Studie
02.07.2020

Energiewende: Politik muss Akzeptanz in den Blick nehmen

Foto: iStock
Die meisten Menschen stehen hinter der Energiewende. Doch Einige protestieren vor allem gegen Windkraft.

Für das Gelingen der Energiewende muss die Politik aus Sicht von Fachleuten mehr tun, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern. Ein Impulspapier gibt Handlungsempfehlungen.

Was führt eigentlich dazu, dass Menschen ein Wind- oder Solarpark positiv bewerten oder diesen sogar selbst aktiv umsetzen? Diese Frage stellten sich die Denkfabrik Agora Energiewende und das Beratungsunternehmen Local Energy Consulting in einem nun veröffentlichten Impulspapier.

Anzeige

Fest steht: Im Jahr 2030 sollen 65 Prozent unseres Strombedarfs aus erneuerbaren Energien gedeckt werden, ein Zwischenschritt hin zur Klimaneutralität bis spätestens 2050. Dafür braucht es einen konstanten Zubau von Wind- und Solarenergie. Doch gerade der Windausbau ist stark eingebrochen und fehlende Unterstützung vor Ort ist eine der Ursachen.

Anzeige

Für das Gelingen der Energiewende muss die Politik aus Sicht der Fachleute daher mehr tun, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu steigern. "Ohne eine dauerhaft stabile Unterstützung der Menschen, auf deren Dächern und an deren Ortsrändern diese neuen Energieinfrastrukturen entstehen, sind die Ziele der Energiewende nicht zu erreichen", heißt es in der Schrift "Akzeptanz und lokale Teilhabe in der Energiewende".

"Akzeptanzpolitik" ins Zentrum

Die Energiepolitik müsse "Akzeptanzpolitik" in ihr Zentrum stellen, so die Autoren. Ein Energiesystem auf Basis dezentraler und kleinteiliger Erzeugungsanlagen rücke zwangsläufig näher heran an die Bürgerinnen und Bürger. "Es kann deshalb nur mit ihnen, nicht gegen sie umgesetzt werden."

Das vor allem der Ausbau der Windkraft an Land ins Stocken geraten ist, liegt neben den langen Genehmigungsverfahren auch an den viele Klagen – vor Ort gibt es oft Bürgerinitiativen gegen Windparks. Doch dies vermittelt ein trügerisches Bild: "Widerstand ist normal, aber eigentlich ist eine positive Grundstimmung vorhanden", sagt Studienautor Fabian Zuber von Local Energy Consulting bei einem Webinar zur Präsentation des Papiers.

Zuber verweist darauf, dass Umfragen zufolge rund 90 Prozent der Deutschen den Ausbau der Erneuerbaren für wichtig halten. Im Kontext der Energiewende sollte daher nicht die laute Minderheit im Fokus der Akzeptanzpolitik stehen, sondern die Mehrheit, die die Energiewende befürworte oder unterstütze. Eine auf Akzeptanz gerichtete Politik müsse vor allem diese Mehrheit immer wieder neu gewinnen.

Bisherigen Maßnahmen reichen nicht

Um die Akzeptanz für Windräder zu erhöhen, soll es eine neue Regelung für einen Mindestabstand von 1000 Metern zwischen neuen Windrädern und Wohnhäusern geben - es bleibt aber den Bundesländern überlassen, ob sie dies umsetzen. Außerdem will Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) mehr Geld für Kommunen und günstigen Strom für Anwohner.

Die von der Bundesregierung bisher geplanten Akzeptanzmaßnahmen reichen der Untersuchung zufolge für einen Neustart der Windenergie an Land jedoch bei weitem nicht aus. "Für die Energiewende als Marathonlauf braucht es eine auf Dauer und Stabilität angelegte umfassende Akzeptanzpolitik. Bislang ist diese nicht in Sicht", heißt es in dem Papier.

"Nicht nur auf ein Pferd setzen"

Dieses empfiehlt fünf Handlungsfelder, die gleichzeitig adressiert werden müssten: So brauche es einen Neustart der energiepolitischen Erzählung, in der die energiepolitischen Ziele von der Politik immer wieder erklärt und überzeugend dargestellt werden. Auch solle es eine wirtschaftliche und soziale Einbindung von Bürgern sowie von Kommunen in Projekte der Energiewende geben, die eine lokale Wertschöpfung als neue Normalität etabliert.

Bürgerinnen und Bürger sollten als Teilhaber der Energiewende aktiviert werden, beispielsweise durch eine verstärkte Förderung von Bürgerenergieprojekten. Auch das Vertrauen in Entscheidungs- und Genehmigungsprozesse und die Transparenz müsse gestärkt und eine von den Anwohnern als fair empfundene Flächenbereitstellung sichergestellt werden.

"Die Akzeptanzpolitik kann nicht nur auf ein Pferd setzen", sagt Zuber. Dies unterschätze die Komplexität von Akzeptanz und Teilhabe, heißt es dazu in dem Papier. Die Bundespolitik stehe nun in der Verantwortung, einen geeigneten Rahmen für eine wirkungsvolle Akzeptanzpolitik mit ganzheitlichem Ansatz zu schaffen und entsprechende Impulse zu setzen.

Lesen SIe auch: Bund lenkt bei Energiewende ein

Lesen Sie auch: „Die freiwillige Lösung hat das Windkraft-Thema nicht befriedet“

Lesen Sie auch: Akzeptanz der Windenergie größer als gedacht

Carsten Kloth (mit dpa)
Keywords:
Energiewende | Akzeptanz
Ressorts:
Governance
 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen