Porträt
31.07.2012

Der Blick von oben

Aquila Capital
Cristina Bülow ist seit 2009 in leitender Funktion bei Aquila Capital tätig.

Geschlossene Fonds für Sonne, Wind und Wasser sind in. Diesen Trend hat Cristina Bülow mitgeprägt.

Der Büroturm am Valentinskamp mitten im Hamburger Geschäftsviertel ist rundum verglast. Von ihrem Großraumbüro im siebzehnten Stock genießt Cristina Bülow den Panoramablick auf ihre Geburtsstadt. Eigentlich bedient die 49-jährige Hanseatin das Klischee einer konservativen Bankerin. Mit dem schwarzen Kostüm, der weißen Seidenbluse, mit den langen braunen, frisch frisierten Haaren wirkt sie sehr korrekt, fast ein bisschen spröde. Doch dieser erste Eindruck trügt. Ihre Worte entwickeln sich zu einem mitreißenden Redefluss. „Die Natur ist für uns ein großes Thema“, sagt Bülow: „Allerdings geht es dabei immer um die Sicht der Kapitalseite – und damit auch um Renditen.“
Als Geschäftsführerin der Investmentgesellschaft Aquila Capital sammelt Bülow auch Geld für die Energiewende – und das weltweit. Die von ihr konzipierten geschlossenen Investmentfonds werden im Sommer wohl die 500-Millionen-Grenze überschreiten. In ihrem Unternehmen beschäftigen sich 35 Mitarbeiter mit erneuerbaren Energien. Insgesamt managt Aquila mit 200 Leuten rund 3,8 Milliarden Euro, darunter auch Agrar- und Waldfonds.
Bei solchen Fonds geht es um gesellschaftsrechtliche Änderungen, um Doppelbesteuerungsabkommen und um Renditeoptimierung. Die komplexen Strukturen dieser Fonds, etwa zur Finanzierung neuer Kraftwerke, bereiten Bülow sichtliches Vergnügen: „Das ist steuerliches und gesellschaftsrechtliches Hochreck.“
Solche geistigen Turnübungen liegen nicht jedem. Die Natur dagegen hat sie früher, in den Achtziger Jahren, nicht sonderlich interessiert. Studenten ihrer Generation demonstrierten in grünen Parkas gegen Kernkraft oder klebten Plakate gegen das Waldsterben. Sie hingegen konzentrierte sich in München auf ihr BWL-Studium und hatte nach nur drei Jahren bereits ihr Diplom in der Tasche.

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Zusammen mit einem Freund bereiste Bülow damals auch die Blue Ridge Mountains in den USA. Der Freund war von diesem Naturphänomen so berauscht, dass er zum Umweltaktivisten wurde und heute in leitender Position beim WWF sitzt. Sie aber blieb nüchtern und behielt den „high level“ im Blick. So nennt Bülow jene Ebene in der Wirtschaft, in der die Entscheidungen fallen. Ihre Karriere begann sie als Trainee der Citibank. Sie wechselte zu den Wirtschaftsprüfern von Arthur Anderson und dann zur Europäischen Investitionsbank in Luxemburg und Rom. 2001 kehrte sie nach Hamburg zurück, als Partnerin bei Ernst & Young. Sie beriet Emissionshäuser und lernte dabei die beiden Aquila-Gründer Roman Rosslenbroich und Dieter Rentsch kennen.
Die legten 2006 den ersten Klimaschutzfonds in Deutschland auf, der Projekte in China und in Indien unterstützt. Genau in dem Jahr reiste Bülow als Partnerin von Ernst & Young zum ersten Mal nach Shanghai. „Der Smog über der Stadt, die dunkelgraue Suppe, in die man beim Landeanflug eintaucht – das hat mir drastisch die Augen geöffnet, für die Risiken von irreversiblen Umweltschäden.“ Auch buchstäblich kam Bülow dem Umwelt- und Energiethema also von oben näher.

Heute prägt dieses Thema ihre Arbeit. Kürzlich hat Bülow einen Windfonds für einen kleinen Kreis von Investoren aufgelegt. „Endlich haben wir in Deutschland einen passenden Windpark gefunden!“, strahlt sie und erläutert: „Für den Markt der Sachwerte, also Real Assets, gibt es eine harte Konkurrenz des internationalen Kapitals.“ Versicherungen, Pensionskassen und Versorgungsunternehmen haben den Reiz von Sonne, Wind und Wasser längst entdeckt. Die Statistik des Verbandes Geschlossene Fonds untermauern das sprunghaft gestiegene Interesse an erneuerbaren Energien. Der Anteil von Fonds aus diesem Segment am investierten Eigenkapital aller geschlossenen Fonds in Deutschland hat sich seit 2008 vervierfacht – von 2,6 auf 11 Prozent. Das bedeutet Platz Zwei in der Rangliste. Wesentlich für den guten Ruf grüner Anlagen sind „die rechtlich gesicherten Einspeisevergütungen für Ökostrom“, so Bülow.
Apropos: Seit 2008 haben die in der Statistik führenden Immobilienfonds ihren Marktanteil von 36 auf 52 Prozent ausgebaut; das ist natürlich der weltweiten Finanzkrise geschuldet. Von dieser Krise hat Aquila laut Bülow allerdings eher profitiert. „Viele Konkurrenten waren mit Aufräumarbeiten beschäftigt und konnten daher weniger Fonds platzieren.“ An hochqualifizierten Investmentspezialisten mangelte es nicht. Seit 2008 verdoppelte Aquila die Zahl seiner Mitarbeiter. Vor ein paar Monaten gewann Aquila den Feri Euro Rating Award. Die Jury pries das Emissionshaus als Wegbereiter für innovative Anlageformen. Das ist auch ein Verdienst von Bülow. Was die 1,82 Meter große Diplomkauffrau anpackt, „betreibt sie mit Tempo“, sagt der Hamburger Wirtschaftsanwalt Michael Dröge, der mit Bülow zusammenarbeitet. Sie strahle Charisma aus, gepaart „mit einer gewissen Ungeduld“.
Diese Mischung erlebte auch Dennis Meadows. Der „Club of Rome“-Gründer und Verfasser von „Die Grenzen des Wachstums“ sitzt seit 2010 im Aquila-Beirat. Gleich beim ersten Treffen hielt Bülow dem älteren Herrn eine zerlesene Ausgabe seines Buches hin und sagte, sie habe es schon als Studentin verschlungen. „System- und Chaostheorie waren damals meine Steckenpferde“. Bei dieser Frau ist eben alles ein bisschen anders, als man zunächst denkt.

Fonds für erneuerbare Energien

sind auf dem Vormarsch, das zeigt auch die Statistik des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) deutlich. Den aktuellen Quartalszahlen zufolge legten Investitionen in Energiefonds im Vergleich zum Vorjahr um über 150 Prozent zu. Zu den größten Abräumern zählen dabei Windenergiefonds, deren Platzierungsvolumen im selben Zeitraum um fast 740 Prozent anstieg. Investitionen in Solarfonds gewannen im Vorjahresvergleich knapp 30 Prozent dazu.
Neben Aquila Capital gehören die CFB und die KGAL im Bereich der New Energy zu den Top-Drei-Initiatoren in Deutschland, wie das Analysehaus FeriEuroRating kürzlich ermittelte.

Vanessa de l'Or
Keywords:
Energie | Erneuerbare Energie | Windenergie
Ressorts:
Finance

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