Klimaschutz
02.09.2016

Deutsche Industrie will CO2-Preise für G20

Foto: Pixabay
Kohlendioxid hat in verschiedenen Ländern stark unterschiedliche Preise.

Die Motive sind verschieden, der Appell der gleiche: Klimaschutz muss endlich einen Preis bekommen, fordern Umwelt- und Wirtschaftslobby vor dem Treffen der größten Industrie- und Schwellenländer am Wochenende.

 

Anzeige

Diese Koalition ist nur auf den ersten Blick ungewöhnlich: Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI), die Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch und das Mercator-Klimaforschungsinstitut MCC sprechen sich zum bevorstehenden G20-Treffen für die Bepreisung von Treibhausgasen durch die 20 größten Volkswirtschaften der Welt aus.

„Deutschland und die anderen großen Volkswirtschaften würden mit wirksamen und allmählich steigenden Preisen an Verbraucher und Investoren ein klares Signal senden, dass sie die Pariser Klimaschutzziele wirkungsvoll umsetzen wollen“, sagte Christoph Bals, Geschäftsführer von Germanwatch.

Anzeige

 

Gleiche Wettbewerbsbedingungen im Fokus

Die G20-Staaten seien für etwa 75 Prozent der globalen Treibhausgasemissionen verantwortlich, damit spielten sie für die Umsetzung der ambitionierten Paris-Ziele die entscheidende Rolle, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Die Staats- und Regierungschefs kommen am Sonntag und Montag in der chinesischen Stadt Hangzhou bei Shanghai zusammen. Dem Club der 20 größten Industrie- und Schwellenländer gehören beispielsweise die drei nordamerikanischen Staaten, Brasilien, Argentinien, Saudi-Arabien sowie die EU an.

Dem Bundesverband der exportstarken, deutschen Industrie geht es vor allem um gleiche Wettbewerbsbedingungen. Er appelliert an die Bundesregierung, sich in ihrer im Dezember beginnenden G20-Präsidentschaft für möglichst gleiche CO2-Preise in den größten Volkswirtschaften einzusetzen: „Wir hoffen, dass es der Bundesregierung gelingt, die Einführung – und auf mittlere bis längere Frist die schrittweise Anhebung – von abgestimmten CO2-Preisen in der G20 auf die Agenda zu setzen. Mit einem international abgestimmten  Preissignal können Wettbewerbsverzerrungen zwischen den größten Wettbewerbern verhindert werden“, sagte Holger Lösch, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung.

 

Hiesige Unternehmen kommen noch gut weg

In der EU müssen Industrie und Energieversorger seit 2008 Rechte zum Ausstoß von Treibhausgasen erwerben. In zahlreichen G20-Staaten gibt es dagegen nach einer Übersicht der Weltbank keinen CO2-Preis, etwa in Russland, Indien und Indonesien. In den USA gibt es nur in Kalifornien und einigen anderen Bundesstaaten CO2-Preissysteme.

In Staaten mit entsprechenden politischen Maßnahmen unterscheiden sich die Kosten für Treibhausgase stark, wobei gerade deutsche Unternehmen im internationalen Vergleich eher billig wegkommen. Im vergangenen Jahr lag der durchschnittliche Preis für eine Tonne CO2 bei 6 US-Dollar – genau so hoch wie in den chinesischen Pilotregionen Peking und Shenzhen. Niedriger war er in den G20-Staaten nur in einigen anderen chinesischen Regionen sowie in Japan und Mexiko.

In Südkorea dagegen lag der CO2-Preis bei 16 US-Dollar. In mehreren europäischen Staaten sind die Kosten für die Verschmutzung der Atmosphäre sogar noch weit höher. In Skandinavien lagen sie im vergangenen Jahr zwischen 53 und 137 Euro pro Tonne, in der Schweiz bei 88 Euro.

Manuel Berkel
Keywords:
G20 | BDI | Klimaschutz | CO2-Preis | Carbon Pricing
Ressorts:

Neuen Kommentar schreiben

 

Newsletter bestellen – Wunschausgabe erhalten

Jetzt den wöchentlichen
Newsletter bizz energy weekly abonnieren
und eine Ausgabe
Ihrer Wahl kostenlos erhalten.

Hier geht es zur Aktion!

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen