Elektromobilität
23.04.2019

Die Suche nach den Rohstoffen der Zukunft

Foto: Julien Harneis / CC
In der Demokratische Republik Kongo werden Rohstoffe für E-Auto-Batterien abgebaut.

Kobalt und Lithium halten die Börsen in Atem. Ohne die begehrten Rohstoffe geht nichts bei der Herstellung von E-Auto-Batterien. Doch das soll sich ändern.

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Es ist hart, blaugrau-glänzend und galt im Mittelalter als verhext: Kobalt, das chemische Element mit der Ordnungszahl 27. Bergleute verwechselten Kobalterze früher oft mit Silber- oder Kupfererzen. Doch anders als diese roch es beim Erhitzen streng und ließ sich nicht verarbeiten. Vor langer Zeit glaubte man daran, Kobolde hätten kostbares Silber gegessen und dafür minderwertiges Erz ausgeschieden – das Kobalt.

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Heute ist Kobalt für Lithium-Ionen-Batterien unverzichtbar, sein Preis hat sich seit 2015 verdreifacht. Nach dem Allzeit-Hoch im vergangenen Jahr ist er zwar wieder gefallen, doch Analysten rechnen mit einem erneuten Preisanstieg. Denn mit dem Wachstum der Elektromobilität steigt die Nachfrage nach Batterie-Rohstoffen erheblich. EU-Energiekommissar Maroš Šefcovic schätzt den Batteriezellenbedarf der EU bis 2025 auf 200 Gigawattstunden (GWh). Insbesondere Kobalt, Lithium und Nickel sind gefragt.

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Rohstoff-Abbau heizt Konflikte an

Etwa 60 Prozent des Kobalts wird in  der Demokratischen Republik Kongo abgebaut, wo Sklavenarbeit durch Kinder verbreitet ist. Der größte Kobalt-Produzent, das Schweizer Unternehmen Glencore, ist dort aktiv und bestreitet jegliche Verstöße gegen Sozialstandards. Aber auch chinesische Firmen drängen in das Rohstoff-Geschäft im Kongo. Sie bedienen zuerst die Nachfrage in China, die durch die staatlich geförderte Elektroauto-Offensive angefacht wird. Die deutsche Industrie warnt seit einiger Zeit vor Engpässen bei den Rohstoffen. Wissenschaftler tüfteln an neuartigen Batterietechnologien, die den Anteil problematischer Metalle senken oder sie komplett durch andere Stoffe ersetzen. Eine wichtige, weil preisberuhigende Rolle dürften künftig auch das Recycling von Batterien aus der E-Mobilität und der gerade erst entstehende Handel mit Sekundärrohstoffen spielen.

Aus Sicht von Experten sind es vor allem Spekulanten, die die Preise treiben. Sie wetten auf eine Knappheit, die es tatsächlich eher temporär gibt. Das belegen die Zahlen. Die Deutsche Rohstoffagentur (Dera) schätzt zwar, dass der globale Bedarf an Lithium, dem wichtigsten Rohstoff für Lithium-Ionen-Batterien, von momentan rund 33.000 Tonnen bis 2025 auf bis zu 180.000 Tonnen steigen könnte. Bei Kobalt könnte sich die Nachfrage von 110.000 Tonnen im Jahr 2017 bis 2026 sogar mehr als verdoppeln.

Lithium-Reserven in Bolivien

Doch geologisch betrachtet ist keiner der für Lithium-Ionen-Akkus nötigen Rohstoffe knapp. Die globalen Lithium-Ressourcen liegen geschätzt bei 40 Millionen Tonnen. Die umfangreichsten Reserven birgt der Salzsee von Uyuni in Bolivien. Präsident Evo Morales hat dort den Aufbau einer riesigen Lithium-Industrie angekündigt – übrigens mit dem deutschen Batteriehersteller ACI Group als Partner. Auch Kobalt existiert geologisch in ausreichenden Mengen. „Allerdings kann die Erweiterung oder Erschließung von neuen Lagerstätten zwischen vier und 15 Jahren dauern“, sagt Siyamend Al Barazi, Kobalt-Experte der Dera. Weltweit gibt es nur eine kleine Lagerstätte in Marokko, in der industriell in erster Linie Kobalt gewonnen wird. Ansonsten ist es stets ein Beiprodukt der Kupfer- und Nickelgewinnung. Deshalb muss sich zuvorderst deren Abbau lohnen. „Die Investitionskosten in neue Bergwerke sind so hoch, dass die Unternehmen dies nicht allein durch den Kobalt-Abbau finanzieren können“, sagt Al Barazi. Der rasante Anstieg des Kobaltpreises habe bewirkt, dass vor allem im Kongo viele Menschen im „artisanalen“ und Kleinbergbau tätig geworden seien. Dies könne mit ein Grund für die rückläufigen Preise sein, zuletzt  kostete eine Tonne Kobalt 54.000 US-Dollar. Der Rohstoff-Experte erwartet, „dass die industrielle Kobaltförderung in den nächsten zwei bis vier Jahren deutlich gesteigert werden kann“. Je nachdem, wie sich der Bedarf entwickelt, könnte dies den Markt weiter entspannen.

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Keywords:
Rohstoffe | Kobalt | Lithium
Ressorts:
Markets

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