Erneuerbare Energien
28.10.2013

Direktvermarktung boomt

Foto: EEX
Strombörse Leipzig

Immer mehr Betreiber von Wind-, Solar- oder Bioenergieanlagen vermarkten ihren Strom direkt oder verkaufen ihn an Stromhändler. Die Umlage für das Erneuerbare-Energien-Gesetz entlastet das aber kaum.

In Deutschland nehmen nach den Zahlen der vier Übertragungsnetzbetreiber Ökostromanlagen mit insgesamt 35.000 Megawatt Leistung an der Direktvermarktung teil, das sind rund 6.200 Megawatt mehr als noch zu Jahresbeginn. Die Betreiber können bei diesem seit 2012 existierenden Modell den Strom aus ihren Anlagen selbst oder über einen Stromhändler an der Börse vermarkten. Die feste Umlage über das Erneuerbare-Energien-Gesetz entfällt in diesem Fall.

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Das Risiko ist allerdings gering. Die Betreiber behalten als Belohnung eine Marktprämie, die den Preisunterschied zwischen Börsenstrompreis und EEG-Tarif ausgleicht. Die Marktprämie wiederum wird aus der EEG-Umlage finanziert. Dazu gibt es noch eine Managementprämie für den zusätzlichen Aufwand. Die Kosten für die Prämien stiegen deutlich an und lagen zuletzt bei 500 Millionen Euro pro Monat.

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80 Prozent der Windkraft in Direktvermarktung

Vor allem Betreiber von Windparks nutzen die Möglichkeit. Laut Prognose der Übertragungsnetzbetreiber werden im November 26.800 Megawatt Windstrom direkt vermarktet, das sind fast 80 Prozent aller Anlagen und noch einmal 3.000 Megawatt mehr als zu Jahresbeginn. Die Betreiber lockt nicht zuletzt die Aussicht, unter bestimmten Umständen mehr zu verdienen. „Falls der Betreiber seinen Grünstrom an der Strombörse zu Spitzennachfragezeiten und zu Spitzenpreisen – also oberhalb des durchschnittlichen monatlichen Marktpreises – verkauft, fährt er sogar mehr Gewinne ein als zuvor im fixen EEG-Vergütungsmodell“, heißt es etwa auf der Internetseite eines Stromhändlers. 

Für Stromhändler ist die Direktvermarktung ebenfalls ein attraktives Modell. Ihre Zahl hat seit 2012 deutlich zugenommen. Das Geschäftsmodell: Sie nehmen den Betreibern die Vermarktung ab und behalten dafür die Managementprämie ein.

Bei der Biomasse ist die Direktvermarktungsquote mit 85 Prozent sogar noch höher. Das entspricht einer Leistung von knapp 3.000 Megawatt. Bei der Solarenergie kommen aktuell knapp 4.200 Megawatt auf diesem Weg in den Markt. Bezogen auf eine installierte Leistung von 34.000 Megawatt noch eine geringe Menge, aber immerhin knapp doppelt so viel wie zu Jahresbeginn.

 

 

Karsten Wiedemann
Keywords:
Windenergie | Solarenergie | EEG | Bioenergie | Marktprämie | Direktvermarktung
Ressorts:
Markets

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