Logistik
25.06.2018

DB Schenker lässt vernetzte Lkw-Kolonne fahren

Foto: MAN Truck & Bus
Diese beiden MAN-Lkw fahren künftig digital vernetzt auf der A9 bei München.

Beim sogenannten Platooning sollen simultan gesteuerte Trucks weniger Sprit verbrennen und ihren CO2-Ausstoß senken. Noch sitzen allerdings Menschen an den Steuern.

Kolonnen fahrerloser Lkw auf den Autobahnen sind bisher nur ein Science-Fiction-Szenario. Doch das Logistikunternehmen DB Schenker und der Fahrzeughersteller MAN Truck & Bus experimentieren seit heute immerhin mit digital vernetzten Lkw im sogenannten Platooning-Modus („Platoon“ ist der englische Begriff für „Zug“). Nach Angaben der Unternehmen handelt es sich um das erste Praxisprojekt dieser Art.

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In dem Versuch, der von der Hochschule Fresenius begleitetet wird, fahren zwei vernetzte Lkw mit kurzem Abstand als eine Einheit auf der Autobahn A9 bei München. Weil das Folgefahrzeug sich im Windschatten des vorderen Lkw bewegt, sinken nach Angaben von MAN Kraftstoffverbrauch und CO2-Ausstoß. Ein weiterer Vorteil laut Hersteller: Die Fahrzeuge bremsen simultan, was die Sicherheit erhöhe. Zudem sollen Platooning-Lkw wegen ihrer kurzen Abstände von zwölf Metern weniger Raum auf der Straße beanspruchen und so zur Entzerrung des Verkehrs beitragen.

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Drei Fahrten pro Tag

Nimmt die vorerst noch aus zwei Fahrzeugen bestehende Platooning-Kolonne eine Ausfahrt oder umfährt sie eine Baustelle, löst das System den Fahrzeugverbund auf, und die beiden Fahrer steuern ihre Lkw unabhängig voneinander. Auch für das individuelle Ansteuern von Zielen sind die Fahrer noch unerlässlich.

Zunächst rollen die Test-Trucks der Deutsche-Bahn-Tochter Schenker ohne Fracht. Ab August sollen sie täglich bis zu drei Fahrten beladen mit Stückgut absolvieren. Die Deutsche Bahn erhebt mit dem Projekt einen hohen Anspruch: Die Bahn baue ihre „Vorreiterrolle im Bereich des autonomen und vernetzten Fahrens weiter aus“, sagte Sabina Jeschke, die im Vorstand des Konzerns für Digitalisierung und Technik verantwortlich ist, während der Start-Veranstaltung in München.

Daran nahm auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) teil. Der Bund fördert das Pilotprojekt auf einem 145 Kilometer langen Abschnitt der A9 mit rund zwei Millionen Euro.

Stufe 2 auf Automatisierungsskala

Auf der in der Automobilwirtschaft gängigen Automatisierungsskala von 1 bis 5 bewegt sich der Versuch auf Stufe 2. Auf dieser greifen die Fahrer von Folgefahrzeugen im Platooning-Modus noch relativ stark in die Steuerung ein. Bei MAN denkt man aber bereits an die Automatisierungsstufe 3. Auf dieser könnten sich Fahrer während der Fahrt anderen Tätigkeiten widmen, beispielsweise dem Bearbeiten von Frachtpapieren.

Langfristig, sagte ein MAN-Sprecher bei der Eröffnung des Pilotprojekts, seien auch autonom in Kolonnen fahrende Lkw ohne Fahrer denkbar.

Lesen Sie auch: EU will Weltspitze beim autonomen Fahren werden

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Logistik | Frachtverkehr | Deutsche Bahn
Ressorts:

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