Stromerzeugung
23.11.2018

Deutschland beschleunigt Kohleausstieg in Chile

Foto: Creative Commons/Thlozf
Das chilenische Kohlekraftwerk Bocamina II: Das sonnen- und windreiche Chile will die Kohleverstromung auslaufen lassen.

Chiles Kohlekommission bereitet mit deutscher Hilfe die Stilllegung der Kohlekraftwerke des Landes vor. Ihr Fahrplan könnte früher vorliegen als der für den deutschen Ausstieg.

Die deutsche Kohlekommission, die eigentlich am 28. November das Konzept für den Kohleausstieg präsentieren wollte, wird ihren Termin nicht halten. Falls die Mitglieder ihren Streit nicht bald beilegen, könnten ihre Kollegen in Chile sie überholen: Chile hat wie Deutschland eine Kohleausstiegskommission gebildet. Diese soll Anfang 2019 ihren Plan für die Stilllegung der 27 noch laufenden Kohlekraftwerke vorlegen.

Anzeige

Unterstützung erhält Chile von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Ihr Programmleiter für erneuerbare Energien in Chile, Rainer Schröer, ist Mitglied der Kommission. Schröer bezeichnet die Diskussionen in dem Gremium, als „sehr konstruktiv“. Wie die deutsche Kommission beschäftigt sich auch das chilenische Gremium mit den sozialen Auswirkungen des Kohleausstiegs.

Anzeige

Die Kommission setzt sich unter anderem zusammen aus den vier Kraftwerksbetreibern des Landes (Enel, Engie, AES, Colbun), dem nationalen Stromnetzbetreiber CEN, aus Gewerkschaften, Bürgermeistern der von den Stilllegungen betroffenen Gemeinden und aus Nichtregierungsorganisationen. Anfang 2018 verpflichteten sich die Stromerzeuger, das Auslaufen der Kohleverstromung vorzubereiten und keine neuen Kohlekraftwerke mehr zu bauen.

40 Prozent Kohleanteil

Ähnlich wie in Deutschland kommt der Strom in Chile noch zu rund 40 Prozent aus Kohlekraftwerken, und wie Deutschland hat das Land die erneuerbaren Energien zuletzt stark ausgebaut. Beim Kohleausstieg hat es allerdings einen Vorteil: Der fossile Energieträger wird zum größten Teil importiert, nur 14 Prozent werden im Land gefördert. Von einem Ende der Kohleverstromung sind in Chile somit weniger Bergbau-Arbeitsplätze bedroht als in Deutschland, wo vor allem heimische Braunkohle verfeuert wird.

Neben der GIZ, die Chile im Auftrag des Bundesumweltministeriums berät, wurde in Sachen Kohleausstieg dort auch der Direktor des Berliner Thinktanks Agora Energiewende, Patrick Graichen, tätig. Er schilderte den Mitgliedern der Kommission und der chilenischen Energieministerin im Sommer den Stand der deutschen Ausstiegsdebatte.

Potenzial für Power-to-Gas

Chile hat besonders in den vergangenen vier Jahren die erneuerbaren Energien und seine Netzkapazitäten stark ausgebaut – das umfasst Solar- und Windenergie, Geothermie und Übertragungsnetzleitungen. Windkraftanlagenhersteller wie Senvion in Hamburg haben Chile zu einem ihrer wichtigsten Wachstumsmärkte erklärt. Großes Potenzial für das wind- und sonnenreiche Land sehen Experten auch in der Erzeugung „grünen“ Wasserstoffs mit dem Power-to-Gas-Verfahren.

Lesen Sie auch:

USA legen immer mehr Kohlekraftwerke still

Stromanteil: Erneuerbare ziehen mit Kohle gleich

 

Christian Schaudwet
Keywords:
Kohleausstieg | Chile | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance

Neuen Kommentar schreiben

 

bizz energy
Winter 2018/2019

Die aktuelle Ausgabe gibt es ab sofort bei unserem Abonnentenservice unter bizzenergy@pressup.de

Das E-Paper ist erhältlich bei iKiosk oder Readly.

 
 

bizz energy Research

Energie, Digitalisierung und Mobilität.
Unsere Factsheets bieten visualisierte Daten, liefern Fakten und stellen Zusammenhänge zu den Top-Themen der Energiewende dar.


Mehr Informationen