Finanzierung
11.10.2018

Crowdinvesting: Energie von Schwaben bis Uttar Pradesh

Foto: Bettervest
Microgrids sollen 4.000 Familien in netzfernen Gemeinden des indischen Bundesstaats Uttar Pradesh versorgen. Finanziert wird das Projekt über die deutsche Crowdinvesting-Plattform Bettervest.

Nachhaltige Finanzierung ist ein Gründungsmotiv der Crowdinvesting-Szene. Heute dominieren zwar Immobilieninvestments, doch grüne Energieprojekte sind eine feste Größe. Wir zeigen acht der interessantesten Energie-Ausschreibungen mit Verzinsungen zwischen 4 und 10 Prozent.

Im Sommer 2018 meldete das Branchenportal „Crowdfunding.de“ einen neuen Rekord: Seit den Anfängen der Schwarmfinanzierung im Jahr 2011 wurde in Deutschland mehr als eine halbe Milliarde Euro für Crowdinvesting-Vorhaben eingesammelt. Das ist viel Geld – besonders wenn man bedenkt, dass die meisten Projekte deutlich unter der Schwelle des Kleinanlegerschutzgesetzes von einer Million Euro bleiben, um nicht prospektpflichtig zu werden.

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Allerdings hat sich die Struktur des Marktes seit 2011 stark verändert. Über die Hälfte der Mittel fließen heute in Immobilienprojekte, gefolgt von Unternehmens- und Start-up-Finanzierungen. Nachhaltige Energie- und Klimaschutzprojekte stehen mit einem Volumen von für 20 Millionen Euro für knapp  vier Prozent aller Crowdinvestments. Das klingt bescheiden, doch handelt es sich um eine Nische, die kontinuierlich wächst. Dabei deckt Crowdinvesting Erneuerbaren-Projekte im In- und Ausland ab – dort insbesondere in Entwicklungsländern. (Lesen Sie auch: Crowdinvesting – Treffpunkt für Zocker und Klimaretter)

Große Namen bedeuten bei der Energie-Schwarmfinanzierung keine Erfolgsgarantie: Im Sommer 2017 beteiligte sich der Energieversorger Eon mit 25 Prozent an der Crowdfunding Plattform „GreenXmoney“ und warb damit, dass Kleinanleger online flexibel, sicher und bankenunabhängig in deutsche Solar- und Windkraftanlagen investieren könnten. Kaum ein halbes Jahr später verkündete das Amtsgericht Memmingen die Auflösung von „GreenXmoney“.

Dennoch finden immer mehr Privatanleger Gefallen an der kleinteiligen Kreditvergabe mit Beträgen ab 50 Euro, die teilweise attraktive Verzinsung bietet. Und viele Kreditinstitute kommen diesem Interesse nach. So kooperiert die Consors Bank mit den Crowdinvesting-Plattformen „Exporo“ und „Seedmatch“. Die Commerzbank betreibt die Mittelstandsfinanzierungsplattform „Main Funders“, die nachhaltigkeitsorientierte Triodos Bank ist seit Kurzem Mitgesellschafter der Plattform „Bettervest“. Einen ähnlichen Schritt ging zuvor die GLS-Bank mit einer eigenen Schwarmfinanzierungs-Plattform.

Hier eine Auswahl aktueller Energieprojekte auf deutschen Crowdinvesting-Plattformen:

 

Solarkraftwerke in Deutschland:

Die Sonneninvest-Gruppe aus Wien betreibt derzeit sieben Photovoltaik-Kraftwerke in Deutschland. Mit Crowdinvesting-Geld sollen je nach Mittelaufkommen nun bis zu fünf zusätzliche Anlagen finanziert werden. Bei guten Solarerträgen kann die angegebene Verzinsung nach Unternehmensangaben um bis zu einen halben Prozentpunkt steigen.

  • Plattform: Econeers
  • Zins: 4 Prozent
  • Laufzeit: 10 Jahre
  • Volumen: 593.000 Euro

Solare Tröpfchenbewässerung in Marokko:

Das deutsch-marokkanischen Unternehmen Solar Future Maghreb sammelt Geld, um damit finanzschwachen Landwirten den Ratenkauf von 30 seiner Solarstromanlagen anzubieten. Ziel: nachhaltige Bewässerung ohne benzin- und dieselbetriebene Pumpen.

  • Plattform: Greenvesting
  • Zins: 6,5 Prozent
  • Laufzeit: 6 Jahre
  • Volumen: 300.000 Euro

KfW-Energieeffizienzhäuser bei Stuttgart:

Klassische Crowdinvesting-Immobilienfinanzierung, wie sie derzeit den Markt dominiert. Es handelt sich um drei Mehrfamilienhäuser mit über 2000 m² Wohnfläche in Herrenberg im Großraum Stuttgart, die wegen besonderer energiesparender Eigenschaften wie Dämmung, Biomasse-Heizung und Wärmepumpe von der KfW gefördert werden. An der Finanzierung beteiligt sich auch die Crowdfunding-Plattform "Leih Deiner Umwelt Geld".

  • Plattform: Crowd Partner
  • Zins: 7,00 Prozent
  • Laufzeit: 2,5 Jahre
  • Volumen: 1.092.000 Euro

80 Solar-Kioske für die digitale Vernetzung Ruandas:

Fliegende Händler sollen mit sogenannten Solar-Hubs vor Ort grünen Strom und Internet in Ruanda anbieten. Das sind kleine, mobile, solarbetriebene Verkaufsstände und Stromtankstellen. Das Geschäftsmodell geht auf den traditionellen ländlichen Handel durch Kleinstgewerbetreibende zurück und setzt dabei auf moderne Technologie.

  • Plattform: Bettervest
  • Zins: 8 Prozent
  • Laufzeit: 7 Jahre
  • Volumen: 250.000 Euro

Bau eines Biomasseheizkraftwerks auf Kuba:

Prolignis Energie Consulting aus Ingolstadt braucht Geld für die Entwicklung eines Biomassekraftwerks auf Kuba. Dieses soll das über 50 Jahr alte, ineffiziente Kraftwerk einer Zuckermühle ersetzen. Die neue Anlage soll die Zuckermühle ganzjährig mit nachhaltigem Strom versorgen.

  • Plattform: Bettervest
  • Zins: 7 Prozent
  • Laufzeit: 3 Jahre
  • Volumen: 560.250 Euro

PV-Dachanlagen in Deutschland:

Das Saarbrücker Unternehmen Solar Biokraftwerke SBK will mit dem Geld von Crowd-Investoren seinen Eigenbestand an Photovoltaikanlagen ausbauen. SBK schließt Dachnutzungsverträge mit Immobilieneigentümern, um die Photovoltaikanlagen dort zu montieren und zu betreiben.

  • Plattform: Econeers.
  • Zins: 4,75 Prozent
  • Laufzeit: 7 Jahre
  • Volumen: 378.500 Euro

Solar-Microgrids für ländliche Regionen in Indien:

Die Microgrids der indischen Unternehmen Mynergy Renewables und Boond Engineering & Development sollen das Leben von mehr als 4.000 Familien in netzfernen und einkommensschwachen Gemeinden des Bundesstaats Uttar Pradesh mit bezahlbarer und erneuerbarer Elektrizität verbessern.

  • Plattform: Bettervest
  • Zins: 4,5 Prozent
  • Laufzeit: 8 Jahre
  • Volumen: 200.000 Euro

Solarenergiesysteme für netzferne Haushalte in Nigeria:

Das Unternehmen Solarmate Engineering aus Abuja sammelt Geld, um 435 „Solar-Home“-Systeme in Haushalten in und um Lagos zu installieren, damit diese netzunabhängige, saubere Energie erhalten. Die Systeme bestehen aus Solarmodulen, Batterien, Ladereglern und Wechselrichtern. Dazu kommen je ein Radio, drei LED-Lampen, ein USB-Anschluss und ein Fernseher. Der Verkauf dieser Systeme soll binnen neun Monaten nach erfolgreicher Finanzierung abgeschlossen werden.

  • Plattform: Bettervest
  • Zins: 10 Prozent
  • Laufzeit: 4 Jahre
  • Volumen: 299.200 Euro
Thomas Bauer
Keywords:
Crowdinvesting | Green Finance | erneuerbare Energien
Ressorts:
Finance

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