Erneuerbare Energien
02.01.2019

Deutschland will russischen Energiesektor grüner machen

Foto: Creative Commons/Darya Ashanina
Ein Solarkraftwerk in der südrussischen Republik Altai. Das Interesse an erneuerbaren Energien in Russland nimmt zu.

Die Bundesregierung drängt Russland in den Strategiegesprächen der beiden Länder zu Umwelt- und Klimaschutz. In der russischen Energiebranche erwacht das Interesse an Erneuerbaren.

Deutschland setzt sich in der Deutsch-Russischen Strategischen Arbeitsgruppe für Wirtschaft und Finanzen nach Angaben eines hochrangigen Teilnehmers gegenwärtig für Umwelt- und Klimaschutz ein: „Wir arbeiten daran, dass Russland sein Potenzial für dezentrale erneuerbare Energien in den Regionen hebt und die Emissionen aus fossilen Energien senkt“, sagte der Ministerialdirigent im Bundeswirtschaftsministerium, Ulrich Benterbusch, kürzlich am Rande einer Veranstaltung in Berlin.

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Dort stellten die Umweltorganisation WWF und der in Russland tätige Energieinvestor Creon Capital das jüngste Umwelt- und Transparenzranking russischer Öl- und Gasproduzenten vor. Platz eins belegt darin das Konsortium Sakhalin Energy, gefolgt von Zarubezhneft und Exxon Neftegaz. „Russland und Ökologie sind kein Widerspruch mehr“, sagte Creon-Marketingchef Florian Willershausen. Deutschland und Russland hätten auf diesem Gebiet gemeinsame Interessen. „Begreift man Ökologie als Schnittmenge zwischen Ost und West, finden sich nicht nur Geschäftschancen für beide Seiten, sondern auch Raum für einen konstruktiven Dialog“. Letzterer sei angesichts der Krim-Annexion und des Ukraine-Konflikts nicht mehr in vielen Politikfeldern zu finden.

Russlands Ölproduktion stieg im vergangenen Jahr zwar auf die Rekordmenge von durchschnittlich 11,16 Millionen Barrel pro Tag. Dennoch registriert Benterbusch bei russischen Unternehmen wachsendes Interesse an erneuerbaren Energien. Als Belege führte der Leiter der Unterabteilung für Effizienz und Wärme in Industrie und Haushalten entsprechende Investitionen von Rosatom, Lukoil und dem Solarunternehmen Hevel an. Das Umweltrating der Öl- und Gasproduzenten sei ein wichtiger Ansatz, um diese Anfänge zu unterstützen, so Benterbusch.

Sicherheitspolitisches Interesse

Auch der vorsitzende Geschäftsführer des Ost-Ausschuss-Osteuropavereins der Deutschen Wirtschaft, Michael Harms, bezeichnete Transparenz als einen „entscheidenden Faktor, um in Russland die Umweltverträglichkeit der Öl- und Gasförderung und den Anteil der erneuerbaren Energien zu erhöhen“. Die deutsch-russische Energiezusammenarbeit solle hierzu beitragen, so Harms. Die Erneuerbaren in Russland seien „stark ausbaufähig“. Bisher trägt Energie aus Wind, Sonne und Biomasse erst ein Prozent zur Versorgung Russlands bei. Wasserkraft wird in russischen Statistiken nicht als erneuerbare Energie geführt.

Aus Sicht des Bundeswirtschaftsministeriums ist ein russischer Aufbau von Erneuerbaren-Kapazitäten auch sicherheitspolitisch sinnvoll. Benterbusch argumentierte im Gespräch mit bizz energy: „Je weniger abhängig unsere russischen Freunde vom Öl-und Gasexport werden, desto stabiler wird ihre Gesamtwirtschaft.“ Und Stabilität in Russland wiederum liege im deutschen Sicherheitsinteresse, sagte der Ministerialdirigent. Russland ist Deutschlands größter Öl- und Gaslieferant. Deutschland setzt sich in der strategischen Arbeitsgruppe für eine Diversifizierung der russischen Wirtschaft ein.

Unterstützung für Nord Stream 2

Sowohl der Regierungsvertreter Benterbusch als auch der Osteuropa-Verbandsfunktionär Harms bekräftigten ihre Unterstützung des Erdgas-Projekts Nord Stream 2 in der Ostsee. Die Pipeline, die vom russischen Gazprom-Konzern zusätzlich zur bestehenden Pipeline Nord Stream 1 verlegt wird, ist politisch umstritten. Kritiker argumentieren, die Leitungen versetzten Russland in die Lage, das bisherige Transitland Ukraine zu umgehen und wirtschaftlich sowie politisch zu erpressen. Außerdem zementierten sie Deutschlands Energieabhängigkeit von Russland.

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Christian Schaudwet
Keywords:
Russland | Nord Stream | erneuerbare Energien
Ressorts:
Governance

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