BIZZ-Exklusiv
29.10.2014

Der Community Organizer

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Rainer Baake, grüner Staatssekretär im Wirtschaftsministerium, soll die Öko-Szene bei der Energiewende einbinden. Für diese Aufgabe vertraut er – sich selbst.

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Auf das Regieren und politische Organisieren hat sich der grüne Wirtschafts-Staatssekretär Rainer Baake, Jahrgang 1955, schon mit 19 Jahren vorbereitet. Nach dem Abitur ging er für vier Jahre als Community Organizer nach Chicago. In der US-Metropole organisierte Baake die Macht- und Besitzlosen. Der nervenaufreibende und ganz sicher nicht ungefährliche Job wirkt im Rückblick wie ein Karriere-Sprungbrett. Baakes Aufgabe übernahm Jahre später am gleichen Ort ein gewisser Barack Obama, der später 44. Präsident der Vereinigten Staaten wurde. 

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Apropos: Bei Amtsantritt hatte Obama viel Klimaschutz versprochen. Wie steht es heute um die US-Klimapolitik ?  Mit dieser Frage entlockt man Baake, seit 1983 Mitglied der Grünen und heute Community Organizer der Öko-Szene für die Energiewende, einen Seufzer: „Sie bewegt sich“, antwortet er. Auch die chinesische Klimapolitik mache Fortschritte. Ein Abkommen in Paris im Dezember 2015 unter Beteiligung beider Länder sei „zumindest möglich“, fügt er diplomatisch hinzu und strebt zum nächsten Termin. Baake sagt nie etwas, was sich nicht auch problemlos drucken oder senden lassen würde. Typisch für einen ausgebufften Berufspolitiker. Für diese Karriere entschied sich Baake gleich nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre in Marburg. Schon mit 29 Jahren wurde er stellvertretender Landrat im Kreis Marburg-Biedenkopf. Mit 36 Jahren wurde er in Hessen Staatssekretär und engster Mitstreiter des grünen Umweltministers Joschka Fischer. Später organisierte er als Umwelt-Staatssekretär der Regierung Schröder den Atomausstieg.

Für viele ist Baake auch heute wieder der eigentliche Strippenzieher, der Architekt dieser Energiewende. Im Januar holte ihn Wirtschafts- und Energieminister Sigmar Gabriel (SPD) als beamteten Staatssekretär in sein Ministerium. Damit hat Baake den grünen Stift wieder gegen einen roten getauscht. In der Zeichensprache der Bundesverwaltung ist ein grüner Stift dem Minister oder anderen Dienstherrn vorbehalten. Sein Stellvertreter schreibt rot. Diese Farbenlehre hat Baake verinnerlicht. Er nahm sie aus dem Bundesumweltministerium mit zur Deutschen Umwelthilfe (DUH) und dann zur Denkfabrik Agora Energiewende. Beide Organisationen führte Baake in Berlin – und machte dort seine Anmerkungen jeweils mit einem grünen Stift, was manchen Mitarbeiter zum Grinsen brachte. Es ist die Marotte eines Mannes, der „viel weiß, strategisch denkt und gut strukturiert ist“, wie ein Weggefährte bescheinigt. Baake hat grün gegen rot getauscht, weil er nicht mehr Chef sein, sondern „gestalten“ wollte. Und das geht nach Baakes Überzeugung nur in der Regierung. Noch als Agora-Chef hatte er seine „Zwölf Thesen zur Energiewende“ vorgelegt, die ihm jetzt als Blaupause dienen.

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Keywords:
Rainer Baake | Die Grünen | Energiewende | Staatssekretär | Wirtschaftsministerium
Ressorts:
Governance | Community

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