Solarwirtschaft
27.07.2012

Der Sonnenkrieg erreicht Europa

Nach den USA setzt sich nun auch Europa gegen chinesische Solarsubventionen zur Wehr. Die Herstellerinitiative EU Pro Sun reichte Handelsbeschwerde ein – das Branchenecho ist gespalten.

Europäische Photovoltaik-Unternehmen fordern von der Europäischen Union Antidumpingmaßnahmen gegen die Billigkonkurrenz aus China. „Wir sind technologisch führend, werden aber im eigenen Markt geschlagen durch illegales Preisdumping Chinas“, erklärt Milan Nitzschke, Präsident der federführenden Initiative EU ProSun. Etwas mehr als 20 PV-Hersteller schlossen sich zur Initiative zusammen und reichten am Donnerstag Beschwerde ein. Nitzschke weiter: „Die Preise für Solarstrommodule aus China liegen weit unter den Herstellungskosten in China.“

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Laut der Initiative bestehe kein natürlicher Kostenvorteil Chinas gegenüber der EU, da die Lohnkosten in Europa nur zehn Prozent der gesamte Produktionskosten ausmachten. Nur durch staatliche Subventionen hätten es die Chinesen europaweit zu einem Marktanteil von 80 Prozent gebracht – zum Leidwesen der hiesigen Industrie, die Werke teilweise schließen muss.

In den USA verhing die Regierung bereits im Mai Dumpingzölle von 30 bis 250 Prozent gegen die chinesischen Praktiken. Schätzungen des US-Energieministeriums zufolge unterstützt Peking die Solarbranche mit Subventionen von mehr als 25 Milliarden Euro. Auch das Bonner Unternehmen Solarworld kämpfte damals über seine amerikanische Tochter an vorderster Front mit.

Für Europa erhofft sich Solarworld-Chef Frank Asbeck einen ähnlichen Erfolg: „Wir sind zuversichtlich, dass die Europäische Kommission die Notwendigkeit für ein sofortiges Handeln erkennt und keine Zeit verstreichen lässt, um auch in Europa vergleichbare Maßnahmen zu ergreifen.“

Die Pläne der Initiative stoßen auch auf Kritik. „Offene Märkte sind unerlässlich, um Solarenergie erschwinglich zu machen", erklärt Gregory Spanoudakis vom Branchenverband AFASE in Brüssel. Der Verband, der 70 internationale Solarfirmen vertritt, warnt vor den Folgen einer protektionistischen Politik, etwa vor Preiserhöhungen bei den Modulen. Ein missgeleiteter Handelsdisput könne hier den jahrelangen Fortschritt der Industrie untergraben und tausende Jobs in Europa gefährden.

Daniel Seeger
Keywords:
Energiepolitik | EU-Kommission | Solarstrom | Energie | Solarworld
Ressorts:
Governance | Markets

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