Stromnetz
30.05.2012

Der Milliarden-Euro-Ausbau

Amprion
Bald mehr davon im Netz: Eine HGÜ-Teststrecke in Datteln.

2.100 Kilometer neue verlustarme Leitungstechnik sollen beim Netzausbau verlegt werden. Das sei ein Novum in Europa, sagt Tennet-Chef Fuchs bei der Vorstellung des Entwurfs zum nationalen Netzentwicklungsplan. Insgesamt beliefen sich die Kosten ohne Offshore-Anbindungen auf 20 Milliarden Euro.

Die Geschäftsführer der vier Übertragungsnetzbetreiber 50 Hertz, Amprion, Tennet und Transnet BW haben heute einen Entwurf für den nationalen Netzausbau in Berlin vorgestellt. In den nächsten zehn Jahren sollen insgesamt 3.800 Kilometer neue Stromtrassen gebaut und weitere 4.400 Kilometer aufgerüstet oder verstärkt werden. Der Ausbau des Übertragungsnetzes an Land soll insgesamt 20 Milliarden Euro kosten. Weitere 12 Milliarden Euro koste es, Offshore-Windparks auf hoher See ans Netz zu schließen. Das höre sich nach viel an, relativiere sich jedoch, sagt 50-Hertz-Chef Boris Schucht. „20 Milliarden Euro machen nur etwa fünf bis zehn Prozent an den Gesamtkosten der Energiewende aus.“

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Erstmals werde auch die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) bei vier Leitungskorridoren eingesetzt. „Das ist eimalig in Europa“, betonte Tennet-Chef Martin Fuchs. In einem eng vernetzten Übertragungsnetz gebe es das bis dato nicht. Durch die neuen Nord-Südtrassen soll der Windstrom künftig verstärkt nach Süddeutschland transportiert werden. Insgesamt sollen 2.100 Kilometer HGÜ verlegt werden, die besonders wenig Stromverluste beim Transport aufweisen. Dabei habe man im ausgewählten Szenario „B 2022“ die jeweiligen Anfangs- und Endpunkte festgelegt, der genaue Streckenverlauf sei jedoch noch nicht beschlossen. Hinzu kämen 1.700 Kilometer neue Trassen mit Wechselstrom sowie 2.800 Kilometer Wechselstromleitungen in Bestandstrassen – was unter Trassenertüchtigung fällt. Fest stehe, dass „der Netzausbau das Tempo der Energiewende bestimmt“, so Fuchs, und „eine Herkulesaufgabe ist“.

Der Bundesverband Windenergie (BWE) sieht den Netzausbau zwar als „große Aufgabe“, aber auch als machbar an. „Der Plan zeigt klar, welche Hausaufgaben die Übertragungsnetzbetreiber zügig zu erledigen haben“, kommentiert BWE-Präsident Hermann Albers. Zur Beschleunigung des Ausbaus auf der 110 Kilovolt-Ebene fordere der BWE die ausschließliche Verwendung von Erdkabeln, so Albers. „Zudem sollen auf allen Netzebenen zur Ertüchtigung von bestehenden Trassen moderne Hochtemperaturleiter zum Einsatz kommen.“

Bis zum 10. Juli 2012 ist eine öffentliche Konsultationsphase vorgesehen. Beiträge aus der Konsultation sollen dann in den zweiten Entwurf eingearbeitet werden. Dieser soll in der zweiten Augusthälfte an die Bundesnetzagentur übergeben werden. Anschließend beginnt die Gesetzgebung für den Netzplan.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Netzausbau | Projektfinanzierung | smart Grids | Bundesnetzagentur | Erneuerbare Energie
Ressorts:
Governance

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