Höhere Preise für Benzin und Diesel führen erst nach einer sehr deutlichen Erhöhung zu einer veränderten Nutzung des Autos. Das bekräftigt eine heute von der Deutschen Energieagentur veröffentlichte Umfrage. So würden knapp zwei Drittel der Befragten erst ab einem Kraftstoffpreis von zwei Euro je Liter oder mehr auf alternative Antriebe umsteigen oder das eigene Fahrzeug seltener nutzen. Jeder Fünfte befragte Autonutzer würde erst ab einem Kraftstoffpreis von 2,50 Euro sein Verhalten ändern. Jeder Siebente kann oder will überhaupt nicht aufs Auto verzichten.

Entsprechend steht laut Umfrage die Mehrheit einer deutlichen Erhöhung der Kraftstoffpreise skeptisch gegenüber. Dies betrachten nur rund ein Fünftel der Befragten als eine wirksame Maßnahme. Befragt wurden von Forsa für die Dena im November 2020 rund eintausend Personen per Telefon.

Die Umfrage zeigt weiter: 70 Prozent der Verbraucher würden bei hohen Kraftstoffpreisen zum Kauf eines alternativ angetriebenen Fahrzeugs tendieren. 63 Prozent würden aufs Fahrrad wechseln sowie jeweils etwa 50 Prozent zu Fuß gehen oder den öffentlichen Verkehr nutzen.

Mehr Befürworter eines Verbrenner-Verbots

Ein generelles Verbot von Fahrzeugen mit Verbrenner lehnen 74 Prozent der Befragten ab. Doch der Anteil der Befürworter eines Verbots wachse, betont die die Dena: Nunmehr können sich 25 Prozent der Befragten ein generelles Verbot von Benziner und Diesel vorstellen, 2019 waren es nur 18 Prozent. Von den Befürwortenden eines Verbrenner-Verbots hält wiederum knapp die Hälfte 2030 für ein sinnvolles Ausstiegsdatum.

Andere Maßnahmen, die das Autofahren umweltverträglicher, es aber nicht direkt unmöglich machen, fanden bei den Befragten mehr Zustimmung. So sehen etwa 70 Prozent ein geeignetes Instrument darin, den Pkw-Kaufpreis abhängig vom CO2 Ausstoß zu machen. Ein entsprechendes "Bonus-Malus-Systems" würde Fahrzeuge mit niedrigen Emissionswerten vergleichsweise preiswerter machen, Fahrzeuge, die viel emittieren, würden dagegen teurer.

Für den Dena-Chef Andreas Kuhlmann zeigt die Umfrage einmal mehr, dass die Zahlungsbereitschaft für Kraftstoff beim eigenen Pkw "sehr hoch" sei und deutlich überm heutigen Kraftstoffpreisniveau liege. "Der Anreiz, verbrauchssparende Pkw zu kaufen oder effizienter mobil zu sein, kann daher nur durch weitergehende, langfristig ausgerichtete push- und pull-Maßnahmen gesetzt werden", betont Kuhlmann. Um die Verkehrsemissionen kontinuierlich reduzieren zu können, bedürfe es deutlich stärkerer Preissignale für emissionsintensive Kraftstoffe und verbrauchsstarke Fahrzeuge.

Die geringe Preiselastizität des Autofahrens bestätigte auch eine kürzlich vom RWI Essen durchgeführte Studie. Dazu wurden im Zeitraum 2004 bis 2019 die regionalen Schwankungen der Kraftstoffpreise mit den dort jeweils zurückgelegten Fahrzeugkilometern und dem Kraftstoffverbrauch abgeglichen.

Die Ergebnisse unterscheiden sich dabei zwischen Benzinern und Diesel. So legen Benzinautos bei steigenden Preisen zwar weniger Kilometer zurück, zugleich steige aber der Kraftstoffverbrauch an. Warum das so ist, konnte die Studie nicht klären, vermutet ab, dass dann auf lange Strecken eher verzichtet werde und vermehrt Kurzstrecken in der Stadt gefahren würden. Das gehe zu Lasten des Kraftstoffverbrauchs.

Bei Dieselfahrzeugen hatten die Preisschwankungen dagegen keinen Einfluss auf Fahrleistung oder Kraftstoffverbrauch. Die Studienautoren schließen daraus, dass der Kraftstoffverbrauch das "schwächste Glied" einer preisbasierten Politik sein könnte, die versucht, Umweltkosten beispielsweise über eine CO2-Steuer einzupreisen.

Freiwillig stehen lassen würden nur wenige Autofahrer ihr Fahrzeug - auch wenn der Kraftstoffpreis über zwei Euro Lite steigen würde (Copyright: Istock)