Analyse
04.07.2018

Datensicherheit: Energiewirtschaft muss handeln

Foto: iStock
Datenschutz und -sicherheit nehmen in der Energiebranche an Bedeutung zu.

Cyber-Angriffe auf Stromnetze und die EU-Datenschutzverordnung fordern die zunehmend digitalisierte Energiewirtschaft. Die Deutsche Energie-Agentur sieht Handlungsbedarf.

Die Deutsche Energie-Agentur (Dena) hat eine Analyse zum Thema Datenschutz und -sicherheit bei der Digitalisierung der Energiewirtschaft vorgelegt. Darin blickt sie auch auf die Zukunftstechnologien Künstliche Intelligenz (KI) und Blockchain. Im Ergebnis fordert die halbstaatliche Energie-Agentur branchenweit einheitliche Lösungen für die Datenübertragbarkeit zwischen Dienstleistern. Außerdem geht es ihr darum, die IT-Sicherheit als zentrale Säule der Versorgungssicherheit zu etablieren und neue Konzepte für Störfälle zu entwickeln.

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Die Bedeutung des Datenschutzes und der Datensicherheit für die Energiewirtschaft steigt der Analyse zufolge mit der zunehmenden Digitalisierung stark an. Während der Datenschutz den Umgang mit personenbezogenen Daten behandelt, geht es bei der Datensicherheit um den Schutz des Stromsystems oder anderer kritischer Infrastruktur.

Als Beispiele für die Bedrohung der Energie-Infrastruktur führt die Dena die globalen Attacken durch die Erpressungssoftware „WannaCry“ im Mai 2017 und die Cyber-Angriffe auf das ukrainische Stromnetz aus dem Jahr 2015 und 2016 an, die einen Ausfall eines Teils des Netzes zur Folge hatten. Dies verdeutliche, dass für das Energiesystem durch IT-Angriffe eine reale Gefahr bestehe.

Notfalls auf manuellen Betrieb

Um das Risiko zu beherrschen, empfiehlt die Dena die Einführung von Resilienzstrategien. Resilienz beschreibt die Fähigkeit von technischen Systemen, bei einem Teilausfall nicht vollständig zu versagen. Zu solchen Strategien gehören den Autoren zufolge Konzepte für den Störfall und „Fallback-Strategien“, auf die im Notfallbetrieb zurückgegriffen werden kann. Im Fall des Hacker-Angriffs auf das ukrainische Stromnetz konnte beispielsweise das „klassisch“ ausgebildete Personal mit seiner langjährigen Kenntnis des Stromnetzes auf manuellen Betrieb zurückgehen.

Beim Datenschutz befasst sich die Dena-Analyse vor allem mit den Endkunden, wo es unterschiedliche Ansätze gebe: Während bei der Einführung von intelligenten Stromzählern (Smart Meters) Datenschutz und -sicherheit klar geregelt seien, treffe dies bei Smart-Home-Anwendungen nicht zu. Hier stünden Kundenerlebnis und –nutzen im Vordergrund. Der Kunde trage zwar Verantwortung für Smart-Home-Geräte, habe aber bisher kaum eine Möglichkeit, unsichere Geräte zu erkennen oder Sicherheitslücken zu beheben.

Blockchain bringt Sicherheit

Handlungsbedarf erzeugt auch die neue EU-Datenschutzverordnung: „Die jüngst in Kraft getretene Datenschutzgrundverordnung der Europäischen Union (EU-DSGVO) bringt neue Anforderungen mit sich – besonders für innovationsbasierte Branchen mit hohem Digitalisierungsgrad wie die Energiewirtschaft“, sagt Philipp Richard, Dena-Teamleiter Digitalisierung. Die Branche werde sich daher verstärkt mit den neuen Datenschutzregelungen auseinandersetzen müssen.

„Zum einen werden an vielen verschiedenen Stellen neue digitale Technologien und Anwendungen eingesetzt. Zum anderen werden deutlich transparentere und zugleich restriktivere Umgangsformen von den Akteuren gefordert“, sagt Richard. So ist für die Verwendung von energiewirtschaftlichen Daten die Einwilligung der Nutzer notwendig, damit die Informationen aus verschiedenen Quellen verknüpft und kombiniert werden dürfen. Die Dena empfiehlt die Erarbeitung einer „Datenschutz-Co-Regulierung“, die mit Fokus auf die spezifischen Belange der Energiewirtschaft durch die Branche erarbeitet werden könnte. Ein solcher „Code of Conduct“ könne eine branchen- und europaweit einheitliche Umsetzung von Datenschutzvorschriften unterstützen und Rechtssicherheit fördern. Wichtig sei auch, dass Unternehmen, die sich nicht an die Datenschutzvorgaben halten, wirksam kontrolliert und sanktioniert würden, damit ihnen kein Wettbewerbsvorteil entstehe.

Neue Technologien wie Blockchain und Künstliche Intelligenz (KI) stellen die Energiewirtschaft ebenfalls vor neue Datenschutz-Herausforderungen. Bei der Blockchain sehen die Dena-Analysten keine Gründe, die gegen den Einsatz im Energiebereich sprechen. Blockchain ist eine dezentrale Technologie, um Daten sicher und direkt auszutauschen, zu verschlüsseln und zu speichern. Daher biete die Blockchain sogar erhebliche Potenziale für mehr Datensouveränität und liefere durch die technologischen Eigenschaften ein hohes Schutzniveau, schreiben die Autoren.

Personenbezogene Daten meiden

Etwas anders ist ihr Fazit in Hinblick auf Künstliche Intelligenz (KI). Darunter wird ein Teilgebiet der Informatik verstanden, das sich mit dem Erforschen von Mechanismen des intelligenten menschlichen Verhaltens befasst. Ein Ziel hierbei ist die Entwicklung von lernenden Systemen mit fast menschlichen Eigenschaften. KI-Algorithmen können in verschiedenen Bereichen der Energiewirtschaft eingesetzt werden, beispielsweise bei der Steuerung von Erzeugungsanlagen, im Großhandel oder bei den Endkunden.

Vor allem die Kundenanalyse oder die Vorhersage von Kundenverhalten ist dabei auf persönlichkeitsrelevante Daten angewiesen. Um Missbrauch zu vermeiden, müsse daher im Endkundenbereich der KI-Einsatz gut überlegt sein, mahnen die Dena-Autoren. Geprüft werden sollte, ob der Einsatz von personenbezogenen Daten zwingend erforderlich ist und ob anonymisierte Daten nicht auch hinreichende Ergebnisse liefern.

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Carsten Kloth
Keywords:
Digitalisierung | Blockchain | Datenschutz
Ressorts:
Governance

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