HGÜ
10.04.2013

Die Megaleitung

Amprion
HGÜ-Testleitung in Datteln, Nordrhein-Westfalen

Wie die großen Konzerne die Gleichstromtechnik vorantreiben und so eine effizientere Stromversorgung schaffen.

Mehr als eine Milliarde Euro kostet die neue Leitung, die Windstrom vom Nordseewindpark Dolwin 3 an Land bringen soll. Sie verläuft 83 Kilometer durchs Meer und 79 Kilometer über Land zur Umrichterstation Dörpen/West in Niedersachsen. Der französische Industriekonzern Alstom wird bis 2017 die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ) mit Partnern wie dem Kabelspezialisten Prysmian verlegen. Die vorherigen sieben Offshore-Aufträge vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet gingen an die Konkurrenten Siemens und ABB. 

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Der große Vorteil der HGÜ liegt in einer verlustarmen Energieübertragung über weite Strecken – nur drei Prozent des Stroms gehen über einen Transportweg von 1.000 Kilometer verloren. Die weltweit installierte HGÜ-Kapazität liegt bei rund 100 Gigawatt (GW); sie soll in den nächsten acht Jahren um weitere 250 GW wachsen. 

Insgesamt sollen nach Plänen der Bundesregierung bis 2022 elf Gigawatt an Offshore-Wind installiert werden. Drei weitere HGÜ-Trassen von Nord- nach Süddeutschland mit einer Kapazität von zwei Gigawatt sind nach dem aktuellen Netzausbauplan vorgesehen. „Die HGÜ-Leitungen an Land sind zu schwach dimensioniert“, kritisiert Josef Lutz, Professor an der Technischen Universität Chemnitz. Man solle keine halben Sachen beim HGÜ-Einsatz machen, mahnt Lutz. Eine höhere HGÜ-Kapazität entlaste auch das Wechselstromnetz bis auf die unteren Ebenen. Bis zu achtmal mehr Strom können die Trassen im Vergleich zu einer konventionellen 380-Kilovolt-Trasse befördern. Die Technik habe nun einen Stand erreicht, der höchste Effizienz für das Stromnetz verspreche.

Und zwar nicht nur im Meer, sondern auch als Freileitung: „Ab einer Entfernung von 300 bis 400 Kilometern beginnt sich der Einsatz der HGÜ-Technologie zu lohnen“, schätzt Klaus Kleinekorte, Chef des Übertragungsnetzbetreibers Amprion. Wichtig sind auch die Kosten für die Umrichterstationen, um den Strom in Gleichstrom und wieder zurück zu wandeln. Je nach Kapazität liegen zwei Stationen bei rund 800 Millionen Euro. 

Zwei Konzerne haben derzeit die Nase vorn: „Siemens und ABB verfügen über jahrelange Erfahrung mit der Technik, daraus resultiert ihre beherrschende Marktposition “, erklärt Lutz. General Electric ist offiziell noch nicht in diesem Bereich aktiv. Der Konzern könnte aber bald in das wichtige Technologiefeld einsteigen. Siemens schätzt das Marktvolumen für HGÜ auf immerhin drei Milliarden Euro jährlich – bis 2016 soll es sich sogar noch verdoppeln. Besonders in China wird das Geld verdient. 

Die beiden Vorreiterunternehmen ABB und Siemens fertigen bereits Umrichterstationen für die HGÜ-Technik mit Joint-Venture-Unternehmen im Reich der Mitte. Bis 2020 sollen in China 35 HGÜ-Verbindungen mit einer Gesamtkapazität von 217 GW stehen, die stärkste Leitung mit 7,2 GW. „In dieser Größenordnung liegt auch ein europäisches Overlay-Netz“, schätzt Lutz. Für den HGÜ-Experten keine Frage: Was in China möglich ist, sollte im hochtechnisierten Europa auch zu schaffen sein.

Der lange Weg in den Markt Ganz neu ist die HGÜ-Technik nicht. ABB installierte bereits 1954 die weltweit erste Gleichstromtrasse zwischen dem schwedischen Festland und der Insel Gotland. Ein 90 Kilometer langes Seekabel mit einer Kapazität von 20 Megawatt. Ab den 1980er Jahren kamen HGÜ-Trassen auch in Südafrika, Nord- und Südamerika zum Einsatz.

Niels Hendrik Petersen
Keywords:
Alstom | HGÜ | Prysmian | Offshore Windenergie | Gleichstrom
Ressorts:
Technology

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