E-Mobilität
11.06.2013

Deutsche Batterieproduktion vor dem Aus?

Li-tec
Einst ein Ort der großen Hoffnung: Die Batterieproduktion in Kamenz.

Wegen der geringen Nachfrage nach Elektroautos erwägen Daimler und Evonik den Verkauf ihrer defizitären Batteriefabrik in Kamenz. Beide Konzerne haben dort Millionen investiert.

Der Stuttgarter Autobauer Daimler und der Spezialchemiekonzern Evonik überprüfen derzeit ihre Zusammenarbeit beim Batterie-Joint-Venture Li-Tec. Ein Verkauf des defizitären Unternehmens mit Sitz im sächsischen Kamenz sei nicht ausgeschlossen, berichtete das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Die Partner hoffen demnach auf einen Verkaufserlös von rund einer Milliarde Euro. 

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Eine Entscheidung über den Verkauf sei allerdings noch nicht gefallen, betonte eine Daimler-Sprecherin. Verschiedene Optionen würden derzeit geprüft, auch der Einstieg eines weiteren Partners. 

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Anteile an Li-Tec

Für die Elektromobilität in Deutschland wäre der Verkauf ein Rückschlag. Die Bundesregierung wiederholt immer wieder die strategische Bedeutung einer Batterieproduktion im Land.

Daimler ist mit 49,9 Prozent an Li-Tec beteiligt, Evonik hält die restlichen Anteile. Seit dem Jahr 2008 hatten die beiden Unternehmen die Batterieproduktion in Kamenz aufgebaut und Millionen in den Standort investiert. Die Serienfertigung begann erst Anfang 2012. 

Die in Kamenz produzierten Batterien baut Daimler in die elektrische Variante seines Kleinwagen Smart ein. Die Nachfrage nach Elektroautos kommt aber nur langsam in Fahrt. Seit Jahresbeginn erhielten circa 1800 Stromer eine Zulassung, darunter circa 600 Smart mit Batterieantrieb. Damit sich die Batterieproduktion lohnt, müssen die Zulassungszahlen rasch steigen. Mit höheren Stückzahlen könnten auch die Kosten für die Batterien sinken. Noch treibt vor allem die Batterie den Preis eine E-Autos in die Höhe.

Ist Bosch interessiert?

Der Bosch-Konzern kündigte kürzlich an, eine europäische Batterieproduktion aufzubauen. Der Autozulieferer und der koreanische Samsung-Konzern lösten vor gut einem Jahr ihr Batterie-Joint Venture SB Limotive auf. Die Stuttgarter wollen den Produktionsstandort ganz bewusst von Asien nach Europa verlegen. Bosch-Chef Volkmar Denner verspricht die Kosten für Lithium-Ionen-Batterien um den Faktor drei zu senken (siehe Titelgeschichte Juni-Heft BIZZ energy today). Das Unternehmen gilt daher als ein potenzieller Interessent für Li-Tec.

Daimler und Bosch kooperieren bereits bei dem koreanischen Mischkonzern SK Batterien, zusammen mit dem DAX-Konzern Conti.

nhp
Keywords:
Daimler | BMW | Evonik | Li-tec | Batterien | E-Mobilität
Ressorts:
Markets

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