Hausbatterien
02.05.2018

Daimler zieht sich aus Heimspeichermarkt zurück

Daimler AG
Vergangenheit: Serienproduktion der Mercedes-Benz Energiespeicher beim Tochterunternehmen Accumotive im sächsischen Kamenz.

Es sollte der „Tesla-Powerwall-Killer“ werden: Vor zwei Jahren brachte Daimler einen Strom-Heimspeicher heraus. Jetzt stellt der Autobauer den Verkauf ein.

Viele trauten Daimler zu, ein echter Konkurrent für Marktführer Tesla mit seiner Powerwall-Batterie zu werden: Im Mai 2015 hatte der Autokonzern angekündigt, unter der Marke Mercedes-Benz einen Batteriespeicher für Hausbesitzer mit Solaranlagen auf den Markt zu bringen. 2017 folgte die Expansion auf den US-Markt, wo Mercedes-Benz in Kooperation mit dem Solar-Installateur Vivint Solar Photovoltaik-Anlagen und Lithium-Ionen-Batterien aus einer Hand anbot. Doch nun will Daimler das Thema Heimspeicher nicht weiterverfolgen. Eine Mercedes-Vertreterin sprach auf Anfrage des Magazins bizz energy von einer „Refokussierung“ der Sparte Mercedes-Benz Energy und bestätigte entsprechende Berichte in US-Medien. „Wir wollen unseren Kunden auch in Zukunft ein Angebot für Heimspeicher-Lösungen machen, aber nicht mehr Marke Eigenbau.“ 

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Die verwendeten E-Autobatterien waren offenbar zu teuer für den Einsatz als Heimspeicher – sie seien „überdesignt“ gewesen. So müssen die Autoakkus beispielsweise großer Hitze oder Kälte standhalten. Für die Anwendung im Keller ist dies nicht nötig. „Es gibt viele Dinge, die nicht eins zu eins von einer Auto- in eine Netzbatterie umgesetzt werden müssen“, so die Sprecherin.

Daimler will sich auf Großspeicher konzentrieren

Daimler werde sich künftig auf Großspeicher konzentrieren: So bündelt das Unternehmen im westfälischen Lünen 1.000 gebrauchte Smart-Batterien zu einem sogenannten Second-Life-Speicher und vermarktet diesen am Primärregelenergiemarkt. Noch im Bau ist zudem ein Speicher aus 3.000 Ersatzbatterien, die für die dritte Generation von elektrischen Smarts vorgehalten werden. Die Anlage wird gemeinsam mit Enercity (Stadtwerke Hannover) in Herrenhausen errichtet, ist zum Teil am Netz und soll noch in diesem Jahr fertig werden.

Daimler hält den anziehenden Heimspeichermarkt weiter für attraktiv: Die Abkehr bedeute nicht, dass Daimler das Projekt bereue. „Wir haben viel gelernt, und es handelt sich um einen wachsenden Markt“, so die Sprecherin. Insbesondere unter der Elektro-Marke EQ werde das Unternehmen künftig nicht nur Fahrzeuge, sondern ein ganzes „Ökosystem“ anbieten. Das Spektrum soll dabei von Wallboxen und Ladeservices bis hin zu Heimspeichern reichen – diese werden dann aber nicht mehr von Mercedes-Benz produziert, sondern von anderen Herstellern stammen.

Auch andere Autobauer wie BMW, Nissan und Renault arbeiten daran, gebrauchten Batterien ein „zweites Leben“ als Energiespeicher zu bescheren – teils als „Batteriefarm“, teils als Heimspeicher. In diesem Markt unterwegs ist auch der Allgäuer Mittelständler Sonnen, der seine Batteriechemie allerdings an die Ladeanforderungen von Hausspeichern angepasst hat. So setzt Sonnen auf Lithium-Eisenphosphat-Batterien, die langlebiger sein sollen als in Autos verwendete Akkus.

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Jutta Maier
Keywords:
Batterien | Hausspeicher | Akku | Daimler | Tesla
Ressorts:
Technology | Markets

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