Interview
28.07.2016

"Deutschland noch immer bei vielen Technologien vorn"

Foto: Jörg Dietrichs (rechts) mit chinesischen Kollegen.
Foto: QSC AG

Jörg Diederichs, Technischer Leiter Neugeschäft bei Huawei Deutschland, über Smart Grids, Datenschutz in China und neue Kooperationen.

 

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bizz energy: Übernimmt die Telekommunikationsbranche jetzt die Energiewirtschaft, Herr Diederichs?

Jörg Diederichs: Nein. Wir bleiben wie der Schuster bei unseren Leisten: Wir sind die Experten für den Transport von Bits und Bytes. Als solche sorgen wir dafür, dass Daten ihren Weg dorthin finden, wo sie gebraucht werden. Diese müssen schnell, breitbandig und robust sein. Die Energie- und die Automobilbranche stellen uns hier aktuell vor neue Herausforderungen. Mit dem Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende kommt die Einbaupflicht für Smart Meter, folglich muss das Smart Grid gemanagt werden. Dafür brauchen Sie leistungsfähige Sensoren, also Elemente, die Signale senden. Wir entwickeln und bauen die für den Datentransport erforderlichen Netze und Funkmodems. 

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Wenn dann endlich die Datenautobahnen stehen – geht es dann ganz schnell mit der Digitalisierung der Energiewirtschaft?

Nein. Das ist ein ewiger Prozess, der ist nie zu Ende. Die Telekommunikation hat gezeigt, dass  selbst heute – nach 18 Jahren Liberalisierung – noch nicht alle Bereiche 100 Prozent digitalisiert sind. Es wir immer wieder neue Bereiche geben, die sich neu entwickeln oder sogar neu entstehen und die dann digitalisiert werden müssen.

Was sind aus Ihrer Sicht derzeit die größten Hindernisse bei der Digitalisierung?

Bislang fehlte schlichtweg der Zugang zu den Daten. Viele Bereiche konnten aufgrund der fehlenden Technik nicht angesteuert werden, weil die Signale beispielsweise nicht in den Boden eindringen. Viele Anlagen sind aber nun mal im Keller installiert. Dieses Problem ist jetzt behoben. Die neuen, auch von Huawei entwickelten, Funkstandards machen es möglich. Das eröffnet zudem ganz neue Anwendungsmöglichkeiten. Wir entwickeln uns entsprechend der Nachfrage weiter und springen dort ein, wo die Energiebranche Unterstützung benötigt.

Aber da wird der Gesetzgeber vermutlich etwas gegen haben, oder? Stichwort: Datenschutz.

Davon gehe ich nicht aus. Das Gesetz zur Digitalisierung der Energiewende wird diesem Punkt aus Sicht des Endkundens Sorge tragen. Vielfach handelt es sich ohnehin um nicht personenbezogene Daten. Die Information, ob ein Parkplatz besetzt oder unbesetzt ist, ist unproblematisch.

Wie wird der Datenschutz in China geregelt?

In der Regel wird der Umgang mit Daten in einzelnen Staaten gesetzlich geregelt. Natürlich unterscheiden sich die Gesetze von Land zu Land, was auch kulturelle und historische Ursachen hat. Für ein global agierendes Unternehmen wie Huawei, das in über 170 Ländern aktiv ist, heißt dies natürlich, sich immer auf die jeweiligen nationalen Regelungen einzustellen und diesen Rechnung zu tragen.

Was können wir bei der Energie- und Digitalwende von China lernen, wo Huawei seinen Hauptsitz hat?

Schnelligkeit: Wenn man sich in China für die Umsetzung eines Projektes entscheidet, wird dies innerhalb kürzester Zeit realisiert. Natürlich liegt das auch daran, dass dort die nötigen Ressourcen vorhanden sind. Dem bevölkerungsreichen Land stehen viel mehr Arbeitskräfte zur Verfügung. Außerdem sind die Projekte skalierbar, weil wir ganz andere Dimensionen vorfinden – die Planungen in Städten umfassen leicht 10 bis 15 Millionen Einwohner.

Haben die Chinesen die Deutschen technisch schon überholt?

Ja und Nein. Wir haben eine ganz starke Kooperation zwischen China und Deutschland, gerade im Bereich Standardisierung und Industrie 4.0. Die Regierungen beider Länder haben dazu eine Zusammenarbeit vereinbart. Ob die Technologieführerschaft mal aus China, Nordamerika oder Europa kommt, wird die Zukunft zeigen. Fest steht: Aktuell ist Deutschland noch immer bei vielen Technologien Marktführer und offen für Kooperationen und Partnerschaften. Die großen Aufgaben von morgen werden vermehrt in einem Partner-Ecosystem gestemmt werden.

Zum Schluss: Bislang laufen viele Branchen noch parallel, wie zum Beispiel die Telekommunikation und der Energiesektor. Kann diese Trennung Aufrecht erhalten werden?

Nein. Das beobachten wir schon heute. Künftig verfügen wir über Datennetze, auf denen dann verschiedene Applikationen angeboten werden. Heute beziehe ich beispielsweise noch Strom, Gas und Wasser von meinem Versorger. Morgen bestelle ich dann möglicherweise ein helles, warmes und sicheres Haus. In einem solchen Markt entstehen neue Anknüpfungspunkte für andere Branchen wie zum Beispiel Versicherungen, die auf Grundlage der Daten rund ums Haus neue Dienstleistungen anbieten möchten. Kurzum: Die Digitalisierung lässt viele Branchen aus Datensicht zusammenwachsen. 

 
Interview: Jana Kugoth
Keywords:
Huawei | Interview | Digitalisierung | Smart Grid | Datenschutz | China
Ressorts:
Technology

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