Interview
27.11.2019

„Der CO2-Handel zwischen Staaten braucht Kontrolle“

Foto: Sebastian Wiedling / UFZ, (Teaserbild: iStock)
Reimund Schwarze ist Professor für Internationale Umweltökonomie an der Frankfurter Viadrina und Forscher am Helmholtz-Zentrum für Umwelfforschung UFZ in Leipzig.

In der kommenden Woche beginnt der Weltklimagipfel in Madrid, bei dem der Handel mit Klimaschutz im Fokus steht. Schlecht reguliert könnte der die gesamte Integrität des Paris-Abkommens unterlaufen, warnt der Umweltökonom Reimund Schwarze.

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Herr Schwarze, auf dem Weltklimagipfel in Madrid soll endlich der Prozess ins Rollen kommen, in dem die Länder ihre Klimazusagen für 2030 freiwillig erhöhen. Glauben Sie an einen Erfolg?

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Leider wird es in Madrid in dieser Hinsicht wohl wieder keine großen Schritte geben. Die Verhandlungen starten schon durch ihre Verlagerung von Chile nach Spanien unter schwierigen Bedingungen und die klimapolitische Ambition ist kein offizieller Verhandlungsgegenstand. Natürlich ist es denkbar, dass einzelne Länder Ankündigungen machen, wie das auch schon im September auf dem New Yorker Sondergipfel der Fall war.

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Den hatte UN-Generalsekretär António Guterres extra einberufen, um den Regierungen eine gute Plattform zum Präsentieren neuer Ideen und Ziele zu bieten – mit geringer Resonanz.

Was auf dem Tisch liegt, reicht nicht. Zu den Zielen des Paris-Abkommens gehört es ja, die Erderwärmung auf 1,5 Grad gegenüber vorindustriellen Zeiten zu begrenzen. Mit den bisherigen Klima-Versprechen der Staaten landen wir aber zwischen drei und vier Grad. Nichtsdestotrotz würde es mich überraschen, wenn wir schon in Madrid das Einlenken der Welt auf einen neuen Pfad erleben würden.

In den eigentlichen Verhandlungen wollen die Länder Regeln beschließen, wie sie untereinander mit Emissionsminderungen handeln können. Die Schweiz könnte dann beispielsweise für ein Klimaschutzprojekt in Brasilien bezahlen und sich die CO2-Einsparung selbst gutschreiben. Ist das überhaupt sinnvoll?

Die grundlegende Idee ist es, Klimaschutz so günstig wie möglich zu machen, damit er wirtschafts- und sozialverträglich funktioniert. Das ist an sich natürlich wünschenswert.

Im Paris-Abkommen könnten diese Handelsmechanismen noch eine weitere wichtige Funktion übernehmen: Sie sollen es Ländern erleichtern, sich hohe CO2-Einsparungen vorzunehmen, die sie allein nicht bewältigen könnten und deshalb bisher nicht zugesagt haben.

Große Teile der Klimabewegung warnen vor einem gefährlichen Ablasshandel...

Wichtig ist: Die Summe der CO2-Emissionen aus Brasilien und der Schweiz müssen durch den Handel fallen, nicht nur die Kosten. Es darf beim Handel nicht um Billigmaßnahmen gehen, um die „low-hanging fruits“. Stattdessen müssen die „high hanging fruits“ in Angriff genommen werden, etwa die Schaffung intelligenter Stromnetze und neuer Speichertechnologien.

Das könnte den Prozess der Ambitionssteigerung anheizen, über den wir gerade geredet haben. Ganz zentral wäre es dafür, dass die Zusätzlichkeit sichergestellt ist. Die Schweiz darf natürlich nur Klimaschutz-Projekte in Brasilien anstoßen, die dort ohne Geld von außen nicht möglich gewesen wären.

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Keywords:
Klimaschutz-Gipfel | COP25 | Klimapolitik
Ressorts:
Governance
 

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