Energiewende
15.11.2017

Deutschland enttäuscht im Klimaschutz-Ranking

Foto: iStock
Das Rennen um die Klimaschutzziele von Paris läuft bislang viel zu gemächlich.

Die globale Energiewende nimmt zwar Fahrt auf, ist aber zu langsam. Dies ist das Ergebnis des diesjährigen Klimaschutzindex von Germanwatch. Deutschland schneidet darin mäßig ab – die USA katastrophal.

Die ersten drei Plätze bleiben wie immer frei. Nach Ansicht der Umweltorganisation Germanwatch unternimmt kein Land bislang genug um die Temperatur global deutlich unter zwei Grad zu halten, wie dies die Klimaziele von Paris vorsehen. Germanwatch hat bei der Weltklimakonferenz in Bonn seinen Klimaschutzindex vorgestellt. Schweden, Litauen, Marokko und Norwegen schneiden dabei gut ab. Deutschlands CO2-Bilanz verbessert sich nicht. Die USA sind im freien Fall.

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Die gute Nachricht: Weltweit stoßen die Energiesysteme offenbar weniger CO2 aus. Germanwatch verzeichnet im Rahmen des Rankings eine positive Entwicklung bei Erneuerbaren Energien, Energieeffizienz und in manchen Ländern auch bei den Emissionen. Ausreichen werde dies aber nicht: „Wir sehen eine starke Zustimmung zu den allgemeinen Zielen des Paris-Abkommens auf internationaler Ebene. Die Staaten müssen nun schnell Maßnahmen ergreifen und ihren Versprechungen auch Taten folgen lassen. In einigen Sektoren, zum Beispiel Verkehr und Energie, passiert häufig noch viel zu wenig“, sagt Jan Burck von Germanwatch.

Methodik erfasst Pariser Klimaziele

Gerade in Deutschland gebe es in den vergangenen Jahren insbesondere in den Bereichen Verkehr und Kohleverstromung viel zu wenig Fortschritt. Deshalb landet Deutschland auch nur auf einem enttäuschenden 22. Rang im Mittelfeld, ergänzt der Co-Autor des Klimaschutz-Rankings. Allerdings stand Deutschland mit Rang 29 im Vorjahr noch schlechter da. Im Jahr 2013 war die Bundesrepublik allerdings noch unter den Top Ten. Deutschlands mittel- und langfristigen Ziele – verankert im Klimaschutzplan 2050 – seien vergleichsweise stark, kommentiert Burck. „Die CO2-Emissionen in Deutschland zeigen aber bislang ein anderes Bild und wurden seit 2009 nicht mehr gesenkt. Die noch amtierende Bundesregierung hat es verpasst, ernsthafte Maßnahmen zur Umsetzung der Klimaziele zu ergreifen.“

Der Klimaschutz-Index von Germanwatch und New Climate Institute untersucht knapp 60 Länder mit dem größten Kohlendioxidausstoß und will mehr Transparenz in die internationale Klimaschutzpolitik bringen. Er wird seit 2006 erstellt und betrachtet die vier Bereiche Emissionen, Energieverbrauch, Erneuerbare Energien und Klimapolitik, bewertet von Experten aus dem jeweiligen Land. Neuerdings soll auch die Frage beantwortet werden, inwieweit das jeweilige Land adäquat handelt, um die Pariser Klimaziele erreichen zu können.

Schweden führt im Ranking

Mit relativ guten Entwicklungen im Ausbau erneuerbarer Energien und bei Pro-Kopf-Emissionen führt Schweden auf Platz vier nach den drei leeren Plätzen. Dank vergleichsweise niedriger Emissionen und einer starken Entwicklung Erneuerbarer landet Litauen dahinter auf Rang fünf. Marokko auf Platz sechs profitiert vor allem von guten Politik-Bewertungen seiner nationalen Klima- und Energieexperten und wird gefolgt von Norwegen auf Platz sieben. Mit noch immer vergleichsweise niedrigen Werten bei Emissionen und Primärenergienutzung pro Kopf kommt Indien auf Rang 14. China dagegen landet bei einem relativ hohen Emissionsniveau und wachsendem Energieverbrauch nur auf Platz 41 – Experten erwarten hier aber Verbesserungen.

Wegen ihrer Ankündigung aus dem Pariser Klimaabkommen auszutreten und der Abkehr von einigen zentralen Klimagesetzgebungen der Vorgängerregierung, landen die USA mit Rang 56 unter den am schlechtesten abschneidenden Ländern im Index. Im Vorjahr war es Rang 43. Auch das momentane Emissionsniveau und der Energieverbrauch sind nach Ansicht der Umweltschützer entschieden zu hoch. Die letzten drei Plätze gehen an Korea (Rang 58), den Iran (Rang 59) und Saudi-Arabien (Rang 60), die alle keine Fortschritte bei der Reduktion von Treibhausgasemissionen und ihrem Primärenergieverbrauch verzeichnen konnten.  

CO2-Emissionen steigen wieder

Positive Trends seien dennoch weltweit bei den Erneuerbaren Energien zu beobachten. „Die Daten zeigen ermutigendes Wachstum und deutlich niedrigere Preise bei Wind- und Sonnenenergie“, sagt Niklas Höhne vom New Climate Institute. Allerdings sei der Trend noch viel zu langsam, um innerhalb weniger Jahrzehnte die globale Energieversorgung auf erneuerbare Energien umzustellen.

Hinzu kommt: Erstmals seit drei Jahren verzeichnen Forscher wieder einen Anstieg der globalen CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen und der Industrie. Dies ist der Befund der Studie „Globales Kohlenstoff-Budget“, in der vor allem den Kohleverbrauch in China als Verursacher ausgemacht wird. Um die Paris-Ziele zu erreichen, scheint höchste Eile geboten.

Lesen Sie auch: Mehrheit der Deutschen befürwortet einer Studie zufolge die Energiewende

Carsten Kloth
Keywords:
Klimaschutz | Energiewende
Ressorts:
Governance

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