Emissionsarmes Fliegen
01.12.2016

Der Solar-Starter

Foto: Solarstratos; Ali Eichenberger
Raphaël Domjan will mit einem Solarflieger bis in die Stratosphäre fliegen.

Mit einem rein durch Sonnenenergie angetriebenem Flugzeug will der Schweizer Entdecker Raphaël Domjan die Stratosphäre erkunden – und damit so hoch fliegen wie kein Flugzeug zuvor.

Noch ist es nur ein tollkühner Plan. Doch schon nächste Woche, am 7. Dezember, soll er der Realität ein Stück näher rücken. „Mein Team und ich stellen dann das Flugzeug Solarstratos erstmals der Öffentlichkeit vor“, kündigt Raphaël Domjan im Gespräch mit bizz energy an. Schon 2018 will der Schweizer Entdecker mit diesem Flugzeug so hoch in die Luft steuern wie kein Pilot jemals zuvor. Sein Ziel ist die Stratosphäre, der Luftraum rund 25.000 Meter über der Erdoberfläche. Der Clou: Die Maschine fliegt nur mit Sonnenenergie. Ein Plan, der sogar Elektroauto-Pionier Elon Musk beeindrucken dürfte.

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Domjans Mission erinnert in vielen Punkten an den Solarflieger Solarimpulse, der in diesem Jahr Schlagzeilen machte. Auch dessen Piloten Bertrand Piccard und André Borschberg waren Schweizer, auch sie wollten einen Weltrekord mit einem Solarflieger aufstellen. Abwechselnd steuerten die beiden Piloten ihren Solar-Einsitzer von Abu Dhabi in mehreren Etappen rund 10.000 Kilometer einmal um die Welt. Nach 1,25 Jahren erreichten sie wieder ihren Startort, zwischenzeitlich zwang sie eine Panne zu einer ungeplanten längeren Pause.

 

PR-Flug der Superlative

Wie Solarimpulse ist auch Solarstratos eine Werbekampagne für die Erneuerbaren, ein PR-Flug der Superlative. „Die Mission soll zeigen, welches Potenzial in den Erneuerbaren steckt“, frohlockt Domjan. Wenn ein Solarflugzeug einen Menschen in die Stratosphäre und zurückbringen würde, wäre das ein starkes Signal. „Mit Solarstratos wollen wir demonstrieren, dass Solarenergie mehr leisten kann als herkömmliche Antriebe“, sagt Domjan.

Entdecker und Pilot Domjan stemmt das Projekt mit seiner 2012 gegründeten Firma Firma Planetsolar. Fünf Stunden soll sein Flug in die Stratosphäre dauern. Zwei Stunden für den Aufstieg zum Rande des Weltraums, 15 Minuten will er dort kreisen, und drei Stunden der Abstieg. Schon seit November wird auf dem Schweizer Payenne Airport Aeropole an der Maschine gebastelt. In einem Flugsimulator trainiert das Team Start, Landung und Notfälle. Die auf 22 Quadratmetern montierten Solarzellen sollen die Energie für den Flieger liefern. Das fertige Flugzeug wird laut Hersteller rund 450 Kilogramm wiegen. Seine Flügelspannweite beziffert der Hersteller mit knapp 25 Metern, angetrieben wird es von einem 32 Kilowatt-Motor. 

 

Technik-Genies sind gefragt

Solastratos könnte damit gelingen, woran herkömmliche Flugzeuge scheitern. In den extremen Höhen funktioniert deren Treibstoff nicht mehr, die Physik setzt Grenzen. Denn: Um Kraftstoff zu verbrennen, braucht ein Motor normalerweise Sauerstoff. Und der fehlt in der Stratosphäre mehrere zehntausend Meter über der Erde.

Atmen kann ein Mensch in diesen Höhen schon lange nicht mehr. Deshalb muss der Pilot einen Raumanzug tragen. Der hält ihn auch warm. Dort oben ist es sehr kalt, etwa minus 70 Grad Celsius. Eine der größten Herausforderungen liegt also darin, den Piloten während seines Flugs am Leben zu erhalten.

Auch die Ingenieure sind gefragt. Die verbauten Batterien müssen dem geringen Druck in 25.000 Metern Höhe standhalten. Eine weitere Herausforderung ist deshalb die Entwicklung neuer Batterien, die den geringen Druck dort oben aushalten. Der liegt bei maximal fünf Prozent des Luftdrucks auf der Erde. Derzeit bastelt der österreichische Batteriehersteller und Tesla-Angreifer Kreisel-Electric an den leichten Modellen.

Insgesamt sind mehr als 30 Partner und Sponsoren an Bord, neben Kreisel-Electric auch das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Die Hälfte der zehn Millionen Euro, die insgesamt bis zum Abflug von Solarstratos nötig sind, hat Domjan nach eigenen Angaben schon zusammen.

 

Weitreichende Pläne

Für den Schweizer Abenteurer ist es nicht das erste Projekt dieser Art. Domjan hat sein Leben den Entdeckungen verschrieben. Bevor ihm die Idee zum Flieger kam, beendete er 2012 eine Weltumrundung in einem Solarboot. Während seiner Odyssee über die Weltmeere wurde auch die Idee zu Solarstratos geboren. „Mitten auf dem Pazifik mit Blick in den Sternenhimmel kam bei mir der Wunsch auf, einmal mit Sonnenenergie an den Rand des Weltraums zu fliegen.“ Ob diese Vision Wirklichkeit wird, werden die kommenden zwei Jahre zeigen.

Schon heute hat Domjan Pläne für die Zeit danach. In einer zweiten Stufe will er Flüge mit seinem Sonnenflieger auch kommerziell anbieten. Denn anders als beim Pionier Solarimpulse haben in Solarstratos zwei Personen im Cockpit Platz. 

Jana Kugoth
Keywords:
Solarstratos | Solarflugzeug | Stratosphäre | Sonnenenergie | Batterie
Ressorts:

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