Immer weniger Deutsche tanken Erdgas. Im vergangenen Jahr sind nur rund 6.250 Fahrzeuge verkauft worden, etwa 30 Prozent weniger als im Vorjahr. Das geht aus dem am Donnerstagabend in Berlin vorgestellten Fortschrittsbericht der von der Deutschen Energie-Agentur (Dena) koordinierten Initiative Erdgasmobilität hervor. Damit ging der Bestand an Erdgasfahrzeugen bis Anfang 2016 auf insgesamt 98.000 zurück und lag damit erstmals knapp zwei Prozent niedriger als ein Jahr zuvor. Auch die Zahl der Tankstellen brach ein. Mit 911 sind es zehn weniger als noch 2014.

Das liegt laut Bericht zum einen an den derzeit niedrigen Benzin- und Dieselpreisen. Die Initiative Erdgas macht jedoch auch Hersteller und Politik für den Rückgang verantwortlich. Der Antrieb werde zu wenig beworben, vielen Autofahrern seien die Vorteile des alternativen Antriebs nicht bewusst, heißt es seitens der Dena.

Auch der parlamentarische Staatssekretär im Bundesverkehrsministerium, Norbert Barthle, sieht die Autohersteller in der Pflicht. Bislang fehle es in der Modellpalette beispielsweise an Erdgashybridfahrzeugen, sagte Barthle gestern Abend in Berlin.

 

Pluspunkte bei der Klimabilanz

Dabei spricht einiges für die mit Erdgas fahrenden Modelle: Im Schnitt stoßen solche Pkws rund 20 Prozent weniger klimaschädliches CO2 aus als Benziner. Anders als der durch die Abgasaffäre in Verruf geratene Diesel pusten die Erdgas-Modelle zudem kaum Feinstaub und Stickoxide in die Luft.

Zwar sind die Fahrzeuge im Vergleich zu herkömmlichen Autos noch immer um einiges teurer und haben eine geringere Reichweite, an der Tankstelle zahlen Autofahrer jedoch weniger. Im Vergleich zum Diesel sparen sie beim Tanken von Erdgas rund 50 Prozent, auch bei den derzeit niedrigen Dieselpreisen. Das liegt nicht zuletzt an steuerlichen Vergünstigungen. Ob der ermäßigte Energiesteuersatz allerdings noch über das Jahr 2018 verlängert wird, ist noch ungewiss. Ein Gesetzesentwurf liegt derzeit bei den verantwortlichen Ministerien. Grundsätzlich steht die Bundesregierung hinter dem alternativen Kraftstoff. Bis 2020 will sie den Anteil von Erdgasfahrzeugen von derzeit 0,4 Prozent auf vier Prozent steigern. Das entspräche etwa rund zwei Millionen Pkws oder 200.000 Lkws.

 

Dena fordert mehr politische Unterstützung

Pkw tanken üblicherweise komprimiertes Erdgas (CNG). Zusätzlich setzt die Bundesregierung bei Brummis auf verflüssigtes Erdgas, in der Fachwelt Liquefied Natural Gas (LNG) genannt. In diesem Jahr hat eine hessische Logistikfirma die ersten mit Flüssiggas betriebenen Lkw auf die Straße geschickt.

Laut Dena-Geschäftsführerin Kristina Haverkamp tun Bundesregierung und Industrie unterm Strich allerdings noch zu wenig: „Unser Fortschrittsbericht macht deutlich: Ohne verlässliche politische Rahmenbedingungen und zusätzliche Unternehmensinvestitionen werden sich alternative Kraftstoffe und so auch die Erdgasmobilität nicht im notwendigen Maße entwickeln.“

 

Immer weniger Deutsche tanken Erdgas. (Foto: Wikipedia/Andreas Geick)