Dänemark hat seinen Strombedarf im vergangenen Jahr zu 44 Prozent aus Windenergie gedeckt. Das Land wird in den kommenden Jahren drei zusätzliche Offshore-Windparks mit 2,4 Gigawatt Leistung bauen. Doch um das ganze Windkraftpotenzial der Nordsee heben zu können, bedarf es nach Ansicht des dänischen Energieverbands eines Umbaus der Sektoren Strom, Transport und Wärme.

„Die Herausforderung liegt auf der Verbrauchsseite. Wir brauchen neben dem Strom die Integration des Gas-, Transport- und Wärmemarkts“, sagte der Vorsitzende des Branchenverbands Dansk Energi, Lars Aagaard, kürzlich in Kopenhagen. Diese Sektoren zusammenzuführen und weitgehend zu elektrifizieren, werde künftig Voraussetzung für weitere Investitionen in neue Offshore-Windparks sein. Der Cheflobbyist der dänischen Energiebranche sprach auf dem „Business-Booster“-Kongress der europäischen Innovationsgemeinschaft Inno Energy Mitte Oktober in der dänischen Hauptstadt.

Aagaard hält einen massiven Ausbau der Offshore-Kapazitäten in der Nordsee nur für finanzierbar, wenn der Strombedarf steigt – insbesondere aus den Sektoren Transport und Wärme. Diese versorgen sich zu großen Teilen noch mit fossiler Energie. „Wenn wir es nicht schaffen, diese Märkte zusammenzuführen, wird das Wachstum der Offshore-Windenergie gedeckelt, weil weitere Investitionen sich nicht rechnen“, sagte Aagaard. Eine Finanzierung mithilfe staatlicher Subventionen lehnt er ab.

„Drehscheibe für billige erneuerbare Energie“

Der Energieverbandschef sieht die Anrainerstaaten der Nordsee in einer Schlüsselposition, um zur „Drehscheibe für billige erneuerbare Energie“ zu werden. Er kann sich ein noch weiter reichendes Szenario vorstellen. Das Energiepotenzial der Nordseeregion sei so groß, dass es Industrieunternehmen aus ganz Europa und sogar aus Asien anziehen könne. Sie könnten Teile ihrer Produktion dorthin verlegen, sagte Aagaard.

Experten erwarten, dass Dänemark im Jahr 2020 die Hälfte seines Stroms aus Windenergie bezieht. 2030 will es mindestens 50 Prozent seines gesamten Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen decken. Und bis zum Jahr 2050 streben die Dänen die vollständige Dekarbonisierung ihrer Strom- und Wärmeerzeugung sowie ihres Verkehrs an.

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Windkraftanlagen in dänischen Gewässern. Potenzial für einen weiteren Ausbau sieht der Branchenverband Dansk Energi vor allem in der Nordsee. (Foto: Creative Commons/CGP Grey)