplätze bietet die hiesige Braun- und Steinkohle-Industrie noch. Diese verschwinden mit dem Kohleausstieg. Auch wenn die deutsche Autoindustrie überlebt, wird sie in 20 bis 30 Jahren vielleicht nur noch 500.000 Stellen aufweisen statt heute rund eine Million – die Fertigung von E-Autos braucht weniger Arbeit.

Solche Zahlen fallen im Vergleich zu insgesamt rund 43 Millionen Arbeitsplätzen aber nicht besonders ins Gewicht. Außerdem entstehen neue Stellen. Laut Bundeswirtschaftsministerium stellte die Branche der erneuerbaren Energien 2016 rund 340.000 Jobs zur Verfügung, Tendenz steigend. Die Energiewende verursacht keine Deindustrialisierung, sondern ist Teil eines Strukturwandels, wie es ihn immer wieder gibt.

Die hohen Kosten gefährden die Wettbewerbsfähigkeit im internationalen Handel, beispielsweise gegenüber China.
Der Ökonom Justus Haucap schätzt die Kosten der Energiewende zulasten der Bürger, Firmen und des Staates auf etwa 20 Milliarden Euro pro Jahr im Zeitraum 2000 bis 2025. Allerdings dient das Geld dem Aufbau einer neuen Energieinfrastruktur, die auf den teuren Produktionsschritt des Bergbaus weitgehend verzichtet. Die neuen Produkte (Kraftwerke, digitale Steuerung, Speicher) bedeuten Einnahmen für hiesige Unternehmen. Offenbar schadet die Energiewende der Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt nicht: Der deutsche Leistungsbilanzüberschuss (mehr Exporte als Importe) betrug 2018 rund 260 Milliarden Euro. In den Jahren zuvor war es ähnlich.

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Hannes Koch
Keywords:
Energiewende
Ressorts:
Governance

Kommentare

Der Klimawandel ist nicht eine Problem sondern das Resultat eines Problems. Bis heute hat es noch keinen Volkswirtschaft geschafft, ein Wirtschaftssystem aufzubauen, dass nicht auf der Plünderung der Erde beruht. Deutschland hat seine ihm global zustehenden Ressourcen vereits anfangs Mai aufgebraucht. Oberstes ZIel ist somit nicht den CO2 Ausstoss zu reduzieren sondern einem Wirtschaftssystem zum Durchbruch zu helfen, dass nicht auf der Plünderung der Erde aufbaut. Am effektivsten ist dies duch den radkalen Umbau unserers Steuersystems auf eine Ressourcen-Lenkungssystem mit Rückerstattung pro Kopf der Einnahmen. Damit wird ein Ressoourcenschonender Lenbenstil belohnt und nicht ein möglichst verschwenderischer Lebensstil. Dies kan ohne wieiteres durch ein einzelnes Land umgesetzt werden. Es ist in höchstem Mass von eigenem Interesse dieses System zu ändern. Europa first!

Man könnte den weltweiten Ausstoß von CO2 deutlich senken, wenn man allen Ländern zeigen würde, wie mit billigem Offshore-Windstrom die Energieprobleme der Menschheit gelöst werden können. Das Windpotential über den Ozeanen ist groß genug den gesamten Energiebedarf der Menschheit mehrfach zu decken. Die Kosten für eine kWh Windstrom wird nur bei etwa 2 Cent liegen, damit ist der Windstrom konkurrenzfähig zu allen konventionellen Kraftwerken. Der Materialbedarf ist ebenfalls sehr gering, eine 50 MW-Anlage inklusive der Schwimmplattform hat nur einen
Materialbedarf von 2.000 t. Dieses Konzept wird von den deutschen Politikern totgeschwiegen, weil es die Profite der Nutznießer des EEG schmälern würde.

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