Es klingt zunächst banal: Der Ölpreis hängt von Angebot und Nachfrage ab. Der Rekordpreis von 147 Dollar im Jahr 2008 wurde durch extrem hohen Verbrauch, insbesondere in den USA, erreicht. Heute ist die Situation genau umgekehrt. In den USA gibt es zu viel Öl. Die Vorräte dort liegen mit 500 Millionen Fass Öl auf Rekordniveau. Obwohl die Firmen in den vergangenen Monaten bereits deutlich weniger bohrten, fördern sie mehr als zu Jahresanfang. Wie ist das möglich? Schließlich ist die Ausbeutung unkonventioneller Ölvorräte teuer.

Die Stimmung ist angeheizt
Einer der Hauptgründe ist, dass sich die Produzenten mit Termingeschäften abgesichert haben, sie bekommen zumindest einen Mindestpreis für ihre Produktion. Zweitens scheint es einen Konsens unter US-Investoren zu geben, die niedrigen Ölpreise seien ein zeitlich begrenztes Phänomen. Ein klares Anzeichen dafür ist, dass US-Öl- und Gasförderer im ersten Quartal eine Rekordsumme an frischem Kapital eingesammelt haben. Allein im März wurden Kapitalerhöhungen in Höhe von 3,8 Milliarden Dollar offeriert. Die Stimmung zusätzlich angeheizt, hat das 70-Milliarden-Dollar-Übernahmeangebot von Shell für den britischen Gasproduzenten BG. Investoren erwarten weitere Übernahmen. Doch die große Frage ist: Haben die Investoren recht damit, dass die Ölpreise sich vom derzeitigen von rund 60 Dollar pro Fass wieder erholen werden?

Gerard Reid (foto: deposit, Illu: Valentin Kaden)