Finanzierung
22.03.2019

Crowdfunding: Wenig Bedeutung für grüne Projekte

Foto: iStock
Mit Crowdfunding lassen sich Projekte, Produkte, Startups auch im Energiesektor finanzieren.

Was vor über zehn Jahren als idealistisches Crowdfunding begonnen hat, um auch Umwelt- und Energieprojekte zu unterstützen, ist heute als Crowdinvesting größtenteils kommerzielle Immobilienfinanzierung.

Crowdinvesting boomt – aber nicht im Energiesektor: 37 Plattformen haben 2018 knapp 300 Millionen Euro in Deutschland für 581 Projekte eingesammelt. Das ist ein Wachstum von 50 Prozent oder rund 100 Millionen Euro gegenüber 2017. Während Banken und Versicherungen in der anhaltenden Niedrigzinsphase nur Minirenditen oder gar Verluste ausweisen, scheint die Crowdinvesting-Industrie seit 2016, als die Immobilienbranche die Schwarmfinanzierung für sich entdeckte, keine Wachstumsgrenzen zu kennen.

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Wie der Jahresbericht des Informationsportals crowdfunding.de zeigt, erinnert kaum noch etwas an die Gründerjahre des Crowdfunding. Damals ging es darum Privatleute, Gründer und Umweltprojekte zu unterstützen, die kaum eine Chance auf eine reguläre Bankfinanzierung hatten. So sind von den genannten 300 Millionen Euro 2018 lediglich bescheidene sechs Millionen in Energie- und Umweltprojekte geflossen. In dieser Nische sind Plattformen wie Leih-Deiner-Umwelt-Geld, Klimaschwarm und Econeers tätig, oder auch die Frankfurter Plattform Greenvesting, die Investorengelder für nachhaltige Projekte in Entwicklungsländern organisiert.

Risiken werden womöglich unterschätzt

Crowdfinanzierungen für Unternehmen gewinnen dagegen weiter an Bedeutung. So ist deren Volumen um rund ein Viertel auf 80 Millionen Euro gestiegen. Dabei finanzierten Privatanleger besonders bereitwillig die Pläne von Wachstumsunternehmen. Die meisten Gelder werden als eigenkapitalähnliche Mezaninfinanzierung aufgebracht, also überwiegend in Form von Nachrangdarlehen. Über die Hälfte dieser Finanzierungen wickeln dabei die drei Plattformen Kapilendo, Companisto und die erst 2017 gestartete GLS Crowd ab. Diese hochprozentig verzinsten Nachrangdarlehen sind allerding auch hoch riskant: 23,4 Prozent aller Startupdarlehen sind inzwischen ganz oder teilweise ausgefallen. So hat zum Beispiel das über Companisto mit 1,2 Millionen Euro crowdfinanzierte Payment-Startup Cringle im August 2018 Insolvenz angemeldet.

Die Immobilien-Crowdinvestments sind 2018 um 63 Prozent auf 211 Millionen Euro gestiegen. Anlegerschützer treibt inzwischen die Sorge um, dass Privatanleger die Risiken dabei unterschätzen.

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Thomas Bauer
Keywords:
Finanzierung | Crowdfunding
Ressorts:
Finance

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