Kolumne
05.11.2014

Das Ping-Pong-Spiel

Illustration: Valentin Kaden

Unser Kolumnist Ferdinand Dudenhöffer schreibt, warum Deutschlands Autobosse – aus eigennützigen Motiven – plötzlich dem Emissionshandel huldigen. Sie sollten sich besser an China orientieren.

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Wer hätte gedacht, dass deutsche Autobosse einmal positiv über den Emissionshandel reden würden? 2008 hatte das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen in einer Studie unter meiner Federführung vorgeschlagen, die Automobilindustrie in den Emissionshandel einzubeziehen und die dazu notwendigen Schritte aufgezeigt. Sofort wischten der Branchendachverband VDA und andere Lobbygruppen diesen Vorschlag vom Tisch: Alles viel zu theoretisch, praxisfern, völlig untauglich – basta. 

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Stattdessen setzten die Autobosse technische Vorgaben für Neuwagen auf die Agenda, mit denen der CO2-Ausstoß begrenzt werden sollte. 

Im Jahre 2011 versuchte die EU-Kommission, in Europa eine Energiesteuer einzuführen. Sie schlug vor, Kraftstoffe nicht mehr willkürlich, sondern nach Energieinhalt und CO2-Ausstoß zu besteuern. Das Ziel lautete: Wer energiesparend fährt, bezahlt weniger Steuern. 

Solche Vorschläge führen zur De-Industrialisierung, behaupteten die deutschen Autobosse und riefen die Bundeskanzlerin um Hilfe, die tatsächlich in Brüssel intervenierte. Also wanderte auch dieser Vorschlag in den Papierkorb. Stattdessen schrieb die EU-Kommission Grenzwerte vor: Bis zum Jahre 2015 dürfen die in der EU verkauften Neuwagen im Schnitt nicht mehr als 130 Gramm CO2 pro Kilometer emittieren. Das entspricht für den Durchschnitts-Neuwagen etwa 5,5 Liter Benzin auf 100 Kilometer oder 5,1 Liter Diesel. Wer das nicht erreicht, muss Strafe bezahlen.

Da CO2-Standards nicht für die Ewigkeit bestimmt sind, sondern den technischen Fortschritt berücksichtigen sollen, wurden nach langen Diskussionen und einem erneuten Einsatz der Bundeskanzlerin der Standard von 95 Gramm CO2-Ausstoß pro Kilometer für Neuwagen für das Jahr 2022 festgelegt. Bis dahin ist zwar noch etwas Zeit, aber die Autohersteller müssen den Boom der sportlichen Geländewagen (SUV), der mit ständig wachsenden CO2-Ausstößen verbunden ist, kompensieren, um den EU-Normen zu genügen. Dazu müssen sie nach dem Jahr 2022 am besten ein paar Elektroautos verkaufen, die aber bekanntlich teuer sind und zu wenig Anklang bei den Käufern finden. Das ist ein Problem, zumal die EU-Kommission schon plant, den technischen Fortschritt auch nach dem Jahr 2022 zu weiteren CO2-Einsparung zu nutzen und die Emissionsnormen für Neuwagen weiter zu verschärfen. Das könnte unangenehm werden.

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Keywords:
Ferdinand Dudenhöffer | Kolumne | BMW | Opel
Ressorts:
Finance | Governance | Markets

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