Windenergie
01.02.2013

Deutschland droht Anschluss bei Offshore-Wind zu verlieren

EnBW
Erst zwei deutsche Offshore-Windparks speisen bis dato Strom ins Netz ein.

Was in der deutschen Nordsee nicht gelingt, funktioniert in Belgien. Der Energieversorger RWE nahm im Offshorepark Thornton Bank diese Woche 24 Turbinen in Betrieb. In Deutschland befinden sich von 31 genehmigten Windparks auf hoher See gerade einmal sechs im Bau.

Die Pläne der Bundesregierung bei der Offshore-Windkraft sind ambitioniert: Anlagen mit einer Leistung von zehn Gigawatt sollen sich im Jahr 2020 in Nord- und Ostsee drehen, das entspricht der Leistung von zehn mittleren Kraftwerken. Der fast rund um die Uhr verfügbare Offshore-Wind soll Strom für die Grundlast liefern und damit die vom Netz gehenden Atomkraftwerke ersetzen, so die Hoffnung.

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Bisher gibt es Genehmigungen für 31 Windparks. In Betrieb sind aber erst zwei, der Pilotpark Alpha-Ventus in der Nordsee und das EnBW-Projekt Baltic 1 in der Ostsee, wie aus einer aktuellen Anfrage der SPD-Fraktion an die Bundesregierung hervorgeht. Insgesamt 68 Turbinen mit einer Leistung von 280 Megawatt sind am Netz. Geplant war schon für das Jahr 2010 eine Offshore-Kapazität von einem Gigawatt.

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Belgien überholt Deutschland

Im europäischen Vergleich fällt Deutschland damit, was das Offshore-Geschäft betrifft, deutlich zurück. Allein das 1,3 Milliarden Euro teure RWE-Projekt Thornton Bank in Belgien ist mit 148 Megawatt nahezu doppelt so groß wie die gesamte in Deutschland im Jahr 2012 installierte Offshore-Kapazität. Kurios: RWE will auch zwei Windparks in der deutschen Nordsee bauen, befindet sich hier aber immer noch in der Bau- beziehungsweise Vorbereitungsphase.

Wesentlich für die Produktion und den Transport des auf hoher See erzeugten Stroms sei die Errichtung eines Offshore-Umspannwerks sowie die Installation von Exportkabeln zur Küste, teilt RWE mit. Hans Bünting, Manager der RWE-Erneuerbarensparte, betonte, Thornton Bank zeige, dass wenn die Rahmenbedingungen stimmen, und damit Planungssicherheit gegeben ist, Offshore-Windkraft im industriellen Maßstab funktioniert. Ein Fingerzeig nach Deutschland?

Hier stritt die Branche lange um die Frage, wer bei verzögerten Anschlüssen der Parks an das Stromnetz die Haftung übernehmen soll. Ende vergangenen Jahres hat die Bundesregierung hierfür eine Lösung gefunden.

Der Netzbetreiber Tennet, der maßgeblich für die Offshore-Anschlüsse verantwortlich ist, hatte lange Zeit Probleme, genug Kapital für die Verkabelung aufzutreiben. Mitte Januar konnte das Unternehmen nun einen Deal mit dem japanischen Industriekonzern Mitsubishi abschließen. Dieser beteiligt sich mit einer halben Milliarden Euro an den Netzen.

Anschlüsse weiter hinter Zeitplan

Insgesamt sollen bis 2015 acht weitere Offshore-Windparks in Deutschland ans Netz gehen, bei fünf davon sind laut Bundesregieung Verzögerungen bei der Verkabelung zu befürchten; im Zeitplan sind nur drei.

Ob die Haftungsregeln und der Mitsubishi-Tennet-Deal einen Schub bei den deutschen Offshore-Projekten auslösen, ist fraglich. Außer den in Bau befindlichen 1.700 Megawatt ist bisher nichts beauftragt. Investoren sind wegen der langen Verzögerungen verunsichert. Die Vorschläge von Bundesumweltminister Peter Altmaier (CUD), erneuerbaren Energienanlagen künftigt die Vergütung nicht mehr von der Fertigstellung an zu garantieren, dürfte sich negativ auf die Investitionsneigung auswirken.

Wer Milliarden investiere, wolle schon genau wissen, ab wann er etwas verdient, so die Stimmen aus der Öko-Branche. Es mehren sich die Zweifel, dass die Bundesregierung das Zehn-Gigawatt-Ziel im Jahr 2020 erreicht. Ich habe da arge Bedenken", sagt etwa Thorsten Herdan, Geschäftsführer der Sparte Power Systems im Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau. Die Bundesregierung verfolgt das Ziel zumindest grundsätzlich weiter", wie in der Antwort an die SPD-Bundestagsfraktion zu lesen ist. 

In den europäischen Nachbarländern ist die Stromerzeugung auf hoher See dagegen auf dem Vormarsch. Insgesamt sind Anlagen mit einer Leistung von fünf Gigawatt am Netz. Mehr als 60 Prozent der Anlagen stehen in den Gewässern vor Großbritannien. Deutschland liegt hier hinter Dänemark und Belgien nur auf dem vierten Platz.

 

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Offshore-Wind | Thornton Bank | RWE | Großbritannien | Deutschland | Tennet | Haftungsregeln | Peter Altmaier | Thorsten Herdan | EEG
Ressorts:
Markets

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