Energiespeicher
09.10.2012

Die Norwegen-Connection

Foto: Alan64 | Portfolio

Der Ausbau der erneuerbaren Energien stellt das Stromnetz vor ein Problem: Solar- und Windkraftanlagen produzieren auch, wenn kaum Strom verbraucht wird. Eine Verbindung nach Skandinavien könnte Abhilfe schaffen.

Ein heftiger Sturm tobt in der kalten Winternacht in Norddeutschland, der Wind treibt die tausenden Windturbinen in Schleswig-Holstein zu Höchstleistungen an. Verbrauchen kann den vielen Strom allerdings niemand, die meisten Leute schlafen. Situationen wie diese könnte es mit dem geplanten Ausbau der erneuerbaren Energien noch viele geben. Ihr Anteil soll bis 2050 auf 80 Prozent steigen.

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Solar- und Windkraftanlagen produzieren Strom nicht unbedingt dann, wenn es auch Bedarf gibt. Bisher werden Windparks bei einem Überangebot abgeschaltet, denn im Stromnetz darf immer nur soviel Strom sein, wie verbraucht wird. Eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens Prognos im Auftrag des Weltenergierates kommt zu dem Ergebnis, dass im Jahr 2050 eine Gesamtspeichermenge von 38 Terawattstunden Strom nicht zeitgleich verbraucht werden können - das entspricht ungefähr fünf Prozent des jährlichen Stromverbrauchs in Deutschland.

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Helfen könnten Pumpspeicher: Mittels Strom wird dabei Wasser in ein höher gelegenes Becken gepumpt. Bei Bedarf wird dieses abgelassen und treibt dabei eine Turbine an. Deutschland verfügt allerdings nur über eine sehr begrenzte Kapazität an Pumpspeicherkraftwerken. Anders sieht die Situation etwa in Skandinavien aus. Allein in Norwegen existieren 370 Wasserkraftwerke, die nahezu den gesamten Strombedarf des Landes decken. Zusammen mit dem Nachbarn Schweden verfügt das Land über 50 Prozent der gesamten europäischen Wasserspeicherkapazitäten.

Leitung durch die Nordsee

Ein Teil dieser Kapazitäten ließe sich nach Analyse der Prognos-Wissenschaftler nutzen, um überschüssigen Strom etwa aus deutschen Windparks und Solaranlagen zu speichern. Die Studie geht dabei von einer indirekten Speicherung aus, das heißt, der Strom aus Deutschland würde in Norwegen oder Schweden direkt verbraucht, die Pumpspeicherkraftwerke vor Ort nicht genutzt. Der Vorteil: Anders als bei anderen Speicheroptionen wie Wasserstoff ginge beim Abtransport nach Skandinavien nur wenig Energie verloren. Die Kosten lägen mit 1.400 Euro pro Kilowattstunde noch unter denen für Batteriespeicher.

Nötig ist allerdings der Bau von Stromleitungen durch die Nordsee – ein milliardenschweres Projekt. Laut Prognos-Analyse ließen sich sieben bis zwölf Gigawatt an Übertragungskapazität wirtschaftlich betreiben. Mit diesen Verbindungen ließe sich rund die Hälfte des zur Jahrhundertmitte in Deutschland anfallenden Überschussstroms abtransportieren. Voraussetzung dafür sind allerdings Strompreisunterschiede zwischem dem deutschen und dem nordischen Strommarkt.

Ein Konsortium unter Führung des norwegischen Netzbetreibers Statnet plant mit Norger und Nordlink bereits Stromleitungen mit einer Kapazität von 2,8 Gigawatt quer durch die Nordsee. Seit 2008 existiert mit Nordnet bereits eine Verbindung von Norwegen nach Holland.

Karsten Wiedemann
Keywords:
Wasserkraft | Energiespeicher | Norwegen | Prognos | Welternergierat
Ressorts:
Technology | Markets

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