Die Schwankungen im deutschen Stromnetz nehmen zwar durch wetterabhängig wechselhafte Einspeisung der Erneuerbaren zu, doch noch scheinen die Netzbetreiber das Problem einigermaßen im Griff zu haben: Mithilfe von mehr Redispatch-Maßnahmen konnten sie 2015 die Stromausfallwerte offenbar ähnlich niedrig wie im Vorjahr halten. Im vergangenen Jahr musste der durchschnittliche Stromkunde 15,3 Minuten ohne Elektrizität auskommen. Und er war durchschnittlich 0,29 mal im Jahr von solchen Unterbrechungen betroffen. Das berichtet das Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) des Elektro- und Informationstechnikverbands VDE in seiner neuesten Erhebung.

Redispatch-Maßnahmen bedeuten: Um eine angemessene Versorgungszuverlässigkeit zu gewährleisten, gleichen die Netzbetreiber Netzengpässe aus, indem sie einzelne Kraftwerke abschalten, dort wo zuviel eingespeist wird – und gleichzeitig andere zuschalten, da wo der Strom gebraucht wird aber wegen des Engpasses nicht ankommt. Es wird auch von zunehmenden Stress im Netz gesprochen. Den wollen die Betreiber allerdings nicht an die Kunden weitergeben. Das scheint vorerst gelungen. Zumindest wenn man die Stromausfälle durch sogenannte höhere Gewalt unberücksichtigt lässt. Dazu zählt das FNN insbesondere Unwetter. Ohne die Orkane Elon, Felix und Niklas hätten die Deutschen dem Verband zufolge im Durchschnitt nur 11,9 Minuten des Jahres auf ihren Strom verzichten müssen – genau wie 2014. Stattdessen seien es mit 15,3 Minuten im Vergleich nun 2,2 Minuten mehr gewesen als im Vorjahr.

Dass es 2015 durchschnittlich 0,29 Ausfälle pro Stromkunde gab statt 0,24 wie das Jahr zuvor, zeige laut den Netztechnikern, wie stark vereinzelte Extremwetter-Ereignisse die Störungsstatistik beeinflussen können. Die FNN-Auswertung ist nach eigener Aussage die umfassendste Datensammlung zur Stromversorgung in Deutschland. 75 Prozent des deutschen Stromnetzes erfasse das Forum demnach bei seinen Erhebungen.

Die dunkle Stadt: 0,29 Stromausfälle pro Stromkunde gab es 2015 in Deutschland (Foto: pixabay; Dan Nguyen / Flickr.com / CC BY-SA 2.0)