Elektromobilität
05.10.2018

Dänischer E-Carsharing-Dienst GreenMobility plant Expansion

Foto: Jutta Maier
Anders Wall von GreenMobility leitet die Expansion in Auslandsmärkte wie Deutschland.

Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor will Dänemark von 2030 an verbieten, ab 2035 auch Hybride. Carsharing-Anbietern wie GreenMobility dürfte das einen Schub geben.

Dänemark macht ernst: Ministerpräsident Løkke Rasmussen hat angekündigt, dass ab 2030 keine Autos mit Verbrennungsmotor mehr zugelassen werden. Ab 2035 werde das Zulassungsverbot auch für Hybridfahrzeuge gelten. Kommende Woche will die Regierung ein umfassendes Paket zum Klimaschutz vorstellen.  

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Von der Umstellung auf Elektroautos profitieren werden aller Voraussicht nach nicht nur E-Autohersteller und Energieversorger, sondern auch E-Carsharing-Anbieter wie GreenMobility. Das Unternehmen betreibt in der dänischen Hauptstadt eine rein elektrische Flotte von 400 Renault-Zoe-Fahrzeugen, die per App ausleihbar sind. Es setzt auf regionale Partner: in Kopenhagen kooperiert GreenMobility mit dem deutschen Energieversorger Eon und nutzt dessen Ladesäulennetz, in Oslo mit den norwegischen Staatsbahnen NSB. Das Unternehmen ist in Kopenhagen die Nummer zwei hinter Marktführer BMW mit seiner DriveNow-Flotte (550 Fahrzeuge).

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Kein Selbstläufer

Aber ein Selbstläufer sind Elektro-Carsharing-Fahrzeuge bisher auch im nördlichen Nachbarland Deutschlands nicht. „Wir müssen bei potenziellen Kunden vor allem die mentale Hürde überwinden“, sagt Anders Wall, Chef für Auslandsmärkte bei Green Mobility im Gespräch mit dem Magazin bizz energy. Die berühmte Reichweitenangst ist aus seiner Sicht unbegründet: „Selbst die 100 bis 120 Kilometer Reichweite des Modells mit kleinerer Batterie sind kein Problem bei einer Durchschnittsfahrtstrecke von sieben Kilometern. Und der neue Zoe kommt auf 250 Kilometer.“

Von seiner einstigen Vorreiterrolle bei der Elektromobilität hatte sich Dänemark zuletzt verabschieden müssen. Der Absatz von Elektroautos brach ein, nachdem die Mitte-Rechts-Regierung die Zulassungssteuer für die Stromer schrittweise wieder eingeführt hatte: Von 5.000 im Jahr 2015 sank die Zahl der verkauften E-Autos auf nur noch rund 700 im vergangenen Jahr. Der Anteil von E-Fahrzeugen am dänischen Fuhrpark macht noch nicht einmal ein halbes Prozent aus. 

BMW nimmt Verbrenner in Kopenhagener Flotte auf

Wie zäh die Elektrifizierung des Verkehrs läuft, zeigt auch das Beispiel DriveNow. Denn anders als beim Markteintritt vor drei Jahren fahren die Sharing-Fahrzeuge in Kopenhagen nicht mehr rein elektrisch. BMW hat seine Flotte um 200 Verbrenner-Modelle aufgestockt und im Gegenzug 50 Elektro-Fahrzeuge abgezogen. Man wolle den Kunden die Möglichkeit geben, „mit fünf Personen im Auto zu fahren oder auch längere Strecken außerhalb der Stadt zurückzulegen“, heißt es bei DriveNow auf Anfrage. Man könne sich aber „sehr gut vorstellen“, den elektrischen Teil der Flotte wieder zu erhöhen oder ganz auf Elektro umzustellen, wenn die technologische Entwicklung der E-Autos voranschreite und die Infrastruktur „auch außerhalb Kopenhagens bereit“ sei.

Unterdessen ist Green Mobility auf Expansionskurs: Bis Ende 2021 will das Unternehmen mit seiner Marke in 20 Städten Europas vertreten sein. Besonders interessant seien Großstädte in Deutschland, sagt Wall, gleichzeitig bedeuteten sie aber auch eine Herausforderung: „In vielen deutschen Städten gibt es entweder zu wenige Ladesäulen, oder die Leistung ist nicht hoch genug.“ Doch die Kooperation mit Carsharing-Anbietern könne den Energieversorgern helfen, die notwendigen Investitionen zu tätigen: „Schließlich wissen sie dann, dass ein Basis-Umsatz da ist und wieviel Ladeinfrastruktur für die Flotte nötig ist.“

Besonders in Berlin dürfte GreenMobility auf so einige Konkurrenten treffen: BMW und Daimler haben die Hauptstadt zur Zentrale ihres neuen Carsharing-Gemeinschaftsunternehmens erkoren. Sie wollen ihre Dienste DriveNow und Car2Go fusionieren, die Marken aber erhalten – die Zustimmung der EU-Wettbewerbsbehörden steht noch aus. Momentan bieten DriveNow und Car2Go in Berlin 2.500 Fahrzeuge an. Außerdem will Volkswagen im kommenden Jahr seinen Carsharing-Dienst WeShare starten. Geplant sind insgesamt 2.000 rein elektrische Autos.

Lesen Sie auch: Volkswagen startet 2019 Elektro-Carsharing in Berlin

Jutta Maier
Keywords:
Carsharing | Dänemark | Elektromobilität
Ressorts:
Governance | Markets

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