_BIZZ energy today | Herr Šefcovic, ist Deutschlands Energiewende eine Blaupause für Europa?
_Maroš _Šefčovič | Durchaus. Der Anteil erneuerbarer Energien an der Stromproduktion beträgt in Deutschland schon fast 30 Prozent. Diese Entwicklungen verfolgen wir in Brüssel sehr genau und aus meinen Gesprächen mit Regierungsmitgliedern vieler EU-Staaten weiß ich, dass auf Deutschland als Beispiel geschaut wird, wie man als Industriestaat den Weg zur Energieversorgung mit Fokus auf Erneuerbaren gestalten kann. Die Energiewende hat natürlich einschneidende Folgen für die Wirtschaftlichkeit konventioneller Kraftwerke, weil Ökostrom bevorzugt eingespeist wird. Und der fluktuierende Strom aus Sonne und Wind ist eine Herausforderung für die Netzstabilität.

_Die Bundesnetzagentur ist für die Stabilität der Stromnetze zuständig. Sie hindert systemrelevante Kraftwerke daran, vom Netz zu gehen und sie setzt generell auf die sogenannte Anreizregulierung. Sollten andere EU-Staaten diesem Vorbild folgen?
_Šefčovič | Leider haben wir in der EU einen Flickenteppich bei der Regulierung. Die Chefregulierer der einzelnen Staaten wenden ganz unterschiedliche Kriterien an und sind weit davon entfernt, eine gemeinsame Sprache zu sprechen. Die ist aber notwendig, um die Europäische Energieunion zu verwirklichen und Vorteile eines gemeinsamen, grenzübergreifenden Ansatzes zu nutzen.

(fotos: EU-Kommission)