Brennstoffzellen
02.08.2018

Die Unbeirrbaren: Japan geht den Weg des Wasserstoffs

Foto: Finn Meyer-Kuckuk
Wasserstoff-Verfechter: Chefingenieur Yoshikazu Tanaka gilt als Vater des Toyota-Modells Mirai, des ersten Serien-Pkw mit Brennstoffzellenantrieb.

Japan will Wasserstoff zum zentralen Energieträger der Gesellschaft machen. Gegen alle Zweifel halten Industrie und Regierung an diesem Kurs fest – mit erstaunlichen Ergebnissen.

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Der Toyota Mirai entsteht, Auto für Auto, in Handarbeit. In einer eigenen Halle schraubt ein kleines Team von besonders geschulten Mitarbeitern jedes der Wasserstofffahrzeuge nach Kundenwünschen zusammen. Hier ein Mirai für Kalifornien mit dem Lenkrad auf der linken Seite, dort einer für Großbritannien mit dem Lenkrad rechts. „Noch handelt es sich nicht um ein Massenprodukt in dem Sinne, wie wir sonst Autos produzieren“, sagt Yoshikazu Tanaka. „Aber das ist erst der Anfang der Mobilität der Zukunft.“

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Auf Tanakas Visitenkarte steht „Chefingenieur“, doch andere sagen: Er ist der Vater des Mirai – des ersten in Serie hergestellten Autos mit Brennstoffzellenantrieb. Das Fahrzeug soll einmal Urvater einer ganzen Reihe kommerziell tragfähiger Produkte werden, die auch ohne Subventionen am Markt gute Gewinne abwerfen.

Japan geht den Weg des Wasserstoffs, des „Suiso“, wie das farblose Gas in der Landessprache heißt. In einem industriepolitischen Kraftakt wollen Regierung und Großunternehmen im Laufe der kommenden zwei Jahrzehnte die Umstellung der Energiesysteme auf den sauberen Brennstoff erzwingen. Es geht dabei nicht nur ums Fahren, sondern auch um Stromversorgung, Heizen und den Energiebedarf insgesamt. Dem Wasserstoff kommt dabei vor allem eine Funktion zu: Er soll als Zwischenspeicher für Strom aus erneuerbaren Quellen dienen, deren Angebot stark schwankt.

Deutschland nur halbherzig

Die Zukunft von Wasserstoff als Energieträger ist jedoch umstritten. Er hat viele Vorteile, aber fast ebenso viele Nachteile. In vielen Industrieländern wie den USA, China oder Deutschland wird die große Wasserstoff-Vision daher eher halbherzig umgesetzt. Audi und Daimler bringen zwar ebenfalls Limousinen mit Brennstoffzellen auf den Markt, und die Bundesregierung fördert die Wasserstoff-Forschung. „Doch im Vergleich zu der Konsequenz, mit der Japan sein Wasserstoff-Konzept verfolgt, fehlt in Deutschland der durchdachte Ansatz“, sagt der Mobilitätsforscher Andreas Knie vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Seiner Meinung nach ist Japan im Vergleich dazu „absolut auf dem richtigen Weg“.

In „Fujisawa Smart Town“ versorgen Brennstoffzellen von Panasonic Wohnhäuser. Sie sind an den Außenwänden angebracht.
Foto: Finn Meyer-Kuckuk

 

Japanische Industriepläne sind langfristig angelegt und von Bürokraten und Wirtschaftsvertretern gemeinsam im Detail ausgeheckt. Alle ziehen an einem Strang, was eine große Stärke  des Landes ist. Die Beteiligten halten auch dann an ihren Zielen fest, wenn es ernste Schwierigkeiten gibt – was zuweilen inflexibel wirken kann. Der politisch-industrielle Block Japans hielt beispielsweise nach der Atomkatastrophe von Fukushima eisern an der Kernkraft fest. Premier Shinzo Abe steuert erst in diesen Tagen um und formuliert jetzt die vollständige Umstellung auf Erneuerbare als Staatsziel.

Abe ist auch ein großer Anhänger der Wasserstoff-Idee, die eine Wirtschaft ohne Kohlendioxidemissionen ermöglichen soll.  Seine Vorgaben sind viel ehrgeiziger als die der deutschen Bundesregierung. Während Berlin ein echter Langfristplan fehlt und die weitere Öl- und Kohleverbrennung als zunehmend unausweichlich gilt, fördert Tokio den Aufbau einer Wasserstoffwirtschaft mit Milliardensummen. Das Ministerium für Wirtschaft, Handel und Industrie (METI) arbeitet derzeit einen Plan mit drei Phasen ab. Die dritte soll im Jahr 2040 mit der Vervollständigung einer integrierten Wasserstoffwirtschaft enden, die kein Kohlendioxid mehr ausstößt. (Interview mit Streetscooter-Gründer Günther Schuh: Wasserstoff-Antrieb ist die ökologisch ehrlichste Lösung)

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Keywords:
Wasserstoff | Brennstoffzelle | Japan | Toyota | Panasonic
Ressorts:
Governance | Markets

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