Erneuerbare Energien
24.04.2018

Deutsche Energiebranche verliert auf Wachstumsmarkt Afrika den Anschluss

Foto: Pixnio
Arbeiter in Ruanda installieren eine Solaranlage.

Deutsche Energieunternehmen laufen Gefahr, auf dem afrikanischen Markt für erneuerbare Energien abgehängt zu werden. Afrika-Experten aus der Wirtschaft fordern einen Fonds zur Risikoabsicherung für Mittelständler.

Der wachsende afrikanische Energiesektor bietet nach Ansicht des Afrika-Vereins der deutschen Wirtschaft erhebliche Chancen für deutsche Unternehmen. Doch diese – insbesondere Energie-Mittelständler ­– seien auf dem Kontinent auffällig schwach vertreten. „Deutschland muss zusehen, dass es aufholt“, sagte der Vorsitzende des Außenwirtschaftsverbands, Stefan Liebing, auf dem Deutsch-Afrikanischen Energie-Forum in Hamburg. „Projektentwickler aus vielen Ländern stehen in manchen Ländern Schlange.“ Bei ausreichender Risikoabsicherung seien Erneuerbaren-Investitionen in Afrika hochattraktiv.

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Der deutsche Energie-Mittelstand sei „spät dran, aber noch nicht zu spät.“ Liebing verwies auf das Beispiel Äthiopien. Dort seien 2000 Megawatt Windenergie ausgeschrieben. Weitere interessante Märkte für Windenergie entstünden in Mosambik und in Westafrika. Chancen sieht der Afrika-Verein-Vorsitzende beispielsweise für deutsche Windindustrieunternehmen, die in Europa an Ausbaugrenzen stoßen. Darüber hinaus biete die Photovoltaik in Afrika großes Potenzial. „Es geht darum, die Energiewende in Länder zu exportieren, wo noch nichts ist“, sagte Liebing.

Fonds soll Investitionen absichern

Hauptursache für den Rückstand deutscher Energie-Mittelständler auf dem Kontinent ist nach Einschätzung des Afrika-Vereins eine mangelnde Risikoabsicherung. Die Organisation fordert deshalb einen Fonds in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro, mit dem unter anderem Energie-Investitionen mittelständischer Unternehmen in Afrika unterstützt werden sollen. Der Fonds solle der Wirtschaft mit Krediten, Zuschüssen und Garantien assistieren.

Darüber hinaus machte sich Liebing für die Ausweitung der Risikoabsicherung durch Hermes-Bürgschaften des Bundes auf mehr afrikanische Länder stark. Für eine Reihe afrikanischer Länder, denen der Bund Schulden erlassen hat, können Unternehmen keine Hermes-Bürgschaften für ihre Investitionen beantragen. Die deutschen Investitionen auf dem afrikanischen Kontinent stagnieren nach Angaben des Vereins bei rund zehn Milliarden Euro pro Jahr.

Außenwirtschaftsverband kritisiert Bundesregierung

Adressat der Forderungen des Afrika-Vereins mit seinen rund 500 Mitgliedsunternehmen ist der Bund. Die vorige Bundesregierung hatte 2017 als „Afrika-Jahr“ ausgerufen, ließ aber nach Ansicht der Organisation keine Taten folgen. Bisher bleibe 2017 eher als „Afrika-Ankündigungsjahr“ in Erinnerung, kritisierte Liebing. „Seit einem Jahr warten wir darauf, dass die richtige Richtung, die die Bundesregierung eingeschlagen hat, in etwas mündet.“

Die Bundesregierung hatte die Entwicklung Afrikas offiziell zu einem Kernthema ihrer G-20-Präsidentschaft gemacht und eine Reihe von Initiativen gestartet. Das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung hatte Eckpunkte für einen „Marshall-Plan“ für Afrika vorgelegt.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Solarenergie | Auslandsmärkte
Ressorts:
Governance

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