Die deutsche Industrie ist dabei, einen ihrer wichtigsten Wettbewerbsvorteile zu verlieren. Das geht aus einem internationalen Vergleich der amerikanischen Industrievereinigung für Energieeffizienz ACEEE hervor. Bei der Energieeffizienz lag die Bundesrepublik in dem Ranking noch vor zwei Jahren mit weitem Abstand vor 22 anderen Nationen auf Rang eins. Nach der jüngst veröffentlichten ACEEE Scorecard 2016 aber rangiert Japan inzwischen nahezu gleichauf – dicht gefolgt von Großbritannien, Italien und Südkorea.

Tokyo hat Industriebetriebe zu strengen Einsparzielen verpflichtet und unterstützt Investitionen in Energieeffizienz durch umfangreiche Steuervorteile.

 

Energie-Audits nur halb so wirkungsvoll wie erhofft

Die Bundesregierung ruht sich dagegen immer noch auf der jahrelangen Spitzenstellung der deutschen Industrie aus. Diese Woche wurde bekannt, dass die Ausnahmen für energieintensive Unternehmen bei der EEG-Umlage in diesem Jahr weiter ansteigen. Haushaltskunden und nicht-begünstigte Unternehmen werden so mit 3,4 Milliarden Euro belastet. In ihrem Koalitionsvertrag hatten Union und SPD noch vereinbart, der Industrie Vergünstigungen nur noch gegen eingesparte Kilowattstunden zu gewähren.

Stattdessen müssen begünstigte Betriebe nur nachweisen, dass sie Einsparpotenziale von unabhängigen Gutachtern prüfen lassen. Diese sogenannten Energie-Audits bringen nach einer aktuellen Fraunhofer-Studie allerdings wenig. Die Berater würden nur wenige Sparmaßnahmen finden, von denen auch nur jede dritte umgesetzt werde. Insgesamt werde durch die Audits voraussichtlich nicht einmal halb so viel Energie eingespart, wie sich das Bundesumweltministerium in seinem Nationalen Aktionsplan Energieeffizienz (NAPE) erhofft hatte, schreibt das Fraunhofer-Institut für Produktionstechnik und Automatisierung (IPA).­­

 

Beim Verkehr international nur auf Rang 10

Im Verkehr kommt Deutschland in Sachen Energieeffizienz und damit Umweltfreundlichkeit sogar nur auf Rang zehn von 23 untersuchten Staaten. Gegenüber der letzten ACEEE-Untersuchung vor zwei Jahren ist die Heimat des Automobils sogar einen Platz abgerutscht.

Die Spitzenposition teilen sich demnach Indien, Italien und Japan. Die Hersteller Fiat und Toyota setzen im Gegensatz zur deutschen Konkurrenz weniger auf die Oberklasse, sondern auf sparsamere Kompakt- und Kleinwagen. Das zeigt sich im Verbrauch. In Japan zugelassene Autos verfahren der Studie zufolge nur 5,2 Liter Sprit auf 100 Kilometer, italienische immerhin noch 6,1. Der deutsche Flottenverbrauch liegt dagegen bei stolzen 7,2  Litern auf 100 Kilometern – zumindest nach den offiziellen Prüfverfahren.

 

Kaum Investitionen in den Schienenverkehr

„Deutschlands Selbstverständnis als führende Automobilnation hat dazu geführt, dass die Regierung wenig Interesse an Investitionen in den Schienenverkehr oder andere Formen des öffentlichen Verkehrs hat“, merken die Studienautoren kritisch an. Ganz anders die Situation in Italien: Die Regierung in Rom investiere für jeden Euro in das Straßennetz 1,36 Euro in den Schienenverkehr. In Deutschland ist es genau umgekehrt, auf jeden Euro für die Straße kommen laut dem Internetportal Statista 80 Cent für die Schiene.

Japan punktet mit gesetzlichen Effizienzstandards für Lastwagen. Das Land war 2005 weltweit das erste, das solche Vorgaben einführte, in der EU existieren sie bislang nicht.

Der japanische Autohersteller Toyota ist sowohl in der Produktion als auch auf der Straße ein Vorbild in Sachen Energieeffizienz. (Foto: Wikipedia / Bertel Schmitt / CC BY-SA 3.0)