Photovoltaik
25.03.2019

„Das Potenzial für Solar in Afrika ist enorm“

Foto: Sunray Ventures
Installation einer Photovoltaikanlagen von Daystar Power in Nigeria.

Daystar Power erhält 10 Millionen Dollar für den Ausbau der Photovoltaik in Westafrika. Geschäftsführer Christian Wessels betont die Notwendigkeit einer dezentralen afrikanischen Lösung für die Stromversorgung.

Sinkende Preise, eine wachsende Bevölkerung, reichlich Sonne – eigentlich bietet Afrika ideale Bedingungen für die Solarwirtschaft. Umso überraschender ist es, dass auf dem riesigen Kontinent bislang weniger als 5 von weltweit 450 Gigawatt Leistung auf die Photovoltaik entfällt. Zahlreiche Unternehmen sehen hier Chancen und bauen aktuell ihr Geschäft in Afrika aus.

Anzeige

Eines davon ist das nigerianische Solarenergieunternehmen Daystar Power, das jüngst mit Verod Capital Management und Persistent Energy Capital LLC eine Investition in Höhe von 10 Millionen US-Dollar abschließen konnte. Weitere 16 Millionen US-Dollar an Fremdkapitalfinanzierungen wurden zur Beschleunigung der Expansion in Westafrika gesichert. 

Anzeige

„Das Potenzial für Solar in Afrika ist enorm“, sagt Geschäftsführer Christian Wessels im Gespräch mit bizz energy. Der Deutsche gründete das Unternehmen mit Sitz in Nigerias Hauptstadt Lagos 2017 zusammen mit Jasper Graf von Hardenberg. Daystar Power vertreibt kleine und mittlere Solarsysteme für afrikanische Firmen und Institutionen, darunter Banken, Industrieunternehmen und landwirtschaftliche Betriebe.  

Afrikanische Lösung ist dezentral

Die Technologie biete sich dafür an, eine afrikanische und nicht eine europäische oder gar deutsche Lösung für mehr Stromversorgung zu suchen, sagt Wessels: „Die afrikanische Lösung ist eine dezentrale Stromversorgung. Afrika ist ein wirklich großer Kontinent. Der Aufbau von Stromnetzen ist wesentlich teurer als beispielsweise in Deutschland, zumal wir in den letzten Jahrzehnten einen Mangel an Investitionen in Energie-Infrastruktur hatten.“ Es sei eine Jahrhundertaufgabe, hier ein funktionierendes Netzwerk aufzubauen. Die kostengünstige Variante mit Photovoltaik und Batterielösungen liege daher nahe.

Laut Prognose der Nachrichtenagentur Bloomberg New Energy Finance werden bis 2030 weltweit 32 Millionen Haushalte in abgelegenen Regionen zusätzlich an Inselnetze angeschlossen sein, viele davon in Afrika. Doch auch in Großstädten werden solargestützte Inselnetze immer beliebter, die bedarfsweise zur Notstromversorgung oder netzgekoppelt betrieben werden können.

Aktuell haben die meisten Länder in Afrika einen geringen Stromverbrauch pro Kopf. Doch da die Bevölkerung und die Anzahl der Unternehmen weiter steigt, können die Elektrifizierungsrate und die gesicherte Stromversorgung mitunter nicht Schritt halten – mit negativen Folgen für die wirtschaftliche Entwicklung.

Gebraucht werden Arbeitsplätze

„Das große Thema in Afrika ist der wirtschaftliche Aufschwung“, bestätigt Wessels. „Wenn es eine Sache gibt, die wir wirklich brauchen, dann sind das Arbeitsplätze. Die lassen sich aber nicht schaffen, wenn eine Volkswirtschaft auf Diesel-Generatoren setzt.“ Strommangel sei keine Seltenheit, erläutert der Unternehmer, der bereits seit fast 15 Jahren auf dem Kontinent tätig ist. Firmen würden deshalb häufig eine Parallel-Infrastruktur aufbauen, derzeit vor allem mit Diesel-Aggregaten. Unter deren Abgase litten dann eine ganze Reihe von afrikanischen Metropolen.

Photovoltaik sei hier eine gute Lösung, auch wenn es in der Vergangenheit mitunter schlechte Erfahrungen gab. „Ein Problem ist, dass die Solar-Technologie schon mehrfach in afrikanische Länder gebracht worden ist – teilweise mit minderwertigem Equipment“, sagt Wessels. Lokale Unternehmer seien deshalb manchmal skeptisch. Daystar Power biete daher auch Service und langfristige Garantien. Die Anlagen werden den Kunden in einem Service-Fee-Modell zur Verfügung gestellt. Der Anwender erhält gegen Zahlung einer Gebühr eine stabile Stromversorgung und eine emissionsfreie Energieerzeugung.

Aber es gebe natürlich auch Probleme, beispielsweise mit Korruption. Ein anderes Problem, die Sicherheit, schränke die Firma allerdings nicht ein, sagt Wessels. Das Thema betrifft vor allem den Nordosten Nigerias, wo die islamistische terroristische Gruppierung Boko Haram ihr Unwesen treibt. Daystar Power konnte derweil die Bundeswehr an verschiedenen Standorten mit Solarenergie ausrüsten. Die deutschen Soldaten trainieren dort unter anderem die nigerianische Armee. Ertüchtigungsprojekte nennt dies die Bundesregierung.

Gründer sind Hoffnungsträger

Von traditioneller Entwicklungshilfe hingegen will Wessels nichts wissen: „Wir haben immer noch Schwierigkeiten zu verstehen, dass es hier um eine Partnerschaft auf Augenhöhe geht.“ Der afrikanische Kontinent habe riesige Entwicklungsmöglichkeiten auch für die deutsche Wirtschaft. Deutschland hinke aber völlig hinterher und laufe Gefahr, den Anschluss zu verlieren.

Dabei sei einer der Vorteile, dass es in Afrika schnell gehen könne: Daystar Power ist vor gerade einmal eineinhalb Jahren gestartet und hat nun 100 Angestellte. Und bei dieser Zahl soll es nicht bleiben. Wessels plant ein Franchise-Modell, mit dem junge Mitarbeiter trainiert werden, selbst im Solarbereich tätig zu sein. Die könnten dann beispielsweise in ihren Dörfern entsprechende Dienstleistungen für kleine und mittlere Unternehmen anbieten. Eine eigene Tochterfirma wurde bereits gegründet und die ersten Pilotprojekte im ländlichen Raum wurden gestartet.

Eine junge, wachsende Bevölkerung – Experten sehen gerade in Unternehmensgründungen und Start-ups die Zukunft für den afrikanischen Kontinent. Auch die Digitalisierung könnte hier helfen: Hohe Anfangsinvestitionen sind dank ihr nicht unbedingt nötig – manchmal reicht ein PC mit Internetanschluss zur Umsetzung einer Geschäftsidee. Auch Wessels hat diesbezüglich Hoffnung: Die Leute in Afrika seien unglaublich unternehmerisch.

Lesen Sie auch: Off-Grid-Solar – Auf dem Sprung nach Europa?

Carsten Kloth
Keywords:
Photovoltaik | Solarenergie | Afrika
Ressorts:
Markets

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen