Die Installation und Wartung von Offshore-Windparks ist aufwändig und riskant. Stürme, Wellen und Salzwasser machen den Windmüllern auf See das Leben schwer. Abgesehen von neuen, als vielversprechend gelobten schwimmenden Turbinenmasten, werden die Anlagen in der Regel in Teilen aufs Meer hinaus gefahren und dort installiert. Das ist technisch aufwändig und teuer. Forscher des EU-geförderten Projekts Elisa wollen nun eine Art Hybrid-Lösung schaffen: Eine Windkraftanlage, die selbstschwimmend an ihren Einsatzort geschleppt wird und dort beschwert und am Boden gesichert werden kann.

Möglich machen soll das ein Teleskop-System. Dadurch kann laut Planern die Anlage bereits an Land komplett zusammengebaut werden. Solange der Mast eingefahren bleibt, sei der Schwerpunkt der Konstruktion so tief, dass die Windkraftanlage auf ihrer schwimmenden Plattform nicht umzukippen drohe. Ein gewöhnlicher Schlepper könne sie so an den Bestimmungsort vor der Küste ziehen. Der Verzicht auf eines der wenigen und teuren Schwerlastschiffe, die sonst im Einsatz sind, kann viel Zeit und Geld sparen. Deutschlandweit stehen gerade einmal vier solcher Kähne zur Verfügung.

 

Risikoarme Montage auf See

„Dass die Installation ohne den Einsatz eines Schiffs funktioniert, führt nicht nur zu erheblichen Kostensenkungen, sondern unterstützt auch den deutlichen Trend in Richtung größerer Offshore-Windkraftanlagen und ist somit ein wesentlicher Schritt zur Verbesserung der Energiekosten eines Windparks“, sagt Projektingenieur José Serna selbstsicher. Durch die komplette Vormontage würden außerdem die Möglichkeit zur kostenoptimierenden Industrialisierung erhöht und Risiken der Montagearbeiten auf See gering gehalten.

Die Ingenieure von Elisa nennen die Anlage selbstinstallierend. Tatsächlich wird der riesige Selfie-Stick für Windturbinen allerdings doch ein wenig Hilfe brauchen. Laut Planung werden die Teleskop-Stangen mithilfe von Drahtseilen ausgezogen, was von einer schwimmenden Hilfsplattform aus geschehen muss, genau wie das Beschweren der Bodenplatte zur Verankerung am Meeresgrund. 

Doch die Entwickler sind von ihrer Sache überzeugt: Bereits für den ersten Prototypen erwarten Ingenieur Serna und sein Team Stromerzeugungskosten unterhalb der aktuellen Marktpreise, trotz aller Investitionen, die für Hilfsinfrastruktur und Hilfsmittel erforderlich werden.

Nach dem Ausfahren des Teleskop-Masts und dem Absenken des Sockels auf den Meeresgrund soll die Hilfsplattform wieder mitgenommen werden können. (Foto: ELISA)