Die Krise in der Photovoltaik-Industrie ist beim Gang über die Solarmesse EU PVSEC in Frankfurt greifbar. Der Andrang an den Ständen hält sich in Grenzen, in den Ausstellungshallen finden sich auffallend viele freie Flächen. Hier und da stehen leere Stühle und Tische rum. Die Veranstalter versuchen so die zurückgehenden Ausstellerzahlen zumindest optisch etwas zu kaschieren. Im Vergleich zum Vorjahr stellen fast ein Drittel weniger Firmen in Frankfurt aus.

Bei den Ausstellern herrscht Ernüchterung. Einige hatten gehofft, dass die Branchenkrise schneller vorbei sein wird. „Letztes Jahr haben alle gesagt, 2012 wird es besser. Dieses Jahr reden alle von 2014“, sagt der Vertreter eines auf Lasertechnik spezialisierten Unternehmens.
Die Branche leidet unter gewaltigen Überkapazitäten. Kaum ein Unternehmen arbeitet derzeit unter Vollast. Die wichtigen europäischen Märkte sind wie in Spanien zusammengebrochen, oder sie schrumpfen wie in Deutschland. Zulieferer wie Wechselrichter-Produzent SMA aus Niestetal bei Kassel spüren die sinkende Nachfrage und schrauben ihre Umsatzprognosen für 2012 zurück.

Krise erreicht China

Es ist, als hätte die Branche kollektiv die Handbremse angezogen. Pläne für neue Produktionsanlagen sind in den Schubladen verschwunden. Das spüren vor allem die Anlagenbauer, darunter viele deutsche Unternehmen wie Centrotherm. Lange Zeit haben sie als Lieferanten vom Aufbau der chinesischen Solarindustrie profitiert. Doch inzwischen melden auch chinesische Branchenriesen wie Suntech oder LDK massive Verluste und legen Fabriken still.

Die Krise frißt ihre eigenen Kinder – mittlerweile leiden auch chinesische Unternehmen unter den fallenden Preisen für Solarmodule. Dabei ist der Preisverfall die Folge des PV-Booms in China.

Die Konkurrenz im Reich der Mitte ist hart und politisch gewollt: In den vergangenen zehn Jahren sind in China 1.600 Solarunternehmen entstanden. Dass alle diese Unternehmen ist mehr als unwahrscheinlich. Eine nachhaltig wirtschaftliche Fertigung sei aufgrund des Preisverfalls insbesondere für chinesische Module nicht mehr möglich, begründete Aleo Solar diese Woche die Schließung seines Modul-Werkes in Gaomi.

Diskussion um Strafzölle

Die europäischen Hersteller, allen voran Solarworld, wehren sich gegen den aus ihrer Sicht ruinösen Wettbewerb mit einer Klage bei der EU-Kommission. Die ermittelt seit einigen Wochen wegen des Verdachts des Preisdumpings gegen chinesische Hersteller. Die Diskussion um das Verfahren ist eines der bestimmenden Themen auf der EU PVSEC.

Die Gegner des Verfahrens fürchten einen Handelskrieg. 145 Hersteller und Zulieferer, darunter Canadian Solar, haben sich zur Allianz für bezahlbare Solarenergie zusammengeschlossen. In Frankfurt werben sie mit einem eigenen Stand für ihre Sache. Mögliche Strafzölle würde die Solarenergie insgesamt verteuern und Arbeitsplätze gefährden, so ihr Argument. Die Gegenseite, vereinigt in der Initiative EU Pro Sun, zeigt sich unbeeindruckt. Erst am Dienstag legten sie mit einer weiteren Klage bei der EU-Kommission nach. Chinesische Modulhersteller erhielten zinslose Kredite von den Banken, so der Vorwurf. Nur so könnten sie die aktuelle Krise überstehen.

Neuer Markt in Japan

Für ein wenig positive Stimmung abseits der Diskussionen um unlauteren Wettbwerb sorgt der angekündigte Atomausstieg Japans. Die Branche hofft auf einen regen Bedarf an Solarenergie im Kaiserreich. Ein Einspeisetarif wurde dort Anfang des Jahres verabschiedet. Die Zahl der Aussteller auf der EU PVSEC könnte also im kommenden Jahr durchaus wieder steigen.

(Bild: EU PV SEC)