BIZZ-Exklusiv
11.05.2015

Der Traum von der Unabhängigkeit

fotos: Astora
Astora Energiespeicher in Rehden.

Die Beziehungen zu Russland sind zerrüttet. Nicht nur deshalb setzen Europas Regierungen jetzt auf verflüssigtes Erdgas.

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Besonders die asiatischen Tigerstaaten Singapur, Südkorea und Taiwan wollen ihren wachsenden Energiehunger mit LNG stillen. Die Kapazitäten der Verflüssigungsanlagen sind weltweit seit der Jahrtausendwende stark gestiegen, Dutzende neuer Anlagen befinden sich in der Planung oder schon im Bau. Auch als Treibstoff wird LNG allmählich salonfähig. So eröffnete der Energiemulti Shell gerade die erste europäische Lkw-Tankstelle für verflüssigtes Erdgas, und zwar in Rotterdam. Ihre Kapazität von 70.000 Litern reicht aus, täglich rund 170 Lkw zu betanken. 

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Wie geht es in Deutschland weiter? Der Bundestagsabgeordnete Hans-Werner Kammer (CDU) aus Wilhelmshaven liefert eine beherzte Antwort. Wenn er am Ende des Bootsstegs steht und den Seewind genießt, suchen seine Augen den Horizont: Von dort sollen künftig Tanker aus Norwegen, Nordafrika, Katar oder den USA verflüssigtes Erdgas in die Stadt an der Nordseeküste bringen. „Das wäre für Wilhelmshaven hervorragend, wir brauchen hier jeden Arbeitsplatz.“ 

Pläne für ein LNG-Terminal auf deutschem Boden

Tatsächlich bietet Wilhelmshaven alle Voraussetzungen für ein solches Terminal: Ein 84-Hektar-Gelände nahe dem Jade-Weser-Port, für das die Baugenehmigung bereits vorliegt, das aber seit den 70er-Jahren auf seine Bebauung wartet. „Wir haben das tiefe Fahrwasser, hier können die größten Schiffe der Welt anlegen“, sagt Kammer: „Und wir haben in der Nähe Gaslager mit den Kavernen, die 25 Kilometer vor den Toren Wilhelmshavens sind.“ 

Die Idee für ein Gas-Terminal in Wilhelmshaven ist nicht neu. In den 70er-Jahren, zu Zeiten der Ölkrise, hatte der Eon-Konzern das Bauvorhaben angestoßen, im Jahr 2008 hat er es wieder begraben: Der Gasbedarf in Deutschland entwickelte sich geringer als prognostiziert, und die bestehenden Terminals boten mehr als genug Kapazitäten. 

An dieser wirtschaftlichen Grundsituation hat sich nicht viel geändert. Aber werden Konzerne Milliarden investieren, wenn noch nicht einmal klar ist, ob der deutsche Markt dieses Gas überhaupt abnimmt? „Die Rahmenbedingungen für die Investoren müssen stimmen“, sagt Kammer. Bislang fehle die Bereitschaft der Privatwirtschaft. LNG ist alles andere als eine Billig-Lösung, der Betrieb von Terminals und der Transport in Spezial-Kühltankern sind kostspielig. „Die Wirtschaft nimmt, solange sie es bekommen kann, das günstigere Pipeline-Gas“, resümiert der Bundestagsabgeordnete und fordert: „Die Wirtschaft muss Verantwortung zeigen.“ 

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Keywords:
LNG | Erdgas | Russland | Litauen | Europa | Gasversorgung
Ressorts:
Governance | Markets

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