CO2-Preis
21.08.2018

Die Zeiten billigen Kohlestroms sind vorbei

Foto: iStock
Die Produktion von Strom aus Kohle könnte bald unrentabel werden.

Die Londoner Carbon Tracker Initiative erwartet, dass der Preis für CO2-Zertifikate in den kommenden Jahren auf bis zu 40 Euro steigt. Das trifft vor allem Kohlekraftwerke und Fluggesellschaften.

Die Kohlenstoffpreise im Emissionshandelssystem der Europäischen Union könnten in den kommenden fünf Jahren auf durchschnittlich 35 bis 40 Euro pro Tonne CO2 steigen. Zu dieser Einschätzung kommt die gemeinnützige Carbon Tracker Initiative in London, welche die Auswirkungen des Klimawandels auf die Finanzmärkte erforscht. Das Recht, eine Tonne CO2 in der EU zu emittieren, wird derzeit um 18 Euro gehandelt, nachdem der Preis im Laufe der Jahre 2016 und 2017 mehrfach nahe vier Euro gesunken war.

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Sollte sich die Preisprognose des Londoner Think Tank bewahrheiten, würde dies zum Beispiel die Produktion von Kohlekraftwerken massiv verteuern und zu einer verstärkten Nachfrage nach Strom aus Gaskraftwerken und erneuerbaren Energien führen, so die jüngste Studie der Carbon Tracker Initiative.

Zertifikate werden fehlen

Mark Lewis, früher Analyst für europäische Energieversorger beim Bankhaus Barclays und Chef der CO2-Forschung bei der Deutschen Bank, unterbreitete bei der Veröffentlichung der Studie auch eine kurzfristige Prognose: Die Kohlenstoffpreise im EU-ETS System, englisch ‚EU emissions trading system‘, würden bis Ende 2018 auf 25 Euro je Tonne steigen. Lewis hat damit seine frühere Prognose vom April 2018 um mehr als zehn Euro angehoben. Begründung: Die Käufer der CO2-Zertifikate würden sich darauf einstellen, dass die EU die Zahl der Emissionszertifikate im Zeitraum 2019 bis 2023 deutlich senken wird. Dies habe zur Folge, dass dem Strom- und Luftfahrtsektor gegenüber heute Zertifikate mit einem Volumen von 1,4 Milliarden Tonnen Kohlenstoff fehlen werden. Zertifikate, die im Zweifelsfall teuer nachgekauft werden müssen.

Brennstoffumstellung auf Gas

Dieser Preisanstieg werde bei den Hauptproduzenten von Strom aus Kohle, und das sind Deutschland, Italien, Spanien und die Niederlande, eine Brennstoffumstellung auf Gas nach sich ziehen. Die Carbon Tracker Initiative erwartet, dass bei einem Kohlenstoffpreis von 40 Euro die Verstromung von Kohle soweit zurückgedrängt wird, dass innerhalb der EU der Ausstoß klimaschädlichen CO2 um 400 Millionen Tonnen im Zeitraum 2019-2023 sinkt. Dies würde bedeuten, dass die Auslastung deutscher Kohlekraftwerke von 41 auf 20 Prozent im Jahr 2020 sinkt, während die von Gaskraftwerken von 20 auf 50 Prozent steigt.

Forschungsleiter Lewis geht aber auch davon aus, dass der CO2-Preis eine markttechnische Obergrenze hat, die er nicht dauerhaft übersteigen wird: "Obwohl wir nach wie vor von einem weiteren Preisanstieg ausgehen, sind wir der Meinung, dass die Preise bei 50 Euro auf eine Barriere stoßen. Denn bei diesem Preis würde eine Kombination aus Brennstoffumstellung, billigeren erneuerbaren Energien, politischem Druck und dem Verkauf überschüssiger Emissionszertifikate durch Spekulanten die Dauer überhöhter Preise begrenzen."

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Thomas Bauer
Keywords:
Klimawandel | Energiepolitik
Ressorts:
Governance

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