BIZZ energy today: Herr Baake, setzen Sie eigentlich auch auf speicherfähige Energieträger wie Biomasse und Wasserkraft?

Rainer Baake: Die Biomassenutzung ist von der Fläche her begrenzt. Die Wasserkraft kann hierzulande nicht nennenswert ausgebaut werden. Die Energiewende in Deutschland kann nur auf der Basis von Windkraft und Photovoltaik (PV) gelingen. Die Bundesnetzagentur geht davon aus, dass wir in zehn Jahren 130 Gigawatt installierte Kapazität bei den Erneuerbaren haben, davon 90 Prozent Wind und PV. 

BIZZ e.t.: Welche Konsequenzen hat die Konzentration auf Wind und Sonne?

Baake: Wind- und Solarkraftwerke haben andere Eigenschaften als konventionelle Kraftwerke. Erstens: Die Stromproduktion richtet sich ausschließlich nach dem Wetter und nicht nach dem Preis an der Strombörse. Zweitens:  Alle Kosten fallen bei der Investition an. Da kein Brennstoff gebraucht wird, gibt es fast keine Betriebskosten. Drittens: Die Stromproduktion wird schnell und stark fluktuieren. Stromproduktion und Nachfrage können daher zeitlich auseinanderfallen. Kurzum: Die Energiewende ist eine Synchronisationsaufgabe.

BIZZ e.t.: Wie ist diese Aufgabe zu lösen?

Baake: Synchronisation setzt Flexibilität voraus. Dazu brauchen wir neben Lastmanagement und flexibleren konventionellen Kraftwerken vor allem den Ausbau der Stromnetze. Nicht nur zum Transport vom Norden in den Süden, sondern auch, um möglichst große Flächen zu verbinden. Dann gleichen sich schwankende Einspeisungen teilweise selber aus. Je größer das mit Leitungen verbundene Gebiet, desto stabiler die Einspeisung. Daher sollten wir uns auch stärker mit unseren Nachbarländern vernetzen.

BIZZ e.t.: Sind die dazu bereit?

Baake: Deutschland, Österreich und Luxemburg sind hervorragend mit Leitungen verbunden. Mit allen anderen Nachbarn gibt es noch Einschränkungen, weil die Interkonnektoren nicht genügend ausgebaut sind. Bessere Interkonnektoren würden nicht nur das Gesamtsystem stabilisieren, sondern auch den Wettbewerb stärken. Die Großhandelsstrompreise auf beiden Seiten der Grenze würden sich angleichen.

 
Rainer Baake, Direktor Agora Energiewende (Foto: Denny Rosenthal)