Offshore-Windenergie
19.07.2012

Deutschland verschläft europäischen Wind-Boom

BWE

Bei der Offshore-Windenergie bildet Deutschland in der ersten Jahreshälfte eher ein Schlusslicht. Das belegen die jüngsten Zahlen des Europäischen Windkraftverbandes. Der Bundesverband Windenergie will die Zahlen nicht bestätigen und besteht auf einer eigenen Erhebung.

Insgesamt 132 neue Offshore-Windkraftanlagen mit einer Leistung von über 523 Megawatt gingen in der ersten Jahreshälfte europaweit ans Netz. Damit ist die installierte Leistung im Vergleich zum Vorjahreszeitraum (348 Megawatt) um rund 50 Prozent gestiegen, so die Bilanz des Europäischen Windkraftverbandes (EWEA).

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Vor allem in britischen Gewässern wurde fleißig neue Windenergie produziert: Hier wurden Anlagen mit einer Leistung von 422 Megawatt angeschlossen, nach 245 Megawatt im Vorjahreszeitraum.

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Deutschland allerdings hat zu dem aktuellen Wind-Boom weniger beigetragen. Kam die Bundesrepublik im ersten Halbjahr 2011 noch auf 103 Megawatt installierter Leistung, waren es in diesem Jahr bislang nur 20 Megawatt.

Der BWE will die EWEA-Zahlen allerdings nicht bestätigen: „Wir veröffentlichen unsere eigene Erhebung im August“, so Alexander Sewohl, BWE-Sprecher.
Trotzdem räumt der Verband ein, dass es in Deutschland in Sachen Offshore-Windkraft bereits seit einiger Zeit zu Verzögerungen kommt.
Das habe unterschiedliche Ursachen: So komme der wichtigste Netzbetreiber Tennet mit seinen Stromnetzen nicht hinterher. Auch befänden sich die deutschen Offshore-Anlagen wegen des Wattenmeers, das unter Naturschutz steht, in tiefen Gewässern. Und umso tiefer das Wasser, umso teurer der Bau. England dagegen habe sogenannte Near-Offshore-Anlagen. „Weitere Schwierigkeiten bereiten ungeklärte Haftungsfragen sowie fehlende finanzielle Mittel“, zählt Sewohl auf.
Abzuwarten bleibe außerdem, wie viele deutsche Anlagen noch bis zum Jahresende hinzukommen. Windkraftwerke mit einer Leistung von bis zu 2.000 Megawatt seien im Bau.

Nachholbedarf auch in Süd-Europa

Doch auch in südeuropäischen Ländern mit Küsten am Mittelmeer und am Atlantik herrscht laut EWEA ein Mangel an Offshore-Anlagen. Fehlende Investitionen und die Meerestiefe seien dafür verantwortlich.

„Offshore-Windkraft lockt zunehmend Anleger an, darunter Rentenfonds und andere institutionelle Investoren“, sagt Christian Kjaer, Geschäftsführer beim EWEA. „Aber wir brauchen besonderes in Süd-Europa mehr Engagement.“ Hier herrsche ein enormer Bedarf an Arbeitsplätzen, Investitionen und Wachstum.

Trotzdem könnte sich 2012 als bisher bestes Jahr für Windenergie in Europa erweisen, vorausgesetzt, dass schlechtes Wetter die Bauarbeiten auf hoher See nicht behindert.
Dem EWEA zufolge warten bereits weitere 160 Windturbinen mit einer Leistung von knapp 650 Megawatt darauf, ans Netz zu gehen. Bisher lag der Rekord bei 900 Megawatt angeschlossener Leistung in 2010.

Tina Gilic
Keywords:
Energie | Offshore Wind | Windenergie
Ressorts:
Markets

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