BIZZ-Exklusiv
11.05.2015

Der Traum von der Unabhängigkeit

fotos: Astora
Astora Energiespeicher in Rehden.

Die Beziehungen zu Russland sind zerrüttet. Nicht nur deshalb setzen Europas Regierungen jetzt auf verflüssigtes Erdgas.

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In Alytus, einem Industriestädtchen unweit der polnischen Grenze, baut unterdessen Litauens Netzbetreiber Litgrid gerade für 145 Millionen Euro ein Umspannwerk zur Anbindung litauischer Stromtrassen an Kontinentaleuropa. Und durch die Ostsee nach Schweden lässt Litgrid zurzeit eines der längsten Tiefseekabel der Welt legen: „NordBalt” ist eine 550-Millionen-Euro-Investition.

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Damit ist Litauen für viele Staaten ein Vorbild dafür, wie man die Abhängigkeit von Russland reduzieren kann – auch für die Staaten der Europäischen Union. Längst sucht die Bundesregierung nach solchen Strategien. Dabei geht es auch um die niedersächsische Region rund um die Gemeinde Rehden, die trotz nur knapp 1.900 Einwohnern geopolitische Bedeutung besitzt. In der dünn besiedelten Gegend liegt dort zwischen Feldern und Mooren Westeuropas größter Erdgasspeicher. Wo früher ein natürliches Erdgasfeld lag, bietet heute das Porengestein des Untergrundes Speicherplatz für 4,4 Milliarden Kubikmeter Gas; das strömt hauptsächlich durch norwegische und russische Pipelinenetze nach Deutschland und kann rechnerisch zwei Millionen Einfamilienhäuser ein Jahr lang mit Erdgas versorgen. 

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Gas-Knotenpunkt im niedersächsischen Rehden

Schornsteine, Gewerbehallen, Armaturen – und überall Rohre. Sie kommen aus der Asphaltdecke, bilden torähnliche Durchfahrten für die Laster, durchlaufen Tanks und überspannen das riesige Betriebsgelände mit einem engmaschigen Netz. Doch der Speicher erstreckt sich deutlich weiter als die oberirdischen Anlagen erahnen lassen. Und Fernleitungen wie die mitteldeutsche Midal machen Rehden zu einem veritablen Gas-Knotenpunkt.

Gazprom hatte Rehden lange im Visier: Der Kreml-Konzern verfolgte bis vor Kurzem die Strategie, Europas Energieversorgung vom Rohstofffeld bis zum Endkunden zu übernehmen. Anteile am Speicher in Rehden hielt Gazprom bereits: Der Speicher-Betreiber Astora gehört zur Handelsgesellschaft Wingas, einem Joint Venture von Gazprom und der BASF-Tochter Wintershall. Die wiederum wollte den Speicher ganz an Gazprom verkaufen; im Gegenzug wollte Gazprom Wintershall an der Erschließung weiterer Blöcke von Erdgasfeldern in Westsibirien beteiligen. 

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Keywords:
LNG | Erdgas | Russland | Litauen | Europa | Gasversorgung
Ressorts:
Governance | Markets

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