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11.10.2016

Der Windpark auf dem Handy

Foto: Live Megawatt
Eine App zeigt in Echtzeit, wie viel Ökostrom der Windpark Westermeerwind produziert.

Nicht selten sind die Standorte für neue Windparks höchst umstritten. Nachbarn sind oft wenig begeistert über die Aussicht auf die drehenden Rotorblätter. Eine App soll das ändern.

 

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Social Media Apps waren bislang das Terrain der Digital- und Medienszene. Jetzt soll auch die Windbranche das Smartphone erobern – und dadurch die Akzeptanz für Windkraftwerke steigern. Dafür haben der IT-Spezialist Jeppe Bijker und der Windenergie-Ingenieur Marthijn Bontekoning eine neue App entwickelt. 

Während Jogger ihre zurückgelegten Kilometer und ihre Geschwindigkeit messen, um sich selbst zu motivieren, zeigt die App namens Live Megawatt in Echtzeit an, wie viele Megawattstunden Grünstrom das Windkraftwerk produziert, wie viele Haushalte umgerechnet damit versorgen werden können und wie viele Tonnen CO2 eingespart werden. Diese Zahlen sollen die Windpark-Nachbarn von den Anlagen vor ihrer Haustür überzeugen.

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Eine weitere Funktion: Projektierer können über eine Webcam aktuelle Bilder ihres Parks übertragen und per Direktnachricht die neusten Entwicklungen als News in die virtuelle Gemeinschaft senden. Bei Facebook haben sich die beiden 24-Jährigen App-Entwickler außerdem den „Gefällt-mir“-Button abgeguckt. Damit kann die Gemeinschaft ihre Zustimmung signalisieren – oder bei Beschwerden den „Gefällt-mir-nicht-Button“ drücken. Die Transparenz hat allerdings ihre Grenzen. Die Bewertungen sind nicht für alle Anwender sichtbar, sondern nur für den Projektentwickler, der die App auch mit den Informationen füttert.

 

Proteste vor der Haustür

Die Idee für die Applikation kam den beiden niederländischen Masterstudenten der TU Delft in ihrem Heimatort Noordoostpolder, knapp eine Autostunde nordöstlich von Amsterdam. Seit 2010 wird dort im Ijsselmeer, dem größten künstlichen Süßwassersee der Niederlande, der Windpark Westermeerwind gebaut, der aus mehreren Teilprojekten besteht. Allein die vor dem Deich installierten 48 Turbinen sollen umgerechnet Strom für 160.000 Haushalte produzieren. Weitere Anlagen stehen auf dem Festland.

Auch in Noordoostpolder gab es im Vorfeld bei Planung und Bau des Windkraftwerks Proteste von den Anwohnern. Ihnen ist der Park ein Dorn im Auge. Den Widerstand führen die Entwickler vor allem auf die fehlende Kommunikation zurück. Und weil die 46.000 Einwohner einander in der Regel über einige Ecken kennen, kamen die Windparkentwickler auf die jungen IT-Spezialisten. „Der Projektierer wusste, dass wir Apps entwickeln und kam mit der Idee auf uns zu, eine solche für den Park Westermeerwind zu entwerfen, um die Menschen mit Echtzeitinformationen über die Stromproduktion zu versorgen und Fragen und Beschwerden direkt loswerden zu können“, erzählt Bijker im Gespräch mit bizz energy. Das war die Geburtsstunde von Live Megawatt.

Mit der offiziellen Einweihung des Parks im Juni dieses Jahres schalteten die beiden Studenten die Live Megawatt-Version für Westermeerwind online. Seitdem wurde sie laut Gründer Jeppe Bijker rund 1.000 Mal auf einem Smartphone installiert. 

Die jungen Entwickler schmieden schon neue Pläne. Auch für andere Windkraftwerke wollen sie die App anbieten. Es hätten bereits viele weiteren Projektierer angeklopft, sagt Bijker und verrät: „Wir planen außerdem eine App, die alle Windparks der Niederlande oder Deutschlands abbildet. „Das könnte vor allem für Erneuerbaren- und Technikfans interessant sein“, glaubt er. 

 
Jana Kugoth
Keywords:
Apps | Digitalisieurng | Windkraftwerke | Windstrom | Niederlande | Westermeerwind
Ressorts:
Technology

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