Kolumne
05.11.2014

Das Ping-Pong-Spiel

Illustration: Valentin Kaden

Unser Kolumnist Ferdinand Dudenhöffer schreibt, warum Deutschlands Autobosse – aus eigennützigen Motiven – plötzlich dem Emissionshandel huldigen. Sie sollten sich besser an China orientieren.

vorherige SeiteSeite 1Seite 2

Anzeige

Just zu diesem Zeitpunkt hat nun Opel-Chef Karl-Thomas Neumann die Vorzüge des Emissionshandels auf einer USA-Reise entdeckt. Neumanns Fazit lautet: „Die Amerikaner haben durch die Beispiele im eigenen Land angeregt, den Straßenverkehr insgesamt in den Emissionshandel einzubeziehen.“ Offenbar soll also der Opel-Slogan „Umparken im Kopf“ jetzt auch beim Klimaschutz gelten. Der mächtige Verband der Automobilindustrie (VDA) diskutiert intern bereits, ob er sich den Neumann-Vorschlag zu eigen macht. Was steckt hinter diesem plötzlichen Sinneswandel?

Anzeige

Der Trick dabei ist: Der Emissionshandel würde Benzin und Diesel zwar verteuern, aber nur zwischen einem und zwei Cent pro Liter bei den derzeitigen Ramschpreisen für Emissionszertifikate. In diesem Szenario würden die Hersteller fleissig ihre heutigen Autos weiterbauen; der Kunde würde dann an der Tankstelle etwas mehr bezahlen, wenn er mit dem SUV vorfährt. Die Reaktion der Autofahrer wäre vorprogrammiert: Keine. Die Reaktion der Energiepreise in Deutschland ist auch klar: Strom wird teurer, weil die Emissionszertifikate im Preis steigen. Das wäre kein Unglück, aber im Übergangszeitraum bei den hohen deutschen Strompreisen zumindest unangenehm. Richtig unangenehm würde es dabei übrigens für die alternativen Antriebe: Elektroautos, Plug-in-Hybride, Erdgas-Autos… – von der Brennstoffzelle ganz zu schweigen. Ihre Programme zur Produktion alternativer Antriebe könnten die Autobauer dann getrost einmotten und wie bisher komfortabel im großen Stil ihre Diesel-SUV verkaufen. 

Wer wenig mit Elektroautos im Sinn hat – dazu zähle ich den Opel-Chef – wird eine solche Entwicklung kaum bedauern. Er verkauft nur in Europa und eben nicht in China, wo man derzeit sehr deutlich auf Elektroautos umsteuert. Wer in China verkaufen will, braucht innovative Elektroautos.

Der Emissionshandel erlaubt zwar, CO2 zu den geringsten Kosten einzusparen. Trotzdem darf man nicht opportunistisch zwischen Systemen hin- und herspringen, nach dem Motto: Wenn‘s mal gerade passt, sind wir für den Emissionshandel, wenn es den Verkauf von Diesel-Pkw beeinträchtigt, wollen wir eben keine Energiesteuer. 

Ja, wir sollten unser System verbessern. Aber richtig. Die Energiebesteuerung der EU-Kommission war ein vernünftiger Ansatz. Die Autoindustrie ist für Deutschland enorm wichtig. Innovationen sind das Lebenselexier dieser Branche. Auch deshalb sollten wir nicht Ping-Pong mit Systemen spielen, sondern die Entwicklung im wichtigsten Automarkt der Welt genau verfolgen – das ist nicht Nordamerika, sondern China. Dort wird das System langfristig in Richtung klimaschonende Mobilität gelenkt. Der Opel-Chef sollte das nächste Mal lieber nach China fahren und sich dort inspirieren lassen.

 

 

Ferdinand Dudenhöffer ist Direktor des CAR-Center Automotive Research an der Universität Duisburg-Essen sowie Inhaber des Lehrstuhls für allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen.

 
Ferdinand Dudenhöffer
vorherige SeiteSeite 1Seite 2
Keywords:
Ferdinand Dudenhöffer | Kolumne | BMW | Opel
Ressorts:
Finance | Governance | Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen