Energiewende
05.02.2018

Smart Meters: das lange Warten auf die Zauberkästen

Foto: Heinrich Holtgreve
Smart Meters auf der Zählerprüfanlage der Stadtwerke Norderstedt.

Smart Meters sollen helfen, die Energiewende zu retten. Doch der Einbau der intelligenten Stromzähler verzögert sich immer weiter. Netzbetreiber sind verunsichert, einige starten auf eigene Faust.

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Schon jetzt willigen längst nicht alle ein, ihre Verbrauchsdaten zentral auswerten zu lassen. Manche Hausbewohner stören sich bereits an der digitalen Anzeige der neuen Geräte im Keller. Sie fürchten, Nachbarn könnten Rückschlüsse auf ihren Lebenswandel ziehen. Verbraucherschützer fordern deshalb Wahlfreiheit für die Stromkunden. Es könne nicht sein, dass man einfach zum Einbau der Geräte "verdonnert" werde, wetterte schon vor einem Jahr der Chef des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV), Klaus Müller. Nach VZBV-Angaben empfinden viele Stromkunden die Zähler als teuer und sehen darin keinen Mehrwert.

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Gries ist dennoch optimistisch, dass seine Kunden ihn die Smart Meters so einsetzen lassen, dass diese am Ende zum Klimaschutz beitragen. Aus einer Markstudie unter Beteiligung von 30.000 Haushalten wisse man, dass man als kommunales Unternehmen viel  Vertrauen bei den Bürgern genieße. "Wir sind näher an den Leuten dran als die großen Energieversorger." Workshops für die Norderstedter sollen helfen, die Akzeptanz für die Smart-Meter-Fernauswertung zu steigern.

Alles wartet auf den Startschuss

Mehr Akzeptanz wünschen sich Dutzende, wenn nicht gar Hunderte von Herstellern und Dienstleistern jeder Couleur, die den Startschuss für Smart Meter herbeisehnen. Konzerne wie Innogy, Eon, EnBW, Siemens, Honeywell, Deutsche Telekom, Vodafone, Telefonica und Arvato stimmen sich mit Forschungs- und Pilotprojekten auf den neuen Markt ein, Beratungshäuser umwerben Stadtwerke. Netzbetreiber, Stromproduzenten, Stromhändler und Zählerhersteller, Heimspeicher- und Ladesäulenlieferanten, Funknetzanbieter und Ausbildungseinrichtungen – sie alle wollen endlich loslegen.

Auch Michael Topf, Gründer des Energie-Abrechnungsdienstleisters Ad Hoc Best Services in Gera rechnet fest mit zusätzlicher Nachfrage: "Wenn das BSI grünes Licht gibt, werden Heerscharen von Leuten gebraucht werden, die mit diesen Systemen und den Daten umgehen können".

Vom Rauchmelder bis zur smarten Mülltonne

Unterdessen nehmen immer neue Geschäftsfelder für intelligente Messsysteme im smarten Haushalt der Zukunft Konturen an: Die Überwachung von Rauchmeldern etwa, die Kontrolle der Trinkwasserqualität, das Monitoring der Füllstände von Abfallbehältern, die Messung des Gasverbrauchs. Mit der Blockchain-Technologie könnten intelligente Messsysteme außerdem Bestandteil völlig neuer, dezentraler Zahlungsnetzwerke werden.

Im Mutterland der Energiewende scheint ein Ende der Trödelei geboten. Nicht nur wegen der nationalen CO2-Ziele, der drohenden internationalen Blamage und der Gefahr, Chancen en masse zu verpassen. Das Messstellenbetriebsgesetz schreibt es schlicht vor: Spätestens im Jahr 2032 müssen flächendeckend schlaue Zähler installiert sein.

Dieser Artikel stammt aus der Winter-Ausgabe von bizz energy. Unser Magazin ist im gut sortierten Zeitschriftenhandel, bei unserem Abonnentenservice (Mail an bizz-energy@pressup.de) oder als E-Paper im iKiosk erhältlich.

 

Christian Schaudwet
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Keywords:
Smart Meter | Smart Grid | Stromzähler
Ressorts:
Markets

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