Im Hafen von Klaipeda liegt ein riesiger Schatz vor Anker. Seit Jahresbeginn liefert die „Independence“ von dort ihr verflüssigtes Erdgas an die litauischen Kraftwerke. 

Jenes „Liquefied Natural Gas“ (LNG) der „Independence“ ist der Hoffnungsträger der neuen litauischen Energiepolitik. Die staatliche Betreibergesellschaft Klaipedos Nafta leaste die „Independence“ für zehn Jahre von der norwegischen Firma Höegh; sie zahlt bis zu 156.200 US-Dollar für Leasing, Betrieb und Gehälter – und das jeden Tag. LNG ist eine geballte Ladung Energie: Zum Zwecke der Verschiffung heruntergekühlt auf minus 161 Grad Celsius schrumpft das Volumen auf knapp 1,5 Promille. So passt die Versorgung eines ganzen Landes in einen Schiffsrumpf. 

Die „Independence“ ist Joker im Verhandlungspoker mit Russland

Die „Independence“ macht Litauen zwar noch lange nicht unabhängig vom russischen Staatskonzern Gazprom. Aber es verleiht Präsidentin Dalia Grybauskaitė den Mut, im eskalierenden Ukraine-Konflikt gegenüber Russland eine selbstbewusste Politik zu vertreten – die Möglichkeit von Waffenlieferungen an Kiew eingeschlossen. „In den Jahren der Besetzung durch die Sowjetmacht wurde ein Drittel der litauischen Bevölkerung nach Sibirien deportiert oder verschwand in Gefängnissen“, erinnert Litauens Energieminister Rokas Masilius. 

Dabei ist Litauen wie quasi alle Ex-Sowjetrepubliken durch ein enges Netz aus Pipelines und Stromtrassen an Russland gebunden und war bis Ende 2014 sogar zu 100 Prozent abhängig von russischem Gas und zu etwa 70 Prozent von russischer Elektrizität. Immerhin hat die „Independence“ als Joker im Verhandlungspoker mit Gazprom bereits gute Dienste geleistet: Im Sommer 2014 konnte Litauen dem russischen Staatskonzern Gazprom einen Nachlass in Höhe von 23 Prozent auf den bisherigen Gaspreis abtrotzen.

Astora Energiespeicher in Rehden. (fotos: Astora)